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Schluss mit dem Altherrenclub

Mehr als hundert Jahre lang war der ADAC vor allem ein Männerverein – zumindest an der Spitze. In seiner größten Krise braucht der Club diese Frau.

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© ADAC/dpa

Von Hannes Koch

Berlin. Sie liebt Rucksack-Reisen in exotische Länder. Zuletzt war sie entlang der Seidenstraße in Asien unterwegs. Ab 1. März, wird Marion Ebentheuer sich allerdings den Mühen des Alltags widmen. Als erste Frau in dieser Funktion wird sie Mitglied der Geschäftsführung des ADAC – Deutschlands skandalgeschüttelter Autofahrer-Lobby. Ebentheuer soll helfen aufzuräumen. Unlängst mussten Präsident und Geschäftsführer gehen, weil der mächtige Verein einige Ergebnisse seines Auto-Gütesiegels gefälscht hatte. Neues Spitzenpersonal soll nun den Neuanfang ermöglichen.

„Sie ist die erste Frau, die in 111 Jahren Geschichte unsere Geschäfte mitführen wird“, verkündete der kommissarische ADAC-Präsident August Markl in dieser Woche stolz. Er wolle den „immens großen Reformprozess“ vorantreiben, ohne Tabus, erklärte der kommissarische Präsident und versprach: „Wir wollen alles auf den Prüfstand stellen.“ Das soll auch für Statistiken und Tests gelten, von Qualitätssicherung ist die Rede. Ebentheuer hat also eine große Aufgabe: Die 44-Jährige muss vor allem verlorenes Vertrauen zurückgewinnen.

„Ausschlaggebend ist für mich nicht, ob eine Frau oder ein Mann in der Geschäftsführung sitzt, sondern dass mit Vertrauen, Kompetenz und Leidenschaft die Aufgaben erfolgreich bewältigt werden“, erklärt sie selbst. „Ich freue mich auf meine neue Aufgabe in der ADAC-Geschäftsführung. Sie ist für mich persönlich eine große Herausforderung, der ich mich gerne stelle.“

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Der Steuerberaterverband Sachsen e.V. sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt ein Organisationstalent (in TZ/VZ) zur Unterstützung der Geschäftsführung in Dresden.

Als „Pannenhelferin“, wie die „Augsburger Allgemeine“ sie in dieser Woche nannte, könnte Ebentheuer das Gesicht des Neuanfangs für den Herrenclub werden. In dieser Woche war bekannt geworden, dass der ADAC nach dem Präsidenten Peter Meyer auch seinen umstrittenen Geschäftsführer Karl Obermair loswerden will und mit ihm über ein einvernehmliches Ausscheiden verhandelt. Vom Mitglied der Geschäftsführung Stefan Weßling hat sich der ADAC bereits getrennt.

Die Betriebswirtin Ebentheuer kennt den Verein gut, seit 18 Jahren ist sie für den Automobilclub tätig – auch in herausgehobener Position. Seit Juli 2011 war sie Vorstandsmitglied der ADAC-Schutzbrief Versicherungs-AG und der ADAC Rechtsschutz Versicherungs-AG, seit 2013 in beiden Gesellschaften stellvertretende Vorstandsvorsitzende. Vorher war sie bei der ADAC Finanzdienste GmbH sowie im Controlling des Automobilclubs tätig.

Nach ihrem Studium in Regensburg hatte sie zunächst bei der C&L Deutsche Revision AG gearbeitet, die heute zu PricewaterhouseCoopers gehört. 1996 wechselte sie zum ADAC. (mit dpa)