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Schlittschuhlaufen verboten

Das Eis auf der Talsperre Kriebstein steht unter Spannung. Betreten ist lebensgefährlich – auch ohne extra Hinweisschild.

© Dietmar Thomas

Von Tina Soltysiak

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Kriebstein. Wenn der Sonnenschein auf die zugefrorene Talsperre trifft und Stille herrscht, ist das laute Knacken des Eises deutlich zu hören. Das schildert Jörg Kupsch. Er ist der Staumeister an der Talsperre Kriebstein und zuständig für den Bereich rund um die Staumauer in Kriebstein. „Sich auf das Eis zu wagen, wäre lebensgefährlich“, sagt er. Es sei einerseits viel zu dünn. Andererseits sei das Wasser unter der Eisdecke ständig in Bewegung. „Dass man das nicht unterschätzen sollte, hat der Fall aus Moritzburg vom Wochenende gezeigt“, so Kupsch. Dort endete der Winterspaß auf dem Schlossteich am berühmten Aschenbrödel-Drehort für acht Besucher mit mehr als nur nassen Füßen: Sie hatten, wie viele andere Gäste auch, das Eis trotz zahlreicher Verbotsschilder betreten und waren eingebrochen (DA berichtete). Sie alle kamen nach aktuellen Erkenntnissen mit dem Schrecken davon.

„Der Bereich, für den wir zuständig sind, etwa 50 Meter ab der Staumauer, ist ohnehin Sicherheitsbereich“, so Staumeister Jörg Kupsch. Seit 2009 ist er vor Ort tätig. Ihm ist nicht bekannt, dass in diesem Abschnitt bereits jemand eingebrochen wäre. Im Bereich der Staumauer gebe es eine Eisfreihaltung. „Durch eine Sprudelanlage wird wärmeres Wasser aus fünf Metern Tiefe an die Oberfläche geleitet, um die Einläufe frei zu halten“, so Kupsch.

Zweckverband haftet nicht

Die Talsperre selbst ist großflächig zugefroren. Und zwar sowohl in Kriebstein als auch in Lauenhain, wie Thomas Caro, Geschäftsführer des Zweckverbandes Kriebsteintalsperre, auf DA-Nachfrage sagt. Ob sich am Wochenende Personen aufs Eis vorgewagt haben, kann er nicht sagen. „Heute haben ich keine Spuren gesehen, die auf Schlittschuhfahrer hindeuten würden“, sagt er. Auch Caro rät dringend vom Betreten ab. „Die Stromerzeugung an der Talsperre geht ja auch bei dieser Witterung weiter. Der Staupegel schwankt. Sinkt er, bildet sich unter dem Eis ein Hohlraum. Niemand kann sagen, wann die Eisdecke absackt“, erläutert er. Zudem könne das Eis, das unter Spannung steht, jederzeit bersten. „Das Betreten von Eisflächen ist grundsätzlich verboten“, so Thomas Caro. Der Zweckverband müsse keine Verbotsschilder aufstellen. „Wir wären in solch einem Fall nicht haftbar“, erläutert er.

Die Stadt Döbeln weist ausdrücklich darauf hin, dass das Betreten von zugefrorenen Flächen wie den Bürgergartenteichen auf eigene Gefahr geschieht. „Eine laufende Kontrolle der Eisdicke durch die Stadt ist nicht machbar. Die offizielle Freigabe von Eisflächen zum Schlittschuhlaufen durch die Stadt wird es deshalb nicht geben“, so Stadtsprecher Thomas Mettcher. Auch die Bürgergartenteiche seien de facto Fließgewässer. „Sie werden durch den Beulebach und den Bärentalbach gespeist. In den Zufluss- und Ablaufbereichen ist das Eis daher deutlich dünner als auf den restlichen Flächen“, ergänzt er.

Wenn die aktuellen frostigen Temperaturen bereits bewirken, dass die Talsperre zufriert, zeigt sich an kleineren Gewässern, wie Löschwasserteichen, ein ähnliches Bild. „Sie werden nicht mit speziellen Maßnahmen eisfrei gehalten. Häufig handelt es sich auch hier um fließende Gewässer, mit einem Zu- und einem Abfluss, die erst relativ spät zufrieren. Im Bedarfsfall verfügt die Feuerwehr über entsprechende Möglichkeiten, um ein Loch in die Eisfläche zu schlagen“, erläutert Döbelns Stadtsprecher Thomas Mettcher.

Bei den Temperaturen lauert auch eine Gefahr für Wasserzähler und -leitungen. Bisher ist alles noch ruhig bei den Wasserexperten von der Oewa Wasser und Abwasser GmbH, die im Auftrag des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz die Wasseranlagen betreibt. „Der Frost ist noch nicht so tief in die Erde eingedrungen, maximal 20 bis 30 Zentimeter. Die Wasserleitungen liegen über einen Meter tief und sind geschützt“, erläuterte Detlef Bull, Bereichsleiter Trinkwasser bei der Oewa. Aktuell gebe es deshalb keine kältebedingten Rohrbrüche im Versorgungsgebiet des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz. „Erst wenn es wieder taut und Bewegung in den Erdboden kommt, könnten empfindliche Leitungen bersten“, so Bull, der dafür mit seinem Bereitschaftsteam gewappnet ist.

Wasserleitung eingefroren

Vor allem Bürger sollten jedoch privat vorsorgen und ihre Wasserleitungen- sowie Wasserzähler schützen, vor allem in leer stehenden Gebäuden oder Räumen. Und auch der Gartenwasserzähler sollte nicht vergessen werden. Denn: „Sind Zähler oder Leitungen erst eingefroren, ist der Ärger programmiert“, sagt Detlef Bull. Damit nichts einfriert, rät die Oewa in ungeheizten Räumen, zum Beispiel im Keller, die Außentüren und Fenster geschlossen zu halten, Wasserzähler und -leitungen zusätzlich durch Wärme dämmendes Material zu schützen und bei weiter sinkenden Temperaturen gegebenenfalls sogar eine mobile Heizung in die Räume zu stellen. Auch Wasserzählerschächte oder Gruben können mit zugeschnittenen Hartschaum- oder Styroporplatten, die unter dem Deckel angebracht werden, warm gehalten werden.

Ist die Wasserleitung oder der Zähler am Ende doch eingefroren, wie es jüngst einem Hausbesitzer am Wochenende in Leisnig passierte, sollten die Kunden des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz den Bereitschaftsdienst anrufen. Detlef Bull: „Als Laie ist es oftmals schwer zu erkennen, ob der Frost Schäden verursacht hat.“ In jedem Fall rät er von vermeintlich naheliegenden Auftau-Versuchen mithilfe von offenem Feuer, Heizstrahler, Fön oder heißem Wasser ab. „Einmal abgesehen von der Versorgungsunterbrechung kann es bei Rissen in der Leitung, die durch den Frost verursacht werden, auch dazu kommen, dass Wasser austritt und den Keller überschwemmt.“ Und das, meint Bull, ließe sich eben durch ein paar Handgriffe leicht vermeiden.

Oewa-Bereitschaftsdienst: Tel. 03431 655 700