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Schlag mit Bierflasche gibt Gericht Rätsel auf

Bei einem Streit in einer Gartensparte wird ein Mann am Kopf verletzt. Doch weder Zeugen noch Opfer wollen sich an Details erinnern.

Symbolbild: Reichlich Alkohol floss an jenem sonnigen Tag in der Zeithainer Kleingartensparte. Wohl so viel, dass sich die Streithähne an nichts mehr erinnern können.
Symbolbild: Reichlich Alkohol floss an jenem sonnigen Tag in der Zeithainer Kleingartensparte. Wohl so viel, dass sich die Streithähne an nichts mehr erinnern können. © dpa

Zeithain. Sommer, Sonne, Musik und reichlich Alkohol – das waren die Zutaten für einen feuchtfröhlichen Abend in einer Zeithainer Gartensparte im September 2018. Martin Schulze* und sein Bruder waren gerade von einem Heimatbesuch im Vogtland zurück und öffneten zum Ausklang ihres Urlaubs noch ein paar Flaschen Bier. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft eskalierte die Situation zu spätabendlicher Stunde: Gartennachbar Torsten Böhm* soll in die Parzelle von Martin Schulze gekommen und mit ihm in Streit geraten sein. Daraufhin soll Böhm eine Bierflasche gegriffen und sie Schulze über den Kopf gezogen haben. Der Fall landete vor dem Riesaer Amtsgericht, wo sich Böhm wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten muss.

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Wirklich verteidigen braucht sich der Angeklagte aber nicht. Sowohl Martin Schulze als auch seine damals anwesenden Freunde wollen sich partout nicht daran erinnern, was an jenem Abend im September geschehen ist. „Ich weiß noch, wie ich am Nachmittag mit meinem Bruder im Garten saß“, sagt Martin Schulze. 

„Aber danach ist alles dunkel.“ Ein anderer Zeuge erzählt, er sei erst zur Situation hinzugekommen, als die Polizei schon da war. Ein Streifenpolizist hatte zuvor aber ausgesagt, dass der Zeuge beim Eintreffen der Beamten bereits im Garten zugegen gewesen sei.

Richterin Ingeborg Schäfer hakt immer wieder nach und weist die Zeugen darauf hin, vor Gericht die Wahrheit sagen zu müssen. Doch die Erinnerungslücken bleiben eklatant. Nur eines wissen alle Beteiligten noch ganz genau: An dem Abend ist viel Alkohol geflossen. 

„Da denkt man bisschen anders“, sagt Schulze. „Für mich war die Sache am nächsten Morgen abgehakt.“ Gern hätte er die Anzeige, die die von Nachbarn hinzugerufene Polizei von Amts wegen gestellt hat, zurückgezogen. Da es sich durch den Einsatz der Bierflasche um gefährliche Körperverletzung handelt, ist das rechtlich aber nicht möglich.

Ein Zwinkern im Gerichtssaal

Kein Wunder also, dass Schulze sich wenig beeindruckt zeigte, als das Amtsgericht ihn zur Verhandlung vorlud. Zum ersten Termin Mitte Januar erschien er einfach nicht. Mit einer simplen Begründung: „Er hat mir geschrieben, dass er sich an nichts erinnert und die Sache sowieso nicht verfolgen will“, erzählt Torsten Böhm, der bis heute mit Schulze über einen Chat in Kontakt steht, vor Gericht.

 Das fand Schulzes Abwesenheit damals weniger lustig und brummte ihm ein Ordnungsgeld in Höhe von 300 Euro auf. Ebenso erging es dem zweiten unentschuldigt fehlenden Zeugen, ein dritter konnte einen Krankenschein vorweisen. Doch auch ihre Anwesenheit beim zweiten Verhandlungstermin hilft kaum weiter. 

Martin Schulze und die anderen Zeugen hüllen einen Mantel des Schweigens über die Ereignisse aus dem September 2018. Richterin Schäfer aber bleiben Zweifel an den Aussagen. Martin Schulze lässt es sich dennoch nicht nehmen, dem Angeklagten zuzuzwinkern, als er der Richterin den Rücken zugewandt hat.

Letztendlich wird das Verfahren gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Torsten Böhm muss insgesamt 500 Euro an die Opferhilfe überweisen. Zuerst steckt er sich aber vor dem Amtsgericht eine Zigarette an und macht sich mit Martin Schulze und seinen anderen Gartennachbarn an die Auswertung des Verfahrens.

*Namen von der Redaktion geändert