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Schilderkampf gegen Elefantenrennen

Die Überholverbote für Lkw auf der Autobahn 4 sollen ausgeweitet werden. Aber bringt das wirklich etwas?

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Bautzen/Dresden. Elefantenrennen – schon das Wort nervt viele Autofahrer. Deshalb waren die Erwartungen groß, als im Oktober auf der A 4 ein Überholverbot eingeführt wurde. Gültig zwischen den Abfahrten Pulsnitz und Hermsdorf für Lkw über 7,5 Tonnen. Weniger Staus und weniger Unfälle, das war die Hoffnung, die sich damit verband.

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Ausgerechnet die Unfallstatistik bringt nun aber überraschende Fakten zutage, jedenfalls auf den ersten Blick. Denn seit Einführung des Überholverbots haben sich die Unfallzahlen erhöht. Während es im ersten Quartal 2017 zu elf Zusammenstößen kam, waren es im ersten Quartal 2018 fünf Unfälle mehr. Allerdings verliefen diese deutlich glimpflicher als im Jahr zuvor. Damals waren zehn Leichtverletzte und ein Toter zu beklagen, für dieses Jahr weist die Statistik lediglich sieben Leichtverletzte aus.

Zudem standen mindestens zwei Unfälle im Zusammenhang mit der aktuellen Baustelle in diesem Autobahnabschnitt. Dort entsteht derzeit eine neue Anschlussstelle für Pulsnitz, um die Staatsstraße 177 anzubinden. Diese wird als schnelle Verbindung zwischen der Autobahn 17 bei Pirna und der A 4 gebraucht. Sind die Überholverbote also doch sinnvoll? Ja, auf jeden Fall, lautet die klare Antwort der Verantwortlichen im Landesamt für Straßenbau und Verkehr überzeugt. Und auch die Polizei unterstützt diese Sicht.

Das ändert sich

Abschnitt Pulsnitz-Hermsdorf: Das Lkw-Überholverbot gilt künftig nicht mehr nur für Laster über 7,5 Tonnen, sondern für alle. Zudem durchgängig von 7 bis 19Uhr.

Abschnitt Ohorn-Pulsnitz: Hier gilt montags ein Lkw-Überholverbot in der Zeit von 7 bis 10Uhr.

Abschnitt Hermsdorf-Dreieck Dresden-Nord: Das Überholverbot (bisher 7 bis 10Uhr und 15 bis 18Uhr) gilt künftig durchgängig von 7 bis 19Uhr.

Quelle: Landesamt für Straßenbau

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Überholverbot wird ausgeweitet
Verkehrsexperten der LISt GmbH haben Anfang des Jahres eine entsprechende Untersuchung vorgelegt. Die GmbH ist aus dem sächsischen Landesinstitut für Straßenbau hervorgegangenen – also quasi einem Tochterunternehmen des Freistaats. Die Fachleute befürworten die Überholverbote nicht nur, sie schlagen sogar eine Ausweitung vor, erläutert Nicole Wernicke vom Landesamt für Straßenbau. Ziel sei, „die Verkehrssicherheit zu erhöhen, den Verkehrsfluss zu verbessern und das Unfallrisiko durch Überholvorgänge zu verringern“, Wobei sie einschränkt, „dass die Erreichung dieser Ziele natürlich nicht allein von Lkw-Überholverboten abhängt“.

So wurden auf der viel befahrenen Strecke zwischen Dresden und Görlitz auch zahlreiche Geschwindigkeitsbegrenzungen eingerichtet, um Gefahren zu minimieren. Zum Beispiel am berüchtigten Burkauer Berg. Die steile, kurvige Stelle war viele Jahre ein Unfallschwerpunkt.

Die nächsten Schritte stehen in den kommenden Wochen an. Zwischen Ohorn und Hermsdorf werden neue Verkehrszeichen installiert. „Die Autobahnmeistereien arbeiten intensiv an der Umsetzung der Vorgaben“, sagt Nicole Wernicke. So wird zum Beispiel die bisherige Beschränkung des Überholverbots zwischen Pulsnitz und Hermsdorf auf Lkw über 7,5 Tonnen aufgehoben – sie trifft dann für alle Laster zu.

Nur die Spitze des Eisbergs
Auch die zeitliche Begrenzung wird geändert; das Verbot soll künftig durchgängig zwischen 7 und 19 Uhr gelten. Änderungen gibt es auch zwischen Hermsdorf und dem Dreieck Dresden-Nord, wo bereits 2009 ein Überholverbot eingeführt wurde. Es gilt ebenfalls durchgängig von 7 bis 19 Uhr. Bisher ist es auf die Vormittage und den Nachmittag beschränkt.

Und wie steht es um die Kontrolle? „Wir kontrollieren das Thema täglich im Rahmen unserer Streifentätigkeit auf der A 4“, sagt Polizeisprecher Thomas Knaup. Und die Beamten ertappen dabei auch nahezu täglich Lkw-Fahrer, die das Überholverbot ignorieren. „Aber es ist klar, dass wir dabei nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs erwischen“, weiß der Polizeisprecher. Einer der Unfälle aus dem ersten Quartal 2018 ist ein solches Beispiel: Der Fahrer eines Sattelschleppers hatte auf das Überholverbot gepfiffen und beim Spurwechsel prompt einen Pkw touchiert.