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Schatzsucher im Dippser Untergrund

Die Bergleute sind an einer Stelle früher und heute enttäuscht worden. Besser sieht es in der Glashütter Straße aus.

© Frank Baldauf

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Die Forschung nach dem mittelalterlichen Bergbau im Osterzgebirge nimmt neue Fahrt auf. Ein Schwerpunkt bleibt Dippoldiswalde mit seinen Überresten aus dem Bergbau im Mittelalter. Diese sind europaweit einzigartig, wie Christiane Hemker vom Landesamt für Archäologie betont. Im Dippser Stadtgebiet sind derzeit zwei Baustellen offen, wo die Bergsicherung Freital den Dippoldiswalder Untergrund erkundet. So untersuchen ihre Mitarbeiter einen Schacht an der Brauhofstraße. Dort hat sich im Oktober ein Tagesbruch gezeigt, dem die Bergsicherung Freital dann im Auftrag des Oberbergamts Sachsen weiter nachgegangen ist.

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© Hönig LfA

Der Schacht ist aber eine Enttäuschung. Das war er schon für die Bergleute, die ihn seinerzeit gegraben haben. Sie haben dort genauso wenig gefunden wie die heutigen Bergarchäologen, die sich hier neue historische Funde erhofft haben. Der Schacht erreicht 14 Meter Tiefe und führt senkrecht nach unten, Bergleute sprechen dabei von einem Seigerschacht. „Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Prospektionsbergbau“, teilt Christiane Hemker vom Landesamt für Archäologie mit. Unsere Vorfahren haben hier nach Erz gesucht. An zwei Stellen haben sie waagerecht weitergegraben, aber nach einem guten Meter wieder aufgegeben. Das Gleiche, nur mit modernen Methoden, hat auch die Bergsicherung gemacht. Sie hat nach der Seite gebohrt, um eventuell benachbarte Schächte zu finden, aber ohne Erfolg.

Heide Hönig ist Grabungstechnikerin beim archäologischen Landesamt und verfolgt die Erkundungsarbeiten genau, um ja keine Spuren des historischen Bergbaus zu verpassen. Davon gibt es aber wenige in der Brauhofstraße. Aus dem Material, das im Laufe der Jahre in den Schacht gestürzt ist, haben die Forscher zwei Hölzer geborgen. Die werden jetzt von Spezialisten untersucht, die aus den Jahresringen ablesen können, wann das Holz gewachsen ist.

Ziel: Häuser und Straßen sichern

Das ist eine spezielle Methode der Archäologen. Die Abfolge der Jahresringe hat ein markantes Muster, mal sind sie dicker, mal dünner. Das ergibt sich aus der Folge von trocknen und nassen Jahren, die ein Baum erlebt. Damit können Spezialisten genau datieren, wann ein Baum gewachsen ist und wann er geschlagen wurde. Mit dieser Methode bestimmen die Archäologen bis aufs Jahr genau, wann ein Schacht oder Stollen errichtet wurde, wann eben unsere Vorfahren an der Brauhofstraße gegraben haben. Heide Hönig geht aber davon aus, dass es sich auch hier um mittelalterlichen Bergbau handelt. Auf den Beweis dafür ist sie noch gespannt. Die Arbeiten an dem Schacht an der Brauhofstraße werden in Kürze abgeschlossen.

Mehr erhoffen sich die Fachleute von der Erkundung an der Glashütter Straße. Im Sommer wurden hier Bohrungen gemacht, um den Straßenuntergrund zu erforschen. Dabei haben die Bergleute Hohlräume gefunden. Sie gehen davon aus, dass dies Fortsetzungen des Bergreviers sind, das in den vergangenen Jahren schon erforscht wurde. Bis 15 Meter Tiefe sind die Bergleute vorgedrungen. Ab sieben Meter Tiefe haben sie bereits Altbergbau gefunden. Richtung Südwesten und Nordosten führen Stollen. Noch etwas tiefer, etwa zehn Meter unter dem heutigen Gelände, treffen mehrere Erzgänge aufeinander.

Die Arbeiten der Bergsicherung haben vor allem ein Ziel, die Straße und die Häuser zu sichern. Daher werden die Abbaubereiche jetzt bis in eine Tiefe von fünf Metern ausgeräumt und neu gesichert. Die ersten archäologischen Funde sind dabei auch schon gefunden worden. Sieben Hölzer, die wahrscheinlich aus der Anfangszeit des Bergbaus stammen, sind geborgen. Auch sie werden für die Datierung untersucht. Holzeinbauten, die noch an Ort und Stelle sind, wurden bisher aber nicht gefunden. Bisher sind die aktuellen Funde also nicht so sensationell wie die früheren. Jedoch sind die Arbeiten an der Glashütter Straße noch lange nicht abgeschlossen. Niemand weiß, welche Schätze der Untergrund von Dippoldiswalde noch birgt.