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Schiebock de luxe

Nach dem Festjahr 2017 sollen weitere Schubkarren ins Bischofswerdaer Stadtbild kommen.

© Zeichnung: Knut Winkler

Von Ingolf Reinsch

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Bischofswerda. Wer in der DDR auf sich hielt, es sich leisten konnte und nach rund 15 Jahren Wartezeit schließlich an der Reihe war, der fuhr Wartburg-Tourist. Oder eben Trabant de luxe – mit verchromten Stoßstangen und farbigem Dach.

Der Schiebock als Servierwagen – er will eine Brücke vom Traditionellen zur Moderne schlagen.
Der Schiebock als Servierwagen – er will eine Brücke vom Traditionellen zur Moderne schlagen. © Zeichnung: Knut Winkler

Was vor Jahrzehnten beim Trabi ging, das sollte heute auch beim Schiebock möglich sein, sagten sich Matthias Greth, Inhaber der Bischofswerdaer Pension „Unter den Linden“, und der Burkauer Maler und Kunstschmied Knut Winkler, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Knut van der Vinzburg. Beide stellten jetzt zwei Entwürfe für extravagante Schieböcke vor, von denen einer, vorbehaltlich der Finanzierung, in den kommenden Jahren realisiert und vor der Pension an der Hellmuth-Muntschick-Straße aufgestellt werden könnte. Vorgeschlagen werden zum einen ein Schiebock in Form eines Servierwagens und zum anderen eine Rundbank, die an einem 2010 vor der Pension gepflanzten Kugelahornbaum errichtet werden könnte. Darauf dürfte dann jeder ausspannen, der vorbei kommt, sagt Matthias Greth.

Rundbank und Servierwagen

Die Idee mit der Rundbank ist schon älter, berichtet der Pensionswirt. Irgendwann einmal hatte er mit seinem Nachbarn darüber gesprochen. Sie in Form eines Schiebocks zu errichten, war dann aber seine Idee. Um sie eventuell zu verwirklichen, suchte sich Matthias Greth einen Partner und fand ihn in Knut Winkler, der erst vor Kurzem in Säuritz bei Burkau seine eigene Kunstschmiede eröffnet hat. Der Künstler brachte daraufhin seine Gedanken zu Papier – in Form von Zeichnungen und einer Beschreibung. Den Servierwagen beschreibt er wie folgt: „Bei diesem Schiebock gehen die Enden in einen Bischofsstab über. Die Vorderfront als stilisiertes Auto nimmt Bezug zum Fortschritt vom alten Schiebock zum modernen Elektroauto. Die Beleuchtung soll mit Solarzellen realisiert werden.“ Dem Betrachter fällt am Griff des Wagens sofort die mehrhändige Figur ins Auge. „Deren Hände symbolisieren unter anderem, dass viele fleißige Hände an dem Wiederaufbau nach dem verheerenden Stadtbrand vom Mai 1813 und bis heute an der Gestaltung Bischofswerdas mitgewirkt haben und noch wirken.

Zur Bank in Form eines Schiebocks erklärt er: „Der Standort soll unter einem Baum sein, daher die geteilte Form mit mittiger Rückenlehne, die mit ihrer gemütlichen Form, zum Liegen und Anlehnen einladen soll. Das Vorderteil ist ein geschmiedeter Bock als Verbindung zu Schiebock. Dessen blattvergoldeten Hörnerenden gehen jeweils in das Ende eines Bischofsstabes über. Die Füße nehmen das Wagenrad auf, die Hinterseite geht mit einer Figur in die Lehnen über. Auf der anderen Seite ist ein geschmiedeter Hinterfuß von einem Schafsbock zu finden.“

20 neue Schieböcke im Festjahr

Bischofswerda will den Schiebock, ein Alleinstellungsmerkmal, touristisch besser vermarkten. Aus diesem Grund wurde im vergangenen Jahr ein Wettbewerb ausgelobt. Mit dem Ergebnis, dass es jetzt „20 Schieböcke mehr“ im Stadtbild gibt, sagt Andreas Mikus, Mitglied der aus einer Zukunftswerkstatt entstandenen Arbeitsgruppe Tourismus. „Wir arbeiten daran, dass weitere Schieböcke dazu kommen“, so Andreas Mikus. Einen Wettbewerb, wie im vergangenen Jahr, als die Stadt ihr 790-jähriges Bestehen feierte, wird es wohl nicht mehr geben. Denkbar sei es jedoch, in jedem Jahr einen besonders originellen Schiebock zu prämieren.

Von den zum Wettbewerb eingereichten Projekten harrt noch einiges der Verwirklichung. Dazu gehören der Vorschlag für einen Willkommensschiebock auf dem Empfangsgebäude des Bahnhofes und ein Wasserspiel, das, in welcher Weise auch immer, die stadttypische Schubkarre einbezieht. – Schiebock-Freunde, die ebenfalls auf ihre Entwürfe oder bereits fertiggestellten Projekte aufmerksam machen wollen, können sich jederzeit an die Arbeitsgruppe Tourismus wenden.

Kontakt: [email protected] oder [email protected]