merken

Schiebocker Tage ohne Happy Vibes

Im Pirnaer Kreistag sorgte DJ Happy Vibes alias Andreas Hofmann Anfang Februar für große Aufregung. Mittlerweile ist die Aufregung auch in Bischofswerda angekommen.

© Thorsten Eckert

Von Ingolf Reinsch

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Bischofswerda feiert vom 10. bis 12. Juni sein Stadtfest. Bischofswerda feiert es ohne DJ Happy Vibes. Der angesagte DJ und Radiomoderator, der mit bürgerlichem Namen Andreas Hofmann heißt, galt nach SZ-Informationen als einer der Anwärter für das Hauptprogramm am Sonnabendabend auf dem Altmarkt. Dort trat er bereits vor drei Jahren auf. Die Agentur des Künstlers wurde angefragt. Doch inzwischen fiel die Entscheidung gegen den Kult-DJ.

Die Absage kommt prompt nach einem Auftritt von Hofmann im Pirnaer Kreistag. Der mündete in einem Eklat, weil der DJ versucht hat, die Bürgerfragestunde für ein Statement gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in seiner Heimatgemeinde zu nutzen. Für eine Petition gegen ein Heim sammelte Happy Vibes über 1 000 Unterschriften. In dem Papier spricht er von einer „Suizid-Politik“.

Dass die Absage mit diesen Äußerungen in Zusammenhang steht, bestätigte Norman Reitner von der AG Schiebocker Tage 2.0 auf Anfrage nicht. Die Entscheidung sei vordergründig durch das Programm begründet. „Wir können für den Sonnabendabend einen Live-Musiker verpflichten – für uns die wertigere Alternative zu einem DJ“, so Norman Reitner. Entschieden habe sich das in der vergangenen Woche. Es gab aber noch keinen Vertrag, heißt es bei der Aktionsgemeinschaft Schiebocker Tage 2.0 und in der Stadtverwaltung. Nach Angaben von Reitner planten die Stadtfestorganisatoren für Sonnabendabend mit drei Optionen. Eine davon war DJ Happy Vibes. Der Künstler hat eine große Fangemeinde. Vor allem, weil er zeitlose Musik spielt, die bei vielen Leuten gut ankommt, sagt Jana Kalauch, Koordinatorin der Stadt für die Schiebocker Tage.

Pikant: Nach SZ-Informationen befand sich in der Absage-Mail an Hofmanns Agentur die Kopie eines SZ-Beitrags, in dem es um seinen Auftritt im Pirnaer Kreistag Anfang Februar geht. In der Bürgerfragestunde gab er ein Statement zur genannten Petition ab und wurde vom Vize-Landrat gestoppt. Andreas Hofmann wirft der Spitze des Nachbar-Landkreises nun vor, Meinungen zu sanktionieren. Der Sebnitzer Kreisrat Rainer Böhme (Die Linke) antwortete in einem Offenen Brief. Er wirft dem Entertainer vor, dass er mit seinem Auftritt im Kreistag provozieren wollte. „Die Bürgerinitiative und Du, ihr wolltet uns Kreisräten mal reinen Wein einschenken. Weil wir ja nicht wissen, mit welchen Ängsten die Bürger „draußen“ leben müssen. Also zumindest wir von CDU, Linken, SPD, Grünen und FDP“, heißt es unter anderem in dem Brief. Und: „Du wusstest genau, dass du hinterher Deinen Auftritt als erneuten Beweis für das undemokratische System durch die sozialen Medien blasen wirst.“

Dass die Absage in Bischofswerda auch wegen dieses Offenen Briefes erfolgte, verneinen die Organisatoren. Norman Reitner sagt im Namen der Aktionsgemeinschaft aber auch, Künstler, bei deren politischen Ansichten man Zweifel habe, „dass sie für die demokratischen Werte unserer Gesellschaft eintreten, haben auf der Stadtfestbühne nichts zu suchen“. Die politische Diskussion dürfe nicht auf der Bühne eines Stadtfestes geführt werden.

Unabhängig vom DJ: Die Schiebocker Tage bieten in diesem Jahr wieder gute Musik. Wer der Künstler ist, der am 11. Juni statt DJ Happy Vibes auf der Altmarktbühne stehen wird, wird zwar noch nicht gesagt, „erst wenn der Vertrag unterschrieben ist“, heißt es. Für Freitagabend wurde die Band „Retroskop“, für Sonnabend bisher „Die Schlagermafia“ vertraglich gebucht. Fest steht auch, dass der Liedermacher Gerhard Schöne während des Stadtfestes ein Konzert in der Christuskirche gibt. Für Sonntagabend ist Public Viewing von der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich geplant.

Organisiert wird das Stadtfest in Bischofswerda von engagierten Bürgern, die sich zur Aktionsgemeinschaft Schiebocker Tage 2.0 zusammengeschlossen haben, gemeinsam mit der Stadtverwaltung. Neun der zehn Mitglieder der AG engagieren sich ehrenamtlich. Hinzu kommt seitens der Stadtverwaltung Jana Kalauch. Dass Norman Reitner an Bord bleibt, war lange nicht klar. Nach seinem beruflichen Wechsel als Citymanager nach Hoyerswerda im vergangenen Jahr hatte er es zunächst offen gelassen, in welchem Umfang er sich noch für Bischofswerda und das Stadtfest einbringen kann.

facebook.com/schiebockertage