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Schnappschuss mit Oscar-Regisseur

Florian Henckel von Donnersmarck dreht für seinen neuen Film in Zittau – und hat am Olbersdorfer See auch Spaß mit seiner Familie.

© Jan Linke

Von Jan Lange

Zittau/Görlitz. Was für ein Bild – gut zwei Köpfe ist Florian Henckel von Donnersmarck größer als Ferdinand Hepper. Am Sonnabend nutzte der Oscar-Regisseur die wenige freie Zeit für einen Ausflug mit seiner Familie an den Olbersdorfer See und Hepper, Musiker der Band „Jenix“, die Chance auf ein gemeinsames Foto. Trotz der markanten Körpergröße von 2,05 Meter hätte Hepper den bekannten Filmemacher vielleicht gar nicht erkannt. Wenn er nicht vorher ein bisschen im Internet recherchiert hätte.

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Gedreht wurde am Zittauer Gefängnis.
Gedreht wurde am Zittauer Gefängnis. © Thomas Eichler
Während des Dreh ist auch die obere Neustadt gesperrt.
Während des Dreh ist auch die obere Neustadt gesperrt. © Thomas Eichler

Denn Henckel von Donnersmarck war schon eine Woche zuvor am Olbersdorfer See, eine Runde Tretboot fahren. „Der Name auf dem Verleihschein machte mich stutzig“, erzählt Hepper. Und so ging er im weltweiten Netz kurzerhand auf Suche, wenn er denn da als Gast hatte.

Da der Regisseur von dem Ausflug so begeistert war, kam er am Wochenende mit seiner Familie noch mal vorbei. Und der „Jenix“-Musiker konnte sich mit ihm ablichten lassen. „Das hat man nicht alle Tage“, meint Hepper. Henckel von Donnersmarck habe bereitwillig das Foto gemacht. Auch andere lokale Prominente hatten das Glück eines Schnappschusses mit dem Oscar-Preisträger – mancher eher zufällig, mancher gestellt.

Doch Florian Henckel von Donnersmarck ist natürlich nicht nur in die Region gekommen, um Fotos zu machen. Zu allererst dreht er hier seinen neuen Film „Werk ohne Autor“. Darin geht es um den jungen Künstler Kurt Barnert, gespielt von Tom Schilling, den nach der Flucht in die BRD seine Kindheits- und Jugenderlebnisse aus NS- und SED-Zeit keine Ruhe lassen.

Szenen für den Film wurden bereits in einem Oderwitzer Umgebindehaus sowie im alten Bahnhof in Großschönau gedreht. Nun weilt das Team für kurze Zeit in Zittau. Im und vor dem ehemaligen Gefängnis finden Aufnahmen statt. In dem leer stehenden Knast ist in den vergangenen Jahren immer wieder gedreht worden: 2008 entstanden hier Szenen für die Hitler-Farce „Mein Kampf“ mit dem jüngst verstorbenen Götz George, 2011 diente das Gefängnis als Kulisse für den TV-Zweiteiler „Der Turm“ und 2013 war sogar Hollywood zu Gast und drehte für „The Grand Budapest Hotel“.

Jetzt reiht sich auch Florian Henckel von Donnersmarck in die Liste der Regisseure ein, die im Zittauer Gefängnis gedreht haben. Den gesamten Sonnabend über wurde am früheren Knast das Set aufgebaut. Da der Parkplatz vor dem Gefängnis ebenfalls gebraucht wird, stehen die Masken- und Kostümwagen sowie das Aufenthaltszelt für die Statisten auf der oberen Neustadt, die aus diesem Grund noch bis Montagabend voll gesperrt ist.

Sonntag marschieren dann am Gefängnis russische Soldaten auf. Dabei handelt es sich aber nur um Komparsen, die in russische Uniformen geschlüpft sind und passende Militärfahrzeuge steuern müssen. Sicherheitsleute am unteren Ende der Lessingstraße sowie an der Ecke zur Theodor-Korselt-Straße passen darauf auf, dass keiner ins Bild fährt oder läuft. Schließlich soll alles zeitgemäß aussehen. „Werk ohne Autor“ spielt in den 1940er bis 1960er Jahren. Die Komparsen lassen erahnen, dass die Zittauer Szenen eher in den 1940er Jahren angesiedelt sind.

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Eine weitere Mitarbeiterin hat sich an der Einfahrt zum Parkplatz positioniert. Denn natürlich gibt es neugierige Blicke von Nachbarn wie von Schaulustigen, die sich an den Absperrungen vorbei gemogelt haben. „Keine Bilder vom Set“, ruft sie, als einer seine Kamera zückt. Die Produktionsfirma macht ein großes Geheimnis aus den Dreharbeiten. Und doch dringen immer wieder Details nach außen. So will das Team am Montag in Oybin drehen. Der Drehplan sei eng, erklärte die betreuende Agentur schon am Anfang. Aber vielleicht findet der Oscar-Regisseur ja auch im Kurort etwas Zeit für einen Schnappschuss.