merken

Schnappatmung in Großenhains Teichen

Die Fische der Region leiden unter Sauerstoffmangel – und es gibt leider kaum Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen.

© Anne Hübschmann

Von Manfred Müller

Görlitz – Immer eine Reise wert

Die Stadt Görlitz wird von vielen als „Perle an der Neiße“ oder „schönste Stadt Deutschlands“ bezeichnet. Warum? Das erfahren Sie hier.

Großenhainer Land. Dicke Algenschlieren durchziehen die Torflöcher nördlich von Nasseböhla, sodass man nur ein paar Zentimeter tief ins Wasser schauen kann. Ab und zu durchbricht ein Karpfen den grünen Teppich und schnappt hilflos nach Luft. Die Hitze und die Trockenheit der vergangenen Wochen haben nicht nur den Wasserspiegel in dem beliebten Angelgewässer sinken lassen. „Auch der Sauerstoffgehalt ist rapide zurückgegangen“, sagt Sandro Bretschneider. „Die Fische können kaum noch atmen.“ Der Großenhainer ist beim Anglerverband „Elbflorenz“ für den Fischbesatz in den Gewässern der Region verantwortlich, und langsam macht er sich Sorgen um seine Schützlinge. Zum einen, weil die Bäche und Flüsschen in der Region fast kein Wasser mehr führen und damit der Nachschub für viele Teiche abgeschnitten ist.

Die Elligast in der Nachbarschaft der Torflöcher beispielsweise kommt nur noch als schmales Rinnsal daher. Am Torfstich bei Krauschütz sieht es ganz ähnlich aus. Und selbst im Zschauitzer Steinbruch, der aufgrund seiner Tiefe noch nicht so stark vom Sauerstoffmangel betroffen ist, sieht man, wie stark die Wasserlinie abgesunken ist. Zum anderen beschleunigt die seit Wochen anhaltende Hitze das Algenwachstum. Sterben die Algen ab, bieten sie ideale Lebensbedingungen für Bakterien. Beim Abbau der organischen Stoffe werden große Mengen an Stickstoffverbindungen und Phosphaten freigesetzt. Der Prozess verbraucht viel Sauerstoff, was im Teich einen Mangel an dem lebenswichtigen Gas verursacht und ein Fischsterben nach sich ziehen kann. Die freigesetzten Stickstoff- und Phosphatsalze fördern wiederum die Algenentwicklung, und es entsteht ein schwer zu durchbrechender Teufelskreis.

„Besonders die flachen Gewässer machen mir Sorgen“, erklärt Thomas Kühn, „Unter 1,20 Meter wird es kritisch.“ Noch so eine Woche, sagt der Vorsitzende des Anglervereins „Röderaue“, und die ersten Fische schwimmen mit dem Bauch nach oben. Kühn und seine etwa 200 Vereinsmitglieder würden gern dabei helfen, ein Fischsterben zu verhindern, aber sehen keine machbare Lösung für das Problem. Mit Hilfe der Feuerwehr frisches Wasser in die Teiche pumpen? Das klingt erst einmal gut, nur ist weit und breit nicht genug davon vorhanden. Die Wasserbehörde beim Landratsamt hat schon im Juli die Entnahme aus Fließgewässern untersagt. Nur wer eine entsprechende behördliche Genehmigung besitzt, darf noch in beschränktem Rahmen bewässern. Eine Belüftung der Teiche wäre theoretisch möglich, würde aber hohe Kosten verursachen. Und das kann sich ein Angelverein in der Provinz nicht leisten.

Am ehesten wären dazu noch die Binnenfischereibetriebe der Region in der Lage. „Aber viele unserer Teiche liegen weit draußen, wo kein Stromanschluss verfügbar ist“, erklärt Toni Sachse vom AVD Angelservice. Das Unternehmen betreibt unter anderem die Teichwirtschaft Zschorna, und auch hier leiden die Fische unter Atemnot. Sein Betrieb habe bereits die Karpfen-Fütterung eingestellt, denn bei Sauerstoffmangel fräßen die Tiere nichts mehr. Das wiederum führt zu sinkenden Erträgen im Herbst und Winter. Noch kritischer ist die Situation in den vom Angelservice betreuten Bächen. Dort, so Sachse, habe man bereits Notabfischungen vornehmen müssen. Auch bei der Schönfelder Teichwirtschaft macht sich die Wasserknappheit bemerkbar. Der Kettenbach und der Kaltenbach, die den Dammmühlenteich speisen, führen kaum noch Wasser. Immerhin verfügt der Betrieb dort über einen Umflutgraben und die entsprechende Pumpentechnik, um etwas gegen den Sauerstoffmangel zu unternehmen.

Lediglich in der Röder ist die Situation noch einigermaßen entspannt. Die Wassermenge, die Fließgeschwindigkeit, aber auch die vielen Wehre und der Uferbewuchs des Flüsschens wirken der Eutrophierung entgegen. Sollte die Trockenheit allerdings noch über Wochen anhalten, könnte es auch hier kritisch werden.