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Schaufeln für ein Millionenprojekt

Jetzt geht es los: Am Montag fiel der offizielle Startschuss für den Breitbandausbau in den Großenhainer Ortsteilen.

© Kristin Richter

Von Catharina Karlshaus

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Großenhain. Wer zu spät kommt, den bestraft das Protokoll – am Ende doch nicht. Susann Rüthrich bekam zwar von der Rede des Großenhainer Oberbürgermeisters Sven Mißbach (parteilos) nicht mehr viel mit. Im entscheidenden Moment schaufelte die SPD-Bundestagsabgeordnete dann aber ebenso wie ihre politischen Mitstreiter munter drein. Und der erste offizielle Spatenstich für den Breitbandausbau in den Großenhainer Ortsteilen lockte nicht zu Unrecht viele Vertreter des öffentlichen Lebens nach Bauda.

Immerhin: „Mit dem Breitbandausbau und der Digitalisierung stärken wir unsere Ortsteile nachhaltig. Vor allem für junge Leute, Familien und Gewerbebetriebe ist ein leistungsfähiger, stabiler Internetanschluss heute enorm wichtig“, betonte der Verwaltungschef. Bei vielen Dingen des Alltags und dessen Organisation sei man schon jetzt maßgeblich auf die Informationen und Dienstleistungen aus dem Internet angewiesen. Fehle der Internet-Anschluss oder wäre dieser nur eingeschränkt verfügbar, fehle es an Lebensqualität und wirtschaftlichen Grundlagen.

Etwas, das sich nun bis Ende 2020 zumindest für insgesamt 17 Großenhainer Ortsteile ändern soll. Gefördert mit satten 8,94 Millionen Euro stelle der Ausbau laut Enso-Geschäftsführer Steffen Heine ein gewaltiges Vorhaben dar. Mit dem Anschluss von Folbern, Rostig, Weßnitz, Zschauitz, Skassa, Wildenhain, Bauda, Walda-Kleinthiemig, Nasseböhla, Skaup, Skäßchen, Stroga, Uebigau, Krauschütz, Strauch, Treugeböhla und Zabeltitz würden 2 600 Haushalte sowie 380 Unternehmen an das schnelle Glasfasernetz angeschlossen. Nach dem Ausbau stünden demnach privaten Haushalten Übertragungsraten von 100 Mbit/s und Gewerbebetrieben bis zu 1 GBit/s zur Verfügung.

Begonnen werde zunächst in Bauda, gefolgt von Zschauitz und Kleinthiemig. Praktisch bedeutet das: In den Ortsteilen werden Gruben und Gräben für die Verbindungsleitungen und Hausanschlüsse nötig. Erforderlich seien demnach Tiefbau- und Umbauarbeiten am und im Haus. Zumeist bis in den Anschlussraum im Erdgeschoss oder Keller. Geplant wären laut Enso-Netz allein rund einhundert Kilometer Tiefbauarbeiten, damit circa 900 Kilometer Glasfaser verlegt werden können.

„Mit dem Anschluss auch kleinerer Ortschaften an die Datenautobahn wird dafür gesorgt, damit sich gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land entwickeln können. Das haben wir mittlerweile in 20 Projekten schon erfolgreich umgesetzt“, erklärte Steffen Heine. Der Anschluss für die Grundstückseigentümer wäre vollkommen kostenfrei, sofern sie einen sogenannten Gestattungsvertrag unterzeichneten. Dieser erlaube der Enso-Netz und von ihr beauftragten Firmen, die notwendigen Tiefbau- und Anschlussarbeiten auf dem Grundstück durchzuführen. Wenn der Vertrag nicht unterschrieben werde, würde der Hausanschluss nur vorbereitet. Der Anschluss selbst müsse dann später kostenpflichtig vom Eigentümer des Grundstücks beauftragt werden.

Bevor die Röderstadt mit dieser im Übrigen größten Investition seit der dritten sächsischen Landesgartenschau 2002 beginnen konnte, ging indes einige Zeit ins Großenhainer Land. Fast drei Jahre liegen zwischen den ersten Bedarfsanalysen in den Ortsteilen und dem Baubeginn. Nach der Auswertung eines aufwendigen europaweiten Ausschreibungsverfahrens hatte die Enso Energie Sachsen Ost AG im Juni den Zuschlag für den Ausbau erhalten. Großenhain ist damit eine der ersten Kommunen in Sachsen, die mit dem Breitbandausbau nach der neuen Bundesrichtlinie beginnt. Das Verfahren des Ausbaus werde durch diese wesentlich vereinfacht.

„Etwas, das auch dringend nötig gewesen ist! Normalerweise haben Kommunen oder Länder gute Ideen, danach streitet man sich über Zuständigkeiten und vor allem das Geld“, erinnerte der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière. In diesem Fall, so der CDU-Bundestagsabgeordnete, sei es jedoch umgedreht gewesen. Es sei viel Geld zum Breitbandausbau da gewesen, aber es habe nicht richtig abfließen können, da die Verwaltungsverfahren zu kompliziert gewesen seien. Dabei wäre schnelles Internet aus den täglichen Abläufen nicht mehr wegzudenken. Unverzichtbar für die medizinische Versorgung oder die Übermittlung von Informationen.