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Schlafcouch statt Hotelbett

Immer mehr Touristen übernachten in Dresdner Wohnungen. Hoteliers fordern die gleichen Pflichten, die für sie gelten.

© Jens Kalaene/dpa

Von Ralf Hübner und Sandro Rahrisch

Whirlpool, Küche, Bett – und das für 26 Euro die Nacht. Ein kleines Apartment im Herzen der Neustadt ist nur eines von vielen, das Touristen für ihren Urlaub in der Stadt buchen können. Inzwischen teilen sich die Dresdner mehr als 1 000 Wohnungen mit Urlaubern. Etwa, wenn sie selbst verreist sind oder noch etwas Platz haben. Und wie Zahlen nun zeigen, wird der Urlaub in fremden Betten immer beliebter.

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Vermittelt werden die Wohnungen über Internetplattformen wie Airbnb. Dort buchten letztes Jahr rund 50 000 Dresden-Touristen eine private Unterkunft, teilt das Unternehmen nun mit. Das sind deutlich mehr als noch 2016, als über Airbnb etwa 42 000 Reisende eine Bleibe in Sachsens Landeshauptstadt fanden.

Für die Dresdner Hotels bedeuten die Wohnungen bislang keine ernst zu nehmende Gefahr. Zwar sind die Häuser im Deutschland-Vergleich eher unterdurchschnittlich belegt und kämpfen um jeden Gast. Allerdings machen die Airbnb-Gäste derzeit nur einen Bruchteil aller Touristen aus. Insgesamt kamen letztes Jahr 2,18 Millionen Menschen in die Stadt, geschäftlich oder um hier Urlaub zu machen. Nur reichlich zwei Prozent übernachteten nicht in einem Hotel oder einer Pension. Trotzdem ist es die Tourismuswirtschaft, die sich entschieden gegen private Wohnungsangebote ausspricht. Jedoch nicht mit dem Argument, dies schade den Hotels. Schon vor zwei Jahren hatte die Branche in einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden im sächsischen Landtag auf Gefahren für den Wohnungsmarkt durch Internetplattformen wie Airbnb, Wimdu oder 9flats hingewiesen und vergeblich für ein sogenanntes Zweckentfremdungsverbot geworben. CDU-Fraktionschef Frank Kupfer hatte zwar Verständnis geäußert, aber zugleich auf die Chancen der sogenannten Sharing-Economy, also die Wirtschaft des Teilens, verwiesen.

„Die Probleme bleiben“, sagt jetzt der Hauptgeschäftsführer des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Axel Klein. Vor allem, wenn immer wieder beklagt werde, dass in den Großstädten bezahlbarer Wohnraum fehle, dürfen Vermietungen an Touristen nicht außer Acht gelassen werden. Zudem müssten die gleichen Standards gelten, zum Beispiel beim Brandschutz, der Hygiene oder dem Arbeitsschutz. „Und das muss kontrolliert werden wie bei Hotels auch“, so Klein.

Wie viele Gäste tatsächlich ins Hotel gehen würden, sollte es die Wohnungsangebote nicht geben, lasse sich nur schwer sagen, sagt Dresdens Marketingchef Kai Schulz. „Sinnvoll wäre es jedoch, wenn es bundes- oder landesweite einheitliche Regelungen gäbe, mit der Sicherheits- und Hygienefragen, aber auch etwa die Verknappung von Wohnraum durch solche Vermietungen geklärt werden.“

Außerdem ist noch nicht geklärt, wie die Stadtverwaltung von allen Privatvermietern die Bettensteuer einziehen kann. Diese gilt seit vergangenem Jahr auch für Unterkünfte, die weniger als fünf Betten anbieten. Im Hotel muss die Abgabe beim Auschecken bezahlt werden. Das Hotel leitet das Geld automatisch an die Stadt weiter. Anders sieht es bei den Wohnungen aus. So sind bis heute nicht alle als Beherbergungsbetrieb gemeldet. Allein im vergangenen Jahr hat das Rathaus 233 Unterkünfte gezählt, die bislang nicht in den Akten auftauchten. Allerdings meldeten sich nur 123 Betriebe von selbst. Erst nach einer Aufforderung der Behörde füllten auch die restlichen 110 Gastgeber ein Formular aus.

Um die Wohnungsbesitzer ausfindig zu machen, haben Mitarbeiter der Stadtverwaltung viele Stunden im Internet verbracht. Dabei werden die Anzeigen auf Portalen wie Airbnb oder Wimdu mit der Liste gemeldeter Herbergsbetriebe abgeglichen.

Eine generelle Regelung, bei der Airbnb und Co. die Beherbergungssteuer im Buchungsprozess mit einziehen, gibt es bisher nicht. Die Verhandlungen über solch eine Vereinbarung liefen noch, sagt Marketingchef Schulz.

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Zumindest stellt sich nicht die gesamte Hotelbranche gegen den Urlaub in Wohnungen. Der Chef des Dresdner Tourismusverbandes und selbst Hotelmanager, Johannes Lohmeyer, verreist selbst gern über Airbnb. Auch wenn es sich für einen Hotelier merkwürdig anhöre: „Ich habe eine Allergie gegen Hotels.“ Auch in seinem Haus werde ein Apartment bei Airbnb angeboten. „Es gibt massenhaft Anfragen.“