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Was tun, wenn's in der Wohnung schimmelt?

Die Gefahr wird unterschätzt und durch Sanierungsfehler begünstigt. Bei der Messe Haus 2019  gibt es Beratung und Hilfe. 

Wenn es erstmal schimmelt, wird es unangenehm. © imago

Von Cornelia Fiedler

Er lauert hinter Schränken, an Zimmerdecken und Außenwänden. Meist riecht er modrig und gibt sich durch schwarze Flecken zu erkennen: Schimmel. Einer repräsentativen Umfrage des Onlineportals immowelt.de zufolge hat jeder fünfte Haushalt in Deutschland ein Problem mit Schimmelbefall. Eine Studie der Berliner Humboldt-Universität kam sogar zu dem Ergebnis, dass 41 Prozent der deutschen Bevölkerung in ihrem Zuhause schon einmal von dem Pilz betroffen waren. Noch erschreckender ist das Resultat einer Erhebung der Stiftung Warentest. Darin bestätigten 60 Prozent der Befragten einen Schimmelpilzbefall in ihrer Wohnung.

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Kapillaraktive Innendämmung

„Mitunter wissen die Leute gar nicht, dass sich in ihrer Wohnung Schimmel gebildet hat“, sagt Konrad Nickel, Vorsitzender des Vereins Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker (GIH) Sachsen. Der Pilz könne jahrelang unbemerkt bleiben an nicht deutlich sichtbaren Stellen wie beispielsweise unter Fußbodenleisten, hinter großen Möbeln, Innendämmung und Wandverkleidungen. Das ist gefährlich, denn Schimmel verursacht nicht nur hässliche Flecken, sondern ist auch stark gesundheitsgefährdend. Asthma, Allergien oder eine Schädigung des Immunsystems können die Folge sein. Besonders für Kinder ist das Risiko hoch, chronisch zu erkranken.

Gerade nach einer Altbausanierung tritt oft und unverhofft Schimmel auf und versetzt die Bewohner in Angst und Schrecken. Dabei hatten sie es gut gemeint und wollten nur Heizenergie sparen. Doch dafür werden die Häuser heutzutage mittels Dämmung und dichter Fenster hermetisch abgeriegelt. Die undurchlässigeren Bauelemente verhindern eine unkontrollierte Lüftung durch Fugen und Ritzen. Das führt in den Räumen zu einer höheren Luftfeuchte, die durch Duschen, Waschen oder Kochen reichlich entsteht. Sie schlägt sich in der Regel an Außenwänden oder nicht beachteten Wärmebrücken nieder.

Kritiker bezeichnen Innendämmung als eine häufige Ursache für Schimmel- und Feuchteschäden. Sie wird überall dort eingesetzt, wo eine Außendämmung nicht möglich oder erwünscht ist. Gründe dafür können der Denkmalschutz, ein fehlender Dachüberstand, aber auch Uneinigkeit zwischen den Mitgliedern einer Eigentümergemeinschaft sein. Gern greifen zudem Sanierer mit kleinem Budget auf die Innendämmung zurück, da sie sich schrittweise durchführen lässt. Allerdings kann eine falsche Planung und Ausführung auch zu erheblichen Schäden führen.

„Innendämmung hat viele Vorteile und führt keineswegs zur Schimmelbildung, wenn sie fachmännisch angebracht wird“, sagt Uwe Kluge, Berater im Bereich Energieeffizienz bei der Sächsischen Energieagentur Saena Dresden. Durch die Innendämmung bleibt die warme Luft im Raum und kann nicht mehr die Außenwand erwärmen. Das führt zu einem großen Temperaturunterschied zwischen Dämmung und Wand. „Wir empfehlen daher immer, vorab eine bauphysikalische Berechnung machen zu lassen. Die Kosten dafür liegen im mittleren dreistelligen Bereich.“ Es werde simuliert, ob es an dieser Trennschicht zu einer sogenannten Aufkonzentration von Feuchtigkeit kommt. Das sei wichtig, da sich genau dort die Feuchtigkeit aus der Raumluft niederschlägt. Deshalb sollte der Dämmstoff auch kapillaraktiv sein. So kann er die Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und sie wieder abgeben. Hervorragend geeignet sei beispielsweise Kalziumsilikat. „Dieser Dämmstoff verzeiht obendrein noch eine ganze Menge von Baufehlern wie etwa bucklige Wände“, sagt Kluge.

Nachteil Platzverlust

Vor dem Anbringen der Innendämmung sollte die Fassade – am besten von einem Fachmann – überprüft werden. „Sie muss schlagregendicht sein.“ Wenn irgendwo der Putz schon stark abgebröckelt ist, kann Wasser in die Wand dringen. Besonders bei einem nicht kapillaraktiven Dämmstoff führt das dann zu Feuchtenestern an der Trennschicht zur Innendämmung. Die Gesamtkosten sind vordergründig vom Arbeitsaufwand abhängig. „Das kann mitunter eine ganz schöne Frickelei werden“, sagt Kluge. Auf jeden Fall solle man sich vorher verschiedene Angebote einholen. Die Nachteile einer Innendämmung sind überschaubar. „Es kann durchaus zu Veränderungen an der Installation kommen. Steckdosen müssen unter Umständen reinverlegt und Heizungen vorverlegt werden“, sagt Kluge. Auch ginge Platz verloren. Aber das sei kaum spürbar.

Wer sich zum Thema Schimmelbildung informieren möchte, der findet auf der Messe Haus viele Möglichkeiten. Es gibt zahlreiche Vorträge, unter anderem zum Nachweis und zur Bewertung von Schimmelpilzen und zu deren Vermeidung. Ansprechpartner sind etwa die Interessenvertretung der Energieberater GIH Sachsen e.V. am Stand A-12 in der Halle 4 und die Energieberater der Verbraucherzentrale Sachsen im via mobile am Stand V-12.


Messe Haus 2019

Wo: Messe Dresden, 01067 Dresden, Messering 6

Wann: vom 07. bis 10. März 2019, jeweils von 10 bis 18 Uhr

Wie viel: Tageskarte/ermäßigt: 10/8 Euro, mit SZ-Card nur am Fr. zwei Tickets zum Preis von einem, Kinder unter 15 Jahren freier Eintritt

Vortragsprogramm (Auswahl):

So., 13 Uhr, Saal Straßburg, „Schimmel? Innendämmung von Außenwänden – wichtig, aber richtig!“, Stefan Vetter, Sächsische Energieagentur;

So., 16 Uhr, Saal Straßburg, „Nachweis und Bewertung von Schimmelpilzen in Innenräumen“, Kerstin Aretz, Fachberaterin für Mykologie;

Sa. und So., 16.15 Uhr, Podium 1 via mobile, „Schimmelpilzvermeidung und Möglichkeiten zur Verbesserung der Wärmedämmung in Alt- und Neubauten“, Hans-Hinrich Pein, Architekt

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