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Schlau verpackt

Millionen großer Kunststoffbehälter werden in Deutschland jährlich befüllt und transportiert. Packwise aus Dresden will sie effektiver nutzen.

© Christian Juppe

Von Jana Mundus

Sie sind groß, sie stehen rum, sie nehmen Platz weg. Industrieunternehmen nutzen für den Transport und die Lagerung von Stoffen aller Art sogenannte IBC, Intermediate Bulk Container. Das sind große würfelförmige Kunststoffbehälter. Bis zu 3 000 Liter passen hinein. Rundherum befindet sich ein Metallgitter. Doch wenn die ICB entleert sind, füllen sie trotzdem noch Lager und Höfe. „Wir schätzen, dass 80 Prozent ungenutzt herumstehen“, sagt Gesche Weger. Dabei könnten die Großverpackungen wiederverwendet werden. Gemeinsam mit ihrem Mann Felix und IT-Entwickler René Bernhardt hat sie deshalb vor einem Jahr Packwise gegründet, um einen Online-Marktplatz für IBC und Fässer aufzubauen.

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Felix Weger kennt die Verpackungsbranche gut. Er hat für einen IBC-Hersteller gearbeitet und weiß, dass die Prozesse von der Herstellung, dem Befüllen bis hin zum Entleeren beim Kunden gut funktionieren. Dann folgen jedoch oft lange Standzeiten. „Viele Firmenchefs sind sich nicht bewusst, dass diese Verpackung einen Wert hat“, sagt Gesche Weger. Den bezahlen sie mit, wenn sie Lebensmittel, Rohstoffe für die Kosmetikindustrie oder auch gefährliche Chemikalien bei einem Abfüller bestellen. Um die 100 Euro kosten neue IBC immerhin. Mit den entleerten Geld zu verdienen, ist da durchaus attraktiv.

Die Geschäftsidee der Dresdner baut genau darauf auf. Sie wollen online einen Markt für die Kunststoffbehälter etablieren, auf dem Firmen entleerte IBC anbieten können, die dann per Auktion versteigert werden. Interessant ist das vor allem für Dienstleister, die diese wiederaufbereiten. Dafür werden die Verpackungen gründlich gereinigt oder, wenn notwendig, wird der Kunststoff-Innenbehälter ausgetauscht.

Über 100 solcher Aufbereitungsstellen gibt es in Deutschland. „Für diese Firmen ist es wichtig, zu sehen, wo in ihrer Nähe noch IBC verkauft werden“, sagt Gesche Weger. Wer die Behälter ersteigert, verabredet über das Online-Tool von Packwise einen Termin mit dem Verkäufer und holt sie sie sich bei ihm ab. Der Anbieter hat so schnell wieder Platz im Lager.

Das Ziel von Packwise ist groß. Eine Kreislaufwirtschaft für Industrieverpackungen streben die Gründer an. Das wäre auch für die Umwelt ein Gewinn. Bis zu 95 Kilogramm Kohlenstoffdioxid können eingespart werden, wenn ein aufbereiteter statt ein neuer IBC verwendet wird. Doch die Industrieunternehmen von diesen Vorteilen zu überzeugen, ist eine schwierige Sache. Dafür müssen sich eingeschliffene Strukturen ändern. „Die Plattform funktioniert aber wirklich sehr intuitiv“, macht die Geschäftsführerin Mut für den neuen Weg. Dass Mitgründer René Bernhardt IT-Entwickler ist, war da ein klarer Vorteil. Für Unternehmen, die den Aufwand scheuen, bietet Packwise einen Service an. Im Auftrag der Abfüller, die ihre Produkte in IBC transportieren, kümmert sich das Team um die Rückholung der Behälter, lässt sie wiederaufbereiten und führt sie dann zum Auftraggeber zurück. Durch das Nachnutzen sparen die Firmen Geld.

In Zukunft soll es sogar noch einfacher werden. Packwise entwickelt einen eigenen Deckel für die IBC. Der verschließt die runde Öffnung im Behälter, durch die das Transportgut eingefüllt und entleert wird. Im neuen Deckel verbergen sich zusätzlich feinste Sensoren. Die messen Temperatur und Füllstand. Der smarte Verschluss teilt außerdem mit, wo genau sich die Verpackung gerade befindet. All das soll es den Abfüllern künftig leichter machen. Gerade für Gefahrstoffe ist die Temperaturentwicklung im Inneren der Kunststoffbehälter wichtig. Wurde entleert, gibt es ein Signal ins Packwise-System, dass der Behälter wieder abgeholt werden kann. Für die Entwicklung könnte es bald sogar 100 000 Euro aus der Innovationsförderung der Stadt Dresden geben.

Zwei Mitarbeiter hat Packwise in diesem Jahr schon eingestellt. Gemeinsam machen sie ihre Idee derzeit auf Messen und Tagungen publik. Damit in Zukunft noch mehr Firmen schlauer verpacken.

www.packwise.de