merken

Schaukelstuhl noch nicht in Sicht

Nach 23 Jahren Bundestag hat sich Wolfgang Bosbach aus der Politik zurückgezogen. Trotzdem jagt er quer durch die Republik.

© dpa/Oliver Berg

Von Yuriko Wahl-Immel

Arbeiten in Görlitz

Ob Arbeitsplatz, Ausbildung, Studium, Job für zwischendurch, Freiwilligendienst oder Ehrenamt: In Görlitz gibt es jede Menge gute Jobs!

Wolfgang Bosbach ist in großer Eile. Gehetzt kommt er zum morgendlichen Interview an seinem Heimatort Bergisch Gladbach nahe Köln. Man erwartet ihn schon wenig später zu einem Empfang. Mittags will er mit dem Auto nach Darmstadt eilen, mit Schülern diskutieren. Abends zwei Redeauftritte in Hessen.

Hatte sich der CDU-Innenexperte nicht gerade im Oktober aus dem Politikgeschäft zurückgezogen? Nach 23 Jahren im Bundestag war er nicht mehr angetreten. Weil der Konservative öfters quer stand zum Kurs der CDU-Führung, aber auch, um mehr Zeit für sich zu haben. Danach sieht es nicht aus.

„Im Moment hat sich mein Leben noch nicht so sehr geändert, mit einer einzigen Ausnahme: Jede Zuschrift oder Einladung beginnt mit dem Satz: ,Jetzt, da Sie mehr Zeit haben, könnten Sie doch mal ...‘“, erzählt Bosbach. Er habe viele Termine verschoben auf die Zeit nach dem Bundestag. Das arbeite er nun ab. In kleinen und großen Sälen. Die Veranstaltungen seien „supergut besucht, da bleibt kein Stuhl frei.“ Aber die Reiserei mache ihm zu schaffen. „Im Moment sage ich mehr ab als zu.“

Bosbach, verheiratet, drei erwachsene Töchter, im ersten Leben Supermarktleiter, dann nach Abitur und Jurastudium auch als Rechtsanwalt tätig, ist unheilbar an Krebs erkrankt. Vor einigen Jahren hatte er das öffentlich gemacht. „Die Krebstherapie hat leider eine chronische Müdigkeit zur Folge, die ich – so paradox es sich anhört – am heftigsten spüre, wenn ich einmal Ruhe habe“, sagt er. „Solange ich wie ein Hamster im Rad unterwegs bin, merke ich das eigentlich gar nicht.“

Vom Ruhestand im Schaukelstuhl könne keine Rede sein, sagt Bosbach. Der CDU-Mann gilt als einer der bekanntesten und beliebtesten Politiker, obwohl er nie ein Ministeramt innehatte. Von 1994 bis Oktober 2017 war er im Bundestag aktiv. In den letzten Jahren fremdelte er arg mit Kanzlerin Angela Merkel, etwa in puncto Euro-Rettung oder Flüchtlingspolitik. Die TV-Einladungen werden allmählich weniger, sagt Bosbach. „Dafür habe ich Verständnis, dass man lieber die einlädt, die jetzt aktiv Verantwortung tragen. Da habe ich keine Entzugserscheinungen.“ (dpa)