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Schlacht um eine Ruine

Der zerstörte Flughafen von Donezk hat für die Regierung in Kiew und die Separatisten vor allem Symbolwert.

© Reuters

Von Nina Jeglinski, Kiew

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Mit Oppacher gelassen losradeln

Eine ausgedehnte Fahrradtour ist fabelhaft – wenn sie gut vorbereitet ist.

Luftaufnahmen einer Drohne zeigen eine Trümmerlandschaft: Unzählige Bombenkrater, bis zur Unkenntlichkeit zerstörte Gebäude, eine durchlöcherte Landebahn. Zwar bedeckt Schnee die Kampfzone, doch jeder sieht verbranntes Land. Seit dem Wochenende haben über 1,7 Millionen Nutzer dieses Video vom Gelände des internationalen Flughafens der ostukrainischen Großstadt Donezk angeklickt.

Obwohl der Airport völlig zerstört ist, liefern sich ukrainische Soldaten und prorussische Separatisten dort weiter schwere Gefechte. Für die meisten Ukrainer ist der Kampf um den Donezker Flughafen ein Symbol der Wiedergeburt ihrer Armee nach der schweren Niederlage im vergangenen Sommer. Der Airport gilt als Symbol der Herrschaft des im Februar 2014 gestürzten Staatschefs Viktor Janukowitsch.

Für die Fußball-EM 2012 war der Flughafen innerhalb von nur drei Jahren aus dem Boden gestampft worden. Zehn Millionen Passagiere hätten dort pro Jahr abgefertigt werden können. Die Baukosten betrugen offiziellen Angaben zufolge umgerechnet fast 700 Millionen Euro. Das komplett aus Steuermitteln finanzierte Großprojekt galt als „Geschenk“ Janukowitschs an den Oligarchen Rinat Achmetow, dem lange Zeit mächtigsten Mann der Ostukraine. Doch im Jahr 2013 nutzten lediglich 1,1 Millionen Passagiere den Flughafen, die eindrucksvollen Terminals und die Abflughalle galten als „Denkmal der Korruption“, schrieb die Zeitschrift Nowoje Wremja.

Bis Mitte Mai 2014 war der Flughafen in Betrieb. Am Abend des 17. Mai besetzten prorussische Separatisten das Gebäude. Die ukrainischen Streitkräfte versuchten, die Kämpfer zu vertreiben. Wie viele Tote es bislang gegeben hat, kann keiner sagen. Die ukrainische Armee verklärt ihre dort kämpfenden Soldaten als Helden und nennt sie „Cyborgs“ – in Anspielung an Zwitterwesen, halb Mensch, halb Maschine. Sogar die in der Ukraine bekannte Medizinerin Olga Bogomolets, eine Leitfigur der Maidan-Proteste vom vergangenen Winter, schrieb in einer Kolumne: „Ich bin Cyborg.“ In Anspielung auf die Opfer der Terroranschläge in Paris und den Slogan „Je suis Charlie“, mit dem sich weltweit Millionen Menschen auf die Seite der Karikaturisten gestellt haben, schreibt Bogomolets: „Die Cyborgs am Flughafen von Donezk verteidigen derzeit nicht nur das Gelände des Airports, sondern die gesamte Ukraine. Jeder, der dieses Land liebt, sollte sich solidarisch mit ihnen zeigen.“

Die Äußerungen zeigen, wie die Stimmung in großen Teilen der ukrainischen Bevölkerung aussieht: Das Misstrauen gegenüber Russland ist groß. Die Vorschläge des Westens, man solle so lange verhandeln, bis eine Lösung gefunden ist, halten viele Ukrainern fü eine Zumutung.

Die Soldaten in der Flughafenruine in Donezk machen offenbar ähnliche Erfahrungen wie Kämpfer im Zweiten Weltkrieg, die sich ebenfalls erbitterte Schlachten um wenige Quadratkilometer Land geliefert haben. Die Unterkünfte, entweder Erdlöcher oder das Untergeschoss der beschädigten Abflughalle des Airports, sind kalt und gefährlich. Die Gegner schießen Tag und Nacht aufeinander. Abwechselnd ruhen sich die Soldaten für wenige Stunden aus. Die Verpflegung ist spartanisch: Es gibt Dosenfleisch, Tütensuppe und Brot.

Der britische Reporter Oliver Carroll hatte am vergangenen Wochenende mit einem Soldaten telefoniert, der am Flughafen kämpft. Um seine Identität zu schützen, nannte Carroll den Mann „Slawik“. Er berichtete von den schwersten Kämpfen seit sechs Monaten.

Präsident Petro Poroschenko hat vor wenigen Tagen in Kiew erklärt, was er von den Soldaten im Donbass erwartet: „Wir werden unseren Gegnern keinen weiteren Zentimeter ukrainischen Bodens zugestehen“, rief er auf einer Kundgebung.

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