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Pirna

Schneemann in der Truhe

SZ-Adventskalender: Türchen 8 erzählt davon, wie der Nachbar unversehens zum Schneemannarzt wurde.

Richard Bachmann als Schneemann mit Zylinder.
Richard Bachmann als Schneemann mit Zylinder. © Marko Förster

Mein Nachbar sah aus seinem Fenster und auf der Wiese einen Schneemann. Aber der Schneemann weinte. Ihm liefen die Tränen aus den Kohleaugen an der Möhrennase vorbei und tropften auf den Boden.

Verdammt, dachte mein Nachbar, es ist einfach wieder zu warm geworden und der Schneemann wird eingehen. Um den weißen Kerl standen einige Kinder und versuchten mühsam, seinen Niedergang aufzuhalten. Aber der Schneemann schmolz vor sich hin. Da fasste sich mein Nachbar ein Herz und verließ seine Wohnung. Er ging raus auf die Wiese zu den Kindern und rief: „Lasst mich bitte mal durch, ich bin Schneemannarzt und kann den Schmelzprozess des Kranken aufhalten.“ Die Jungen und Mädchen lachten, denn von einem Arzt, der Schneemänner heilen kann, hatten sie noch nie gehört.

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Mein Nachbar hatte eine Schubkarre aus dem Hof des Hauses mitgebracht und nahm zuerst von oben den Schneekugelkopf ab, dann den Schneemannkugelbauch und dann den Schneemannkugelunterbau. Die Kinder riefen: „Der klaut uns den Schneemann!“ Aber mein Nachbar meinte, er sei kein eiskalter Dieb, sondern sie sollten ihm folgen. Alle zusammen liefen zum Haus und schleppten die Schubkarre samt Schneemannkugeleinzelteile in den Keller. Dort stand eine Kühltruhe, die voll gefüllt war mit Eis.

Mein Nachbar holte alles aus der Truhe und verteilte die Süßleckereien an die Kinder. Die begann zu schlecken. Die Schneemannkugeleinzelteile hoben sie in den kalten Kasten und dann schlugen sie den Deckel zu. „So, geschafft“, sagte mein Nachbar. Aber ein Mädchen meinte, dass der Schneemann vermutlich nicht schmelzen, aber ersticken würde. „Er bekommt doch in der Kühltruhe gar keine Luft“, sagte sie. „Du hast recht“, antwortete mein Nachbar und bohrte einfach Löcher ins Blech. „Wir sollten“, sagte das Mädchen, „auch einige von den Eissüßigkeiten wieder in die Truhe zurücklegen. Denn der Schneemann muss auch etwas essen. „Richtig“, sagte mein Nachbar.

Als es fünf Tage später wieder kalt wurde, da kamen die Kinder und holte die Einzelteile des Schneemanns wieder ab. Er hatte sich in der Kühltruhe gut gehalten. Alle zusammen legten Kugel auf Kugel und der Schneemann schien zu lächeln. Jedenfalls sah keiner mehr eine Träne. Mein Nachbar schaute aus dem Fenster zu den Kindern rüber und freute sich. Das war sein schönstes Weihnachtsgeschenk.

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