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Schluss mit Autojungs – Jetzt kommt Mary Barra

Ab heute lenkt eine Frau die Zukunft des größten US-Autobauers General Motors.

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© dpa

Von Daniel Schnettler

Eigentlich übernimmt Mary Barra erst heute das Steuer von General Motors. Doch spätestens seit Sonntag ist die Ingenieurin das Gesicht des größten US-Autokonzerns. Sie stellte zur Auto Show in Detroit einen neuen Pick-up-Truck vor. Doch die Journalisten wollten vor allem Barra selbst sehen. Die 52-Jährige ist die erste Frau an der Spitze eines Autokonzerns überhaupt.

„Ich fühle mich geehrt, hier zu stehen“, sagte die bisherige Produktionschefin auf der Bühne im Russell Industrial Center und lobte gleich darauf ihre Mitarbeiter, „die ein neues Auto nach dem anderen herausbringen“. Der gestern offiziell noch amtierende GM-Chef Dan Akerson war nicht zu sehen. Barra war im Dezember zu seiner Nachfolgerin ernannt worden; es war ihr erster großer öffentlicher Auftritt. Im Anschluss wurde Barra von Journalisten wie ein Popstar umlagert. „Das ist Wahnsinn“, rief eine Zeitungsjournalistin, nachdem Reporter die GM-Topmanagerin im Laufschritt bis zum Hallenausgang verfolgten.

Mary Barra hat Benzin im Blut. Sie hat bei General Motors von der Pike auf gelernt. Nun soll ausgerechnet sie den Wandel im Unternehmen vorantreiben. Sie soll dafür sorgen, dass GM nicht mehr in den gleichen Trott zurückfällt, der vor fünf Jahren in die Beinahepleite führte: in eine Mischung aus mittelmäßigen Autos, überbordenden Kosten und Ignoranz gegenüber der Konkurrenz. Im Dezember hatte Vorgänger Dan Akerson verkündet aufzuhören. Heute ist sein letzter Arbeitstag. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Generationswechsel. Akerson ist 65, Barra 52. Akerson kam aus der IT- und Finanzbranche und stieß erst 2009 bei der Insolvenz zum Konzern. Barra arbeitet bei GM, seitdem sie 18 Jahre alt ist.

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Sie ist schon lange eine Mächtige

Mary Barras Generation im Unternehmen habe aus den gemachten Fehlern der früheren Chefs gelernt, versicherte Akerson jüngst in einem Interview mit dem US-Magazin „Businessweek“. „Mary mag seit 30 Jahren hier sein“, sagte er. „Aber Mary steht für den Wandel.“

Unter Barra lernten die Teams in den verschiedenen Ländern und bei den verschiedenen Marken, stärker zusammenzuarbeiten. Heraus kamen bessere Autos, die nach langer Zeit sogar wieder Preise für Design und Qualität abräumten. „Es ist eine aufregende Zeit bei der heutigen GM“, sagte Barra bei ihrer Ernennung.

Sie startete als Werksstudentin, machte zunächst ihren Abschluss als Elektroingenieurin und später als Betriebswirtin. Sie arbeitete sich rasch hoch, wurde Leiterin des Detroiter Werks Hamtramck und Personalchefin. 2011 übertrug ihr Akerson die Verantwortung für die Entwicklung neuer Autos, später auch für den Einkauf.

Schon vor ihrer Beförderung zur GM-Chefin schaffte es Barra in die Liste der 100 mächtigsten Frauen der Welt des US-Magazins „Forbes“– und landete mit Platz 35 noch vor Schauspielerin Angelina Jolie und Queen Elizabeth II.

Trotz der unterschiedlichen Lebenswege der beiden Chefs sind die Experten des Auto-Marktforschers IHS zuversichtlich, dass der angestoßene Kulturwandel weitergeht – schließlich seien genau jene Manager zusammen mit Barra befördert worden, die am härtesten am Comeback des Konzerns gearbeitet hätten. Das „unterstreiche die Bereitschaft des Unternehmens, den Wandel durchzuziehen.“

Barra übernimmt eine General Motors, deren Verkäufe steigen, die seit drei Jahren wieder Geld verdient und jüngst auch den Makel der Staatsbeteiligung abgestreift hat, als die Regierung ihre letzten Anteile verkaufte. Selbst das Langzeit-Sorgenkind Opel ist auf dem Weg der Besserung, die Verluste fielen hier zuletzt. Mit harten Einschnitten wie der Schließung der Fertigung in Bochum will GM bis zur Mitte des Jahrzehnts in Europa wieder Gewinn machen. Barra kennt die Lage: Sie sitzt im Aufsichtsrat der Adam Opel AG. (dpa)