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Schlichter vermittelt im Tarifstreit

Geschäftsführung und Gewerkschaft erzielen keine Einigung. Im Gespräch ist auch von Entlassungen die Rede.

© Archiv/Dietmar Thomas

Döbeln/Leipzig. Nicht einmal eine Stunde haben am Montag die Gespräche über mehr Lohn und mehr Weihnachtsgeld für die Beschäftigten der Oewa Wasser und Abwasser GmbH gedauert. Das sagen die Verhandlungspartner der Tarifkommission der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Oewa-Geschäftsführung übereinstimmend. Die Situation sei festgefahren, es sei keine Einigung erzielt worden. Als Konsequenz solle nun ein Schiedsverfahren eingeleitet werden. Das heißt, ein unabhängiger Schlichter muss vermitteln und möglichst eine Lösung finden, die sowohl für die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerseite akzeptabel ist. Am 9. März wollen sich die Verhandlungsführer erneut zusammensetzen und den Schlichter benennen.

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Der Vorschlag der Schlichtung sei von der IG BCE gekommen, „weil der Arbeitgeber sein Angebot – Entgelterhöhung um 57 Euro für jede Entgeltstufe und die Erhöhung des Weihnachtsgeldes von 90 auf 95 Prozent – nicht verbesserte“, so Gewerkschaftssekretär Felix Schultz. In der dritten Verhandlungsrunde habe die Oewa-Geschäftsführung nun sogar von „Umstrukturierung, Ausgliederung und Kündigungen“ gesprochen.

„Uns wurde von der Oewa ein Papier vorgelegt, aus dem Folgendes hervorgeht: Ein Viertel des Unternehmensgewinns müsste eingesetzt werden, wenn all unsere Forderungen – 3,46 Prozent mehr Lohn, 100 Prozent Weihnachtsgeld sowie eine bessere Bezahlung der Rufbereitschaft – erfüllt werden“, so Schultz. Alternativ müssten 27 Beschäftigte entlassen werden, so Schultz. Die IG BCE vertrete gut die Hälfte der rund 450 Oewa-Mitarbeiter. Einige hatten Mitte Januar am Standort Döbeln demonstriert.

Dass während der Gespräche alle Optionen – also auch Entlassungen – diskutiert worden seien, bestätigte Unternehmenssprecherin Tina Stroisch. „Wir möchten aber niemanden entlassen. Das wäre verantwortungslos. Aber natürlich gibt es Überlegungen für interne Optimierungen.“ Laurent Hequet, Vorsitzender der Geschäftsführung, ergänzte: „Eine zusätzliche, wie von der Tarifkommission geforderte, Lohnerhöhung würde sich negativ auf Gebühren und Entgelte für Trink- und Abwasser, die der Bürger zahlen muss, auswirken. Und sie würde damit auch unsere Wettbewerbsfähigkeit schwächen.“

Die Oewa habe im Lauf der Verhandlungen ihr Angebot von 1,7 Prozent mehr Lohn für alle Beschäftigten auf 2,31 Prozent für eine Laufzeit von zwölf Monaten verbessert. „Weiterhin haben wir der Tarifkommission den Vorschlag unterbreitet, eine Arbeitsgruppe mit Mitarbeitern, die den Bereitschaftsdienst stemmen, zu bilden, um gemeinsam zu erarbeiten, wie der Bereitschaftsdienst ab 1. Juli noch besser organisiert werden könnte“, so Hequet. (DA/sol)