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Schlamperei am Bierlichtbach

© Brühl

Anwohner sind mit dem Resultat einer Hochwasser-Maßnahme sehr unzufrieden. Sie hoffen auf Nachbesserung.

Von Jörg Richter

Böhla. Beim Anblick auf den Bierlichtbach hinter seiner Schmiede bekommt Gerd Kokisch das große Grübeln. Dort hatte im Herbst ein Landschaftsgartenbau-Betrieb aus dem Brandenburgischen im Auftrag der Gemeinde Priestewitz den Bach beräumt und verbreitert sowie acht Bäume gerodet und samt Wurzeln entfernt. Doch nicht alle Wurzeln. Einen Baumstumpf haben die Mitarbeiter der Firma einfach in der Böschung gelassen. „Das sieht irgendwie liederlich aus“, sagt Kokisch köpfschüttelnd. Mehr noch. Die Böschung selbst, erinnert eher an eine Buckelpiste als an eine akkurate Arbeit einer Fachfirma. Das kann selbst der grüne Rollrasen nicht vertuschen.

Dabei hatten die Landschaftsgärtner aus dem Nachbarbundesland alle notwendigen Maschinen vorort, um die Wurzeln mühelos zu entfernen. Doch die letzte hatten sie schlichtweg vergessen, erzählt Kokisch. Sie war unter einem Haufen und kam erst zum Vorschein, als der große Bagger nicht mehr auf der Baustelle war. Alle Mühen, die Wurzel mit einem Minibagger doch noch herauszuziehen, blieben ohne Erfolg. So ragt der Baumstumpf aus der Böschung heraus. Und das auch noch in der Nähe der Brücke, wo jeder, der drüber geht, die Schlamperei sofort entdeckt. Kokisch: „Es sieht nicht schön aus.“

Maßnahme ist schief gelaufen

Auf dem Nachbargrundstück, wo die Firma mit ihren Baggern und anderen Spezialgeräten unterwegs war, sind außerdem deutliche Fahrrinnen zu sehen. Das will Kokischs Nachbar nicht akzeptieren und hat deshalb vor, die Baustellenabnahme zu verweigern.

„Diese Hochwasser-Schutzmaßnahme ist schief gelaufen“, hatte Kokisch auf der letzten Gemeinderatssitzung gesagt und auf das Problem hingewiesen. Das komme davon, wenn die Kommunen das billigste Angebot nehmen, so der 64-Jährige. Nach deutschem Vergaberecht sollen sie der Firma mit dem wirtschaftlichsten Angebot, also mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, den Zuschlag für einen Auftrag erteilen. „Aber wirtschaftlich und billig sind manchmal ein großer Unterschied“, sagt Kokisch.

Das Problem kennt auch der stellvertretende Bürgermeister Konrad Zscheile und hat auch gleich ein positives Gegenbeispiel parat. „Eine ähnliche Baumaßnahme in Altleis ist viel besser gelaufen“, sagt Zscheile. Dort habe die Firma Tieku aus Mühlbach bei Lampertswalde tadellose Arbeit abgeliefert. Dass Tieku zuverlässig und auch preiswert ist, ist in der Gemeinde Priestewitz bekannt. Dennoch muss sich auch die hiesige Kommune an das deutsche Vergaberecht halten und jede Baumaßnahme öffentlich ausschreiben.

Der Fall in Böhla zeigt, dass eine beschränkte Vergabe (bis eine Million Euro) oder sogar eine freihändige Vergabe (bis 100 000 Euro) vielleicht besser gewesen wäre. Doch diese beiden Möglichkeiten gab es nur im Rahmen des Konjunkturpakets II von 2009 bis Ende 2010.