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Schlicht, würdevoll und pflegeleicht

Fast überall auf den Friedhöfen gibt es Gemeinschaftsgräber. Jetzt zieht Herrnhut nach. Oderwitz hat etwas Besonderes.

© Matthias Weber

Von Anja Beutler

Zwei Platten mit den zwölf Namen und Daten in der Friedhofsmauer, ein passender Bibelspruch und viel Grün drumherum. Diese letzte Ruhestätte auf dem Schönau-Berzdorfer Friedhof, gleich rechts vom Eingang ist eine Errungenschaft, ein Kompromiss, den die Bürger nach langen Jahren mit der evangelischen Kirche gefunden hatten. Denn das namenlose Bestatten auf der grünen Wiese lehnt die Landeskirche nach wie vor ab. Die Bürger wünschen sich aber eine pflegevereinfachte Variante zum bislang dominierenden Einzelgrab. „Und die wird hier jetzt auch angenommen“, bestätigt der Pfarrer für Bernstadt und Schönau-Berzdorf, Jonathan Hahn.

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Gemeinschaftsgrabanlagen liegen im Trend, nahezu alle Friedhöfe der Siebenkirchen-Region von Oberseifersdorf bis Ostritz und auch auf dem Eigen bieten inzwischen solche Möglichkeiten. Aber ausgerechnet auf dem kommunalen Herrnhuter Friedhof fehlte bislang eine solche Variante. Hier gibt es seit Jahren eine grüne Wiese für anonyme Bestattungen, die auch bei Todesfällen im Hospiz genutzt werde, betont Herrnhuts Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste). Den Wunsch nach einer Gemeinschaftsgrabanlage will die Stadt den Bürgern nun erfüllen, das hat der Stadtrat beschlossen. „Anfragen gibt es schon lange und wir ergreifen bei der Anpassung der Friedhofssatzung die Chance, das mit anzugehen“, erklärt der Bürgermeister. Wie schnell es mit der neuen Bestattungsform gehen wird, ist noch nicht ganz absehbar. Erste Vorbereitungen seien bereits getroffen, betont Riecke. Mit einem Steinmetz für die Säule mit den Namen der Verstorbenen sei man jedenfalls schon im Gespräch, eine geeignete Fläche auf dem Friedhof habe man ebenfalls im Visier.

So weit ist man auch bei der Kirchgemeinde in Berthelsdorf-Strahwalde. Nachdem vor einigen Jahren in Berthelsdorf pflegevereinfachte Einzelgräber neu eingeführt wurden, geht man auch noch einen Schritt weiter zu Gemeinschaftsgräbern. Der langjährige Pfarrer der beiden Orte, Andreas Taesler, bestätigt, dass man möglichst in diesem Jahr die Neuerung noch anbieten wolle. „Der Trend zu solchen Anlagen ist schon seit Längerem da, die Bestattungskultur ändert sich deutlich“, resümiert er. Ganz so neu ist das am Ende auch für den Berthelsdorfer nicht, denn für das Haus Friedenshoffnung, das Wohnheim für Menschen mit Behinderung, gibt es bereits eine solche Gemeinschaftsanlage.

Auch in Oderwitz mit seinen beiden Ortsteilen und in Mittelherwigsdorf sind die Friedhöfe mit solchen Angeboten ausgerüstet. In Oberoderwitz hat die Kirchgemeinde auf dem zweiten Friedhof sogar eine besondere Form für solche pflegevereinfachten Gemeinschaftsanlagen gewählt: Baumgräber. „Unter einem großen Baum finden mehr als zehn Grabstellen mit schlichten Steinen Platz“, erklärt die kirchliche Verwaltungsmitarbeiterin Elisabeth Böhmer. Eine solche Stelle strahlt natürliche Würde aus und die Angehörigen haben dennoch die Möglichkeit, einmal Blumen abzulegen. Und das kommt an bei den Oderwitzern. Auch für Niederoderwitz wird deshalb nun über Baumgräber nachgedacht, aber noch nach der passenden Stelle gesucht.