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Schluss mit Schulmief

Gröditzer Oberschüler gehen mit einem CO2-Messgerät auf Spurensuche. In einem Raum sind die Werte besonders auffällig.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Gröditz. Wer kennt sie nicht – die Klassenzimmer, die nach ein paar Schulstunden mit einem warmen, stickigen Mief aufwarten. Dabei wäre frische Luft viel besser für die Konzentration. Dass das Raumklima auch in der Gröditzer Oberschule öfters mal schlecht ist, wussten auch viele Schüler schon. Aber wie schlecht es ist und was man dagegen machen kann, war bisher eher unklar.

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Mit Messgeräten sind Neuntklässler den zu hohen Kohlenstoffdioxid-Werten in den Räumen auf die Schliche gekommen. Fast überall in der Schule waren die zu hoch. Als besonders auffällig erwies sich der unterirdisch gelegene Informatik-Raum, der sich nur über eine Luke in der Raumdecke mit frischer Außenluft versorgen lässt.

Am Dienstagvormittag ist die Dachluke im Informatikraum offen – und das CO2-Messgerät zeigt an, dass die Werte im grünen Bereich liegen. Entsprechend konzentriert arbeiten Beatrice, Jonas, Tiark René und Mariella. Das Quartett hat sich um einen Computer-Bildschirm versammelt und bereitet die Ergebnispräsentation ihrer umfassenden Forschung vor. Im vergangenen Schuljahr haben die Neuntklässler nämlich nicht nur CO2-Werte im Schulhaus genau untersucht. Sondern auch die Heizung und die Beleuchtung im Gebäude.

Ihre Messdaten haben die Schüler in großen Tabellen zusammengetragen und ausgewertet. Dabei kam zum Beispiel heraus, dass in den späten Abendstunden das Licht in der Schulsporthalle unnötig lange brennt. Oder, dass nicht alle Stellen im Haus so gut ausgeleuchtet sind, wie sie sein sollten. Oder, dass die Temperaturen in manchen Klassenräumen zu hoch, in anderen aber zu niedrig sind. Aus den Erkenntnissen haben die Schüler inzwischen Vorschläge abgeleitet, was künftig besser gemacht werden kann.

Neigungskurs Energiesparschule nennt sich das Ganze. Ein Novum an der Gröditzer Oberschule, auch für Lehrerin Ina Koitzsch. Zwei Schulstunden die Woche hat sie die insgesamt 16 Schüler in dem Kurs betreut – zeitweilig unterstützt von den Energiemanagern aus dem Gröditzer Rathaus sowie zwei weiteren externen Experten. Mit ein wenig Anleitung beim Messen oder Übertragen der Werte in den Computer haben die Schüler viel selbstständig gearbeitet. Und dabei auch Freizeit investiert.

Unterstützt wird das Projekt von der Energieagentur des Freistaates. Gröditz ist eine von vier Schulen in Sachsen, die derzeit teilnehmen. In den nächsten zwei Jahren soll das Projekt weitergeführt werden. Wie und mit welchen Klassenstufen, daran feilt man in der Oberschule gerade noch. Klar ist: Es sollen mehr Schüler teilnehmen. Denn nur, wenn viele wissen, wie man effizient lüftet oder heizt, gelingen dauerhaft Einsparungen. Mitziehen sollen aber nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer und der Hausmeister.

Auf dem richtigen Weg ist die Schule dabei offenbar schon: Die ersten Sparanstrengungen machen sich bereits bemerkbar. Und das soll sich nach den Worten von Gröditz’ Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos) nicht nur für den Stadthaushalt positiv auswirken, aus dem die Energiekosten der Schule bezahlt werden. Auch bei den Schülern soll etwas ankommen. Und zwar in Höhe der Hälfte des Geldbetrags der Energieeinsparungen. Wie viel das ist und wohin das Geld fließt, werden die Schüler nächste Woche erfahren, wenn sie dem Stadtchef ihre Ergebnisse präsentieren. Klar ist schon jetzt: Um Peanuts wird es nicht gehen – der Betrag ist vierstellig.