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Schlangenalarm auf dem Balkon

Eine Kletternatter hatte sich in die Görlitzer Reichertstraße verirrt. Jetzt wohnt sie erst einmal im Senckenberg-Museum.

© Danilo Dittrich

Von Matthias Klaus

Görlitz. Der Schreck war bestimmt nicht ganz ohne: Montagnachmittag entdeckte eine Anwohnerin der Reichertstraße eine Schlange, die sich seelenruhig auf dem Fensterbrett ihres Balkons sonnte. Keine kleine Blindschleiche etwa, sondern ein Tier, vor dem man durchaus Respekt bekommen kann, wenn man es zum ersten Mal sieht.

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Die Polizei musste ran und stellte auch gleich fest: Das ist kein Wesen aus der heimischen Tierwelt. Zwei Beamte beobachteten die Schlange daraufhin weiter, der Wildtiernotdienst wurde gerufen. „Ich habe der Kollegin aus dem Tierpark gesagt, sie soll mir ein Foto von der Schlange schicken“, erzählt Thomas Lübcke. Er ist der Leiter des Vivariums im Senckenberg-Naturkundemuseum am Marienplatz. Als das Foto kam, war für ihn schnell klar: Es handelt sich um eine Schönnatter oder auch Kletternatter. Die kommt eigentlich aus feucht-tropischen Gefilden Südostasiens, ist aber völlig harmlos. Die Tierpark-Mitarbeiterin fing sie mit dem Kescher ein und brachte die Schlange ins Senckenberg-Museum. Dort hat sie nun erst einmal ein Zuhause gefunden. „Es ist ein schönes Tier, offensichtlich gesund, gut genährt. Es weist keinerlei Verletzungen auf“, so die erste Einschätzung Thomas Lübckes. Er nimmt die Schlange aus dem Terrarium, schon schlingt sie sich um seinen Arm, schlängelt sich neugierig Richtung Schulter. Sie ist offensichtlich sehr mobil, das derzeitige Wetter in Görlitz scheint ihr zu behagen. Ob es sich um Männlein oder Weiblein handelt, kann Thomas Lübcke auch noch nicht sagen. Auch nicht, ob es sich um ein eher junges oder älteres Tier handelt. „Es gibt viele Unterarten“, schildert er. Manche werden bis zu drei Meter lang, andere 1,20 Meter, in etwa so wie der Görlitzer Ausreißer. Dass die Schlange aus einem Terrarium entwichen ist, steht für Thomas Lübcke fest. „Nattern sind sehr agil. Sie nutzen jede kleine Spalte, jede Lücke, um sich davonzumachen“, sagt er. Vorerst beliebt die Schlange nun in Quarantäne. Thomas Lübcke will sie auf Parasiten testen. Das müsste dann der Besitzer bezahlen, so er sich meldet. „Andererseits würde sie auch gut in unser Themenbecken passen“, sagt er. Im Naturkundemuseum wartet man nun darauf, dass sich der Besitzer meldet.

Thomas Lübcke hätte zumindest dieses interessiert: Was hätten die beiden bewachenden Polizisten wohl gemacht, wenn sich die Schlange vom Balkon einfach davon geschlängelt hätte?