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Schichtarbeit im Pavillon

Das ehemalige Gärtnerdomizil im Rosengarten hat eine bewegte Historie. Die vielen Nutzer haben ihre Spuren hinterlassen.

© Lutz Weidler

Von Eric Weser

Tiefenau. ist ein Sonderling in dem ansonsten sehr ähnlichen Quartett im Tiefenauer Rosengarten: der Gärtnerpavillon. Wer genau hinschaut, sieht das schon von außen, sagt Gunter Preuß. Tatsächlich: die kleinen Fenster, die außermittige Eingangstür, den Schornstein – das gibt es bei den drei benachbarten Pavillons nicht. Im Inneren zeigen sich noch mehr Unterschiede: Durch eine Zwischendecke gibt es eine zweite Etage, eine Treppe, Türen, Steckdosen, einen Schornsteinschacht.

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Bauforscher Preuß hat versteckte Barock-Stuckaturen entdeckt.
Bauforscher Preuß hat versteckte Barock-Stuckaturen entdeckt. © Lutz Weidler
Klassizistische Malereien wurden ebenfalls freigelegt.
Klassizistische Malereien wurden ebenfalls freigelegt. © Lutz Weidler

Allein das zeigt schon: Der Gärtnerpavillon hat eine bewegte Historie. Als er gebaut wurde, sah er innen und außen so aus, wie die drei anderen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde an dem ursprünglich barocken Haus – das lange als Domizil des Schlosspark-Gärtners diente und noch bis vor etwa 30 Jahren bewohnt war – immer wieder etwas umgebaut.

Nicht alle Veränderungen sind ohne Weiteres sichtbar, deswegen hat Gunter Preuß sie jetzt ausgegraben. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. An zig Stellen im Gebäude hat der Restaurator mit einem Skalpell millimeterdünne Farbschichten unter dem letzten Anstrich freigekratzt. Anderswo ging es robuster zu, da kamen Hammer und Meißel zum Einsatz, um zugemauerte Wände oder frühere Putze offen zu legen. Seine Arbeit im Gebäude könne man als Bau-Archäologie verstehen, sagt der erfahrene Restaurator.

Was bei den „Grabungen“ zum Vorschein kam, lässt genauere Rückschlüsse auf die Epochen zu, in denen etwas am Pavillon getan wurde. Die farbenfrohen Muster im Erdgeschoss deuten laut Preuß auf späten Klassizismus der 1850er, 1860er- Jahre hin. „Es könnte aber auch 20 Jahre später gewesen sein, manchmal dauert es ja etwas, bis sich der Stil verbreitet.“ Eine Etage darüber legte Preuß an einer Ecke den erhaltenen Rest der barocken Stuckatur frei, ein Element, das späteren Umbauten größtenteils zum Opfer fiel. „Man war immerhin so verständnisvoll, den Teil in der Wand stehenzulassen.“


Dass auch im 20. Jahrhundert etwas am Pavillon getan wurde, darauf deutet die verlegte Elektrik hin. Auch die schlichten Türen seien erst vor einigen Jahrzehnten eingebaut worden, ist sich Preuß sicher. Ein paar Reste bläulich-silberner Tapete kommentiert der Restaurator schmunzelnd mit „Tapetenfabrik Coswig“. Wann das dunkle Linoleum im Obergeschoss verlegt wurde, lässt sich sogar vom Laien datieren, weil es mit bestens erhaltenen DDR-Zeitschriften wie „Für Dich“ und anderem Lesestoff der Jahre 1972/73 unterfüttert ist.

Der Gärtnerpavillon birgt einen Stil- und Epochenmix, der laut Gunter Preuß „einen Bogen von der höchsten Kultur bis zur einfachen Landarbeiterunterkunft“ schlägt. Das nächste Kapitel in der Historie des Gärtnerpavillons will demnächst Neu-Eigentümer Henry de Jong schreiben. Der niederländische Unternehmer plant, in dem denkmalgeschützten Gebäude eine Wohn- und Arbeitsstätte für sich einzurichten. Von hier aus will er das Tiefenauer Rittergutsgelände in ein Ferienresort verwandeln. Noch dieses Jahr würde de Jong gern mit den Sanierungsarbeiten im Pavillon beginnen, sagt sein Mitarbeiter Holger Wolf.

Ob das klappt, müssen die Abstimmungen mit den Denkmalschutzbehörden zeigen, die nach den Untersuchungen von Gunter Preuß anstehen. Alles zu erhalten, wird nicht gehen. Und es sei auch nicht nötig, sagt der Restaurator und Bauforscher: Für solch ein sächsisches Barockdenkmal erster Güte seien Bemalungen aus dem 19. Jahrhundert nicht komplett erhaltenswert, findet Gunter Preuß. Was man an der über Jahrhunderte gewachsenen Bausubstanz neben dem barocken Kern als „original“ bezeichnet, sei eine ohnehin spannende Frage – die in der nächsten Zeit beantwortet werden dürfte.