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Schlossrettung in letzter Minute

In Jahnishausen, wo einst die Wettiner wandelten, herrscht Verfall. Den will ein Verein aufhalten.

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© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke

Riesa. Wenn die Schlossretter so viel Geld hätten wie Baustellen – Jahnishausen wäre in absehbarer Zeit um ein Schmuckstück reicher. Denn das einst herrschaftliche Gebäude ist quasi eine einzige Baustelle. Peter Griepentrog öffnet mit Taschenlampe bewaffnet die Tür zu dem kleinen Schloss. Kalte Luft empfängt die Besucher. Die massiven Steinmauern halten die Sommerluft zuverlässig ab.

Das Dach des Westflügels ist eines der größten Sorgenkinder des Vereins.
Das Dach des Westflügels ist eines der größten Sorgenkinder des Vereins. © Sebastian Schultz

Schon das Untergeschoss lässt den Zustand des Gebäudes erahnen: Die meisten Steinplatten, die einst den Fußboden bildeten, sind herausgenommen. Man läuft auf Schotter und Sand. Zwischen Treppe und Wand hat sich ein bedrohlicher Spalt aufgetan. Die Farben grau und braun dominieren das Bild – bis Griepentrog in einen länglichen Raum führt: Kunstvolle Malereien schmücken die Decke, Engelgesichter blicken auf den Betrachter herab. „Ein Kunsthistoriker geht davon aus, dass der Raum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hergerichtet wurde.“ In dieser Zeit gehörte Schloss Jahnishausen der sächsischen Königsfamilie. Prinz Johann, der später König von Sachsen wurde, hatte das kleine Anwesen gekauft. „Die Wettiner sind katholisch. Die Kirche von Jahnishausen war aber evangelisch. Die Königsfamilie hat sich daher diesen Andachtsraum geschaffen“, erklärt Griepentrog. Er lebt in der Lebenstraumgemeinschaft und gehört zum Verein Accademia Dantesca, der sich zum Ziel gesetzt hat, den Verfall zu stoppen – und dieser schreitet immer weiter voran.

Bedrohlicher Riss

Den Himmel mit seinen sanften Wolken an der Decke des Andachtsraumes teilt ein bedrohlicher Riss – doch ist dieser „geteilte Himmel“ keine Idee des unbekannten Künstlers, sondern real. Die Ursache dafür liegt – unter anderem – zwei Stockwerke darüber: unterm Dach. Das Schlösschen setzt sich aus zwei Gebäudeteilen zusammen, die einen stumpfen Winkel ergeben. Das Dach der Osthälfte brannte 1969 nieder. Vor rund 20 Jahren sicherte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Bau mit einem Notdach. Doch auch das ist inzwischen hinüber. „Das Dach ist undicht. Wir haben Eimer aufgestellt, damit nicht noch mehr Wasser in den Mauern versickert.“ Wenn es stark regnet, müssen Peter Griepentrog und die anderen Freiwilligen die Eimer zwischendurch ausleeren, damit sie nicht überlaufen.

Unterm Dach des anderen Gebäudeflügels sieht es nicht besser aus. Griepentrog hält einen Dachziegel mit einem faustgroßen Loch in der Hand. „Die Witterung höhlt die Ziegel aus. Sie müssen alle ausgetauscht werden.“ Dem handwerklichen Geschick der Zimmerer von damals ist es zu verdanken, dass die Dachkonstruktion überhaupt noch standhält. „Diese Dachziegel dürften etwa dreimal schwerer sein, als gewöhnliche Dachpfannen heute“, sagt er und reicht wie zum Beweis einen der alten Ziegel herüber. Durch Analysen des Holzes weiß Griepentrog, wie alt der Dachstuhl ist. „Er muss noch vor dem Dreißigjährigen Krieg entstanden sein.“ Also vor 1618.

Die Ziegel sind Teil des „Marketingkonzeptes“ der Schlossretter. Etwa 40 000 neue Dachziegel werden benötigt. Ab einer Spende von 50 Euro bekommt man einen der alten. Zudem hofft der Verein auf Fördergelder, die bereits beantragt wurden. Und was soll mit dem Schloss werden, wenn es erst einmal gerettet ist? „Auf jeden Fall keine Seniorenresidenz oder Luxuswohnungen“, so Griepentrog. Der Verein stellt sich einen Ort vor, von dem alle etwas haben: ein Haus für Veranstaltungen, für Kunst und Kultur – ähnlich wie ihn König Johann gepflegt hat, nur weniger exklusiv.

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September lädt der Verein zum Schlossfest. Ab 11 Uhr gibt es stündliche Führungen. Weitere Infos: www.a-d-j.de