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Schlimmer Börsentag in Frankfurt

Der Dax fällt so tief wie lange nicht mehr. © Symbolfoto:Frank Rumpenhorst/dpa

Der deutsche Aktienindex (Dax) stürzt auf Zweijahrestief. Besonders ein Ereignis verunsichert Händler.

Der Dax ist am Donnerstag unter 11 000 Punkte gefallen und hat den niedrigsten Stand seit zwei Jahren erreicht. Zuletzt notierte der Leitindex 3,48 Prozent tiefer auf 10 810,98 Zähler. Es war der größte Tagesverlust seit dem Brexit-Votum in Großbritannien im Juni 2016. Mit einem Minus von gut 16 Prozent seit Jahresbeginn droht dem Leitindex ein tiefrotes Börsenjahr 2018.

Festnahme der Huawei-Finanzchefin

Börsianer begründeten die erneute Marktschwäche mit Ängsten vor einer weiteren Eskalation der Spannungen zwischen den USA und China. Nach der Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei in Kanada drängen die USA Kanada zu ihrer sofortigen Auslieferung. Meng ist auch stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Elektronikkonzerns und Tochter des Huawei-Gründers Ren Zhengfei. Laut einem Pressebericht beschuldigt die US-Justiz die Frau, das US-Handelsembargo gegen den Iran verletzt zu haben. China protestierte scharf gegen die Festnahme und forderte die sofortige Freilassung der Managerin.

Vermieter hoch, Kohlefasern runter

Unter den Einzelwerten standen die Aktien von Vonovia im Anlegerfokus. Sie entzogen sich dem deutlich negativen Markttrend weitgehend und lagen mit einem Mini-Plus von 0,1 Prozent an der Dax-Spitze. Für Deutschlands größten Immobilienkonzern laufen die Geschäfte dank steigender Mieten in den Metropolen und seiner jüngsten Zukäufe weiter gut.

Nach der Vorlage des neuen Fünfjahresplans kamen die Papiere der SGL Group unter die Räder. Der Aktienkurs des Kohlefaserspezialisten sackte um 12,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit 2004 ab. Experten gefiel vor allen Dingen nicht, dass SGL für das kommende Jahr nur ein in etwa stabiles operatives Ergebnis anpeilt.

Dagegen stiegen die Papiere von Vossloh zeitweise um 10 Prozent. Händler begründeten dies mit einem weiteren Großauftrag aus China für den Verkehrstechnikkonzern. Zuletzt notierten die Vossloh-Aktien noch knapp 5 Prozent über dem Schlusskurs des Vortages. 

Klima wird rauer

Das Klima für Deutschlands Börsenschwergewichte wird einer Studie zufolge rauer. Der Gesamtumsatz der Dax-Konzerne stieg im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar um 3,0 Prozent auf 333 Milliarden Euro, wie aus einer Auswertung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervorgeht. Es war der höchste Wert in einem dritten Vierteljahr. Zugleich verzeichneten aber 17 Konzerne Einbußen beim operativen Gewinn, ein Unternehmen rutschte sogar in die roten Zahlen. „Im Tagesgeschäft kämpfen viele Unternehmen mit steigenden Kosten - etwa für Rohstoffe - und mit einer nachlassenden Kauflaune der Verbraucher“, erläuterte Mathieu Meyer, Mitglied der EY-Geschäftsführung. In diesem Jahr hätten bereits neun der 30 Dax-Konzerne ihre Gewinnprognosen gesenkt. Vor allem für die Automobilbranche sei das dritte Quartal wegen der Probleme bei der Umstellung auf das neue einheitliche Abgasprüfverfahren WLTP schwierig gewesen. Nach Einschätzung Meyers dürften die Dax-Konzerne weiterhin Gegenwind spüren. „Die Aussichten haben sich zuletzt eingetrübt, das Wachstum des Welthandels flaut ab und neue Handelsbarrieren werden aufgebaut, was insbesondere die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft trifft.“ (dpa)