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Schmuggeln ist gut fürs BIP

Die Bundesregierung kann ihre Wirtschaftsleistung künftig steigern: Sie rechnet einfach Dealer und Schmuggler mit ein. Kein Scherz, sondern EU-Vorgabe.

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© dpa

Von Harald Schmidt und Jörn Bender

Wiesbaden. Prostitution und Schwarzarbeit erhöhen die deutsche Wirtschaftsleistung schon länger. Von September an werden auch Drogenhandel, Tabakschmuggel oder der Kauf von Panzern das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steigern. Die Europäische Union will das so, um die Zahlen weltweit vergleichbar zu machen. „So gibt es Länder, in denen Drogen verboten sind, aber Alkohol erlaubt ist – es gibt aber auch Länder, in denen es umgekehrt ist.“

Ohnehin gebe es wirtschaftlich betrachtet keinen Unterschied zwischen Tabakhandel und -schmuggel: In beiden Fällen werde eine Dienstleistung erbracht, die die Bedürfnisse befriedigt. Allerdings gibt es für die Statistiker einen bedeutenden Unterschied: Die Erhebung der Daten ist ungleich komplizierter. Wenn Drogenhandel und Tabakschmuggel ab September in das BIP eingerechnet werden, müssen sich die Statistiker auf Modellrechnungen verlassen, deren Ergebnis „nicht dem üblichen Genauigkeitsstandard der amtlichen Statistik entsprechen“, wie die Wiesbadener Behörde einräumt. Nach vorläufigen Berechnungen dürfte das BIP-Niveau hierdurch nur um 0,1 Prozent steigen. Denn bei Drogen und Tabakschmuggel wirkt nur die Handelsspanne im Inland auf die Wirtschaftsleistung, nicht aber der Wert von Kokain oder Kippen bei der Einfuhr.

Aus Gründen der besseren Vergleichbarkeit fließt von Herbst an auch die Prostitution EU-weit in die BIP-Berechnungen ein. In Deutschland ändert das nichts, weil sexuelle Dienstleistungen hierzulande erlaubt sind und bereits – als Schätzung – Teil der Wirtschaftsleistung sind. Demnach dürften rund 1,2 Millionen Männer, die in Deutschland täglich sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen, Bordellen, Sex-Kinos oder Table-Dance-Bars einen Jahresumsatz von über 14 Milliarden Euro bescheren. Etwa die Hälfte davon fließt ins BIP ein, der Rest muss als Vorleistung für Schutzgelder, Mieten, Kleidung oder Kondome abgezogen werden. „Je Kontakt läge der Preis über alle sexuellen Dienstleistungen somit bei gut 30 Euro“, erklären die Statistiker in ihrem „Schätzmodell zur Ermittlung der Prostitution in Deutschland“.

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Insgesamt erwirtschaftete Deutschland 2013 ein BIP von 2,7 Billionen Euro. Mit der neuen Berechnung wird es schlagartig um drei Prozent steigen. Dies liegt aber weniger an den illegalen Aktivitäten. Experten begründen das erwartete Plus damit, dass Aufwendungen für Forschung und Entwicklung als Investitionen verbucht werden statt wie bisher als Vorleistung.

Auch wenn das BIP-Niveau steigt: Kiffer und Kokser werden die deutsche Konjunktur nicht antreiben. „Wir aktualisieren unsere gesamte Zeitreihe seit 1991 nach den neuen Regeln, die BIP-Wachstumsrate in diesem Jahr wird also nicht beeinflusst“, betont eine Expertin beim Statistikamt.

In der Fachwelt wurde die Methodenänderung lange diskutiert. Etwa die USA haben sie schon umgesetzt, sagt Experte Wolfgang Nierhaus vom ifo Institut in München. Dennoch bleiben Zweifel. So gilt der Kauf von Kriegsschiffen, Militärflugzeugen, Panzern oder Raketenträgern künftig als Investition, ist in der EU-Verordnung zu lesen. Begründung: Militärische Waffensysteme dienten der Friedenssicherung. Das Statistische Bundesamt erwartet durch die Einbeziehung von Waffensystemen als Anlagegüter zwar nur eine „geringfügige“ Erhöhung des deutschen BIP. Doch dass Waffen auch zerstören können und damit den Wohlstand verringern, bleibt außen vor. (dpa)