Merken

Schmierfinken ziehen durch Radeburg

Erneut werden in einer Nacht zahlreiche Gebäude besprüht. Bürgermeisterin Michaela Ritter reagiert sofort. Und es gibt offenbar eine heiße Spur.

Teilen
Folgen
© Arvid Müller

Von Sven Görner

Radeburg. Was sich in der Nacht zum Reformationstag in Radeburg abgespielt hat, ist dort inzwischen Stadtgespräch. Kein Wunder. Schließlich sind die Hinterlassenschaften der nächtlichen Attacke im Stadtgebiet nicht zu übersehen. Wie ein pinkfarbener Faden zieht sich die Schmiererei durch die Zille-Stadt. Rathaus, Kirche, Sparkasse, Zille-Schule, andere Gebäude, Verteilerschränke, Schaukästen, Wartehalle – die Täter waren beim Einsatz ihrer Spraydosen nicht gerade wählerisch.

Doch anders als vor knapp vier Wochen, als die Radeburger Innenstadt schon einmal Opfer einer massiven nächtlichen Aktion wurde, dürften die Verursacher diesmal nicht zur Sprayerszene gehören. Denn als Graffiti lassen sich ihre Schmierereien nicht bezeichnen. Statt der üblichen kunstvoll gestalteten Schriftzeichen – der sogenannten Tags – wurden diesmal nur Krakel und Worte gesprüht.

Wie groß der entstandene Schaden ist, lässt sich derzeit noch nicht beziffern. „Genaue Aussagen lassen sich in solchen Fällen meist erst nach der Beseitigung der Schmierereien treffen“, sagt Polizeisprecherin Ilka Rosenkranz.

Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos) reagierte am Montag umgehend mit einem Zeugenaufruf auf ihrem Facebook-Account und auf der städtischen Homepage. „Bürgerinnen und Bürger, die die Vorfälle beobachtet haben, fordere ich hiermit auf, entsprechende Zeugenaussagen bei der Polizei zu machen (Polizeirevier Meißen, Tel. 03521 4720, oder am Standort Radeburg, Tel. 035208 940816)“, schreibt sie dort. „Resignation im Sinne von ,das bringt doch sowieso nichts‘ hilft niemandem weiter. Illegale Graffiti sind Straftaten, die strafrechtliche und zivilrechtliche Konsequenzen haben können!“ Das Sprühen auf nicht genehmigten Flächen stelle nicht nur eine Sachbeschädigung dar, sondern setze zudem oftmals auch das verbotswidrige Betreten eines Geländes voraus. Somit liege zusätzlich Hausfriedensbruch vor.

„Denjenigen, die diese Schmierereien verursacht haben, rate ich dringend, den Mut aufzubringen, sich selbst bei der Polizei oder im Rathaus zu melden“, schreibt die Rathauschefin weiter und ergänzt schließlich noch: „Im Zillebunker gibt es auch Möglichkeiten, sich ganz legal dem Hobby Graffiti zu widmen, ohne sich dabei strafbar zu machen.“

Nicht zuletzt, weil die Zille-Schule zu den beschmierten Gebäuden gehört, spielte die nächtliche Aktion auch dort gestern eine große Rolle. „Wir haben lange mit den Schülern und dem Schülerrat diskutiert“, sagt Schulleiter Michael Ufert. Dabei hätte es sehr klare Positionen gegen dieses nächtliche Treiben in der Stadt gegeben.

Bei Facebook äußerten sich zahlreiche Radeburger zu dem Vorfall. Mehrere vertraten dabei die Auffassung, dass die Täter, falls sie geschnappt werden, die von ihnen angerichteten Schäden wieder beseitigen sollten. So schreibt etwa Kantor Markus Mütze: „Wer etwas gesehen hat, möge dies bitte melden! Auch die Kirche und andere Gebäude der Kirchgemeinde sind beschmiert. Da wurden viele Spenden von Radeburgern investiert. Die jungen Menschen sollen die Möglichkeit haben, diesen Schaden wieder zu beseitigen!“ Doch auch Hinweise auf die möglichen Täter finden sich im Netz. So zum Beispiel, dass eine Gruppe Jugendlicher beobachtet wurde, die sich an der Tankstelle getroffen hatte. Nach SZ-Recherchen ist das aber offenbar nicht der einzige Hinweis, den Zille-Städter der Polizei gegeben haben.

Die Beamten ermitteln auf Hochtouren und haben möglicherweise schon eine heiße Spur. Auch wenn die Polizeisprecherin aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details nennen will. Obwohl es auf den ersten Blick nicht so aussieht, werde zudem geprüft, ob es Parallelen zu den Sprühereien von vor einem Monat gibt.