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Schneewehen wie noch nie

Der Winterdienst hatte rund um Riesa tagelang viel zu tun. Bis Montag gab es Straßensperrungen.

© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich, Christoph Scharf, Luca Sing und Stefan Lehmann

Riesa/ Landkreis. Am Rodaer Ortseingangsschild war Schluss: Statt die Haltestelle zu bedienen, fuhr der Bus am Montagmorgen nur bis zum Ortseingang. Noch bis Montagvormittag war eine Zufahrt zu dem Nünchritzer Ortsteil gesperrt, sagt Bauamtsleiter Uwe Riedel. „Dort war alles zugeweht. So schlimm war es noch nie gewesen.“ Erst am Vormittag konnten Bauhofmitarbeiter die Strecke mit dem Radlader freiräumen, nachdem sich noch am Morgen ein Linienbus im tiefen Schnee festgefahren hatte.

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Auf der Straße zwischen Weida und Mautitz räumte das Unternehmen AGV mit schwerer Technik. © AGV

Auch in Wülknitz und Röderau blieben Busse stecken. Andernorts habe es in der Gemeinde Verwehungen gegeben, so extrem wie in Roda war es aber nirgends, sagt Uwe Riedel.

Die Winterdienste in und um Riesa haben jedenfalls ein anstrengendes Wochenende hinter sich. „Seit Freitagmittag waren wir im Einsatz“, sagt Andreas Sonnenfeld von der Riesaer AGV. Der Technische Leiter hatte 26 Einsatzkräfte und 15 Fahrzeuge zu koordinieren. Obwohl der letzte Kollege am Freitag erst Mitternacht zurückkehrte, konnte nicht jede Straße frei gehalten werden. „Den Krähenhüttenweg konnten wir erst Montagfrüh mit schwerer Technik wieder freiräumen.“ Der Weg war am Sonnabend durch die Feuerwehr gesperrt worden, weil der Aufwand zu groß wurde.

Die Feuerwehrmänner der Riesaer Hauptwache hatten alle Hände voll zu tun, berichtet Stadtwehrleiter Egbert Rohloff: „Wir waren von Samstagabend 21.30 Uhr bis Sonntagmorgens um 7 Uhr unterwegs, um Straßensperrungen vorzunehmen“. Auch sechs Autos mussten geborgen werden. Gleich mit drei Fahrzeugen war auch das Team des Autohauses Christian Wagner unterwegs, um Fahrzeuge aus Schneewehen und Gräben zu befreien. „Wir waren fast die ganze Zeit von Freitagabend bis Sonntagmorgen um 3.30 Uhr im Dauereinsatz – so was hatten wir schon lange nicht mehr“, berichtet Christian Wagner, der Besitzer des Autohauses. Wie viele Einsätze es genau waren, weiß im Team noch niemand so genau. Doch die sieben Autowracks auf dem Hof des Autohauses, sprechen eine deutliche Sprache.

Teilweise kam zu den Wetterverhältnissen noch Leichtsinn der Autofahrer, so Wagner. „Viele Leute hatten schon Sommerreifen aufgezogen, weil sie dachten, der Winter ist vorbei.“ So mussten sie eine junge Frau aus einer Schneewehe retten, die sich wegen ihrer Sommerreifen festgefahren hatte. Sie bestand darauf, dass man sie nach Dresden schleppen solle. „Wir versuchen, den Leuten bestmöglich zu helfen, aber diesen Wunsch konnten und wollten wir nicht erfüllen. Zudem wollten wir nicht selbst steckenbleiben.“

Zum starken Schneefall kam am Wochenende ein untypischer Ostwind – so dass Schneeverwehungen an Orten entstanden, wo sonst weniger Probleme sind. „Wir hatten Verwehungen, wo es noch nie welche gab“, sagt AGV-Mann Andreas Sonnenfeld. Auch die Straße von Weida nach Mautitz war nicht durchgehend offenzuhalten. Zeitweise blieb auch die Straße zwischen der B 6 und Bloßwitz dicht. „Dort hatten sich Autos festgefahren und standen ohne Insassen auf der Fahrbahn.“ Die Fahrer hatten sich offenbar zu Fuß auf den Weg gemacht. Dem Winterdienst blieb die Sorge, dass sich in teils mehr als 1,50 Meter hohen Schneewehen womöglich weitere Autos verbergen könnten.

Während das eine Herausforderung für die Schneepflug-Fahrer war, hatten die Einsatzkräfte im Hand-Dienst ganz andere Sorgen: Sie mussten fünf, sechs Stunden am Stück mit der Schneeschaufel Bushaltestellen freischaufeln. Teils dauerte der Einsatz bis zu acht Stunden, weil man am Ende der Runde gleich wieder vorn anfangen durfte.

Am Montagnachmittag standen dann Reparaturen an der Technik auf dem Programm. Und auch der Salz-Nachschub für Riesa rollt schon wieder: Denn die 125 Tonnen fassenden Salz-Silos waren bereits ziemlich zur Neige gegangen, weil man bei diesem Wetter nicht wie gewohnt nur zehn Gramm pro Quadratmeter streuen musste, sondern die dreifache Menge. „Der Nachschub klappt aber gut“, sagt Andreas Sonnenfeld: Schon am Dienstag sollen die Silos wieder komplett voll sein. Auch in Nünchritz und Zeithain wurde schon Salz nachbestellt. „Man weiß ja nicht so genau, was die nächsten Tage noch kommt“, so Zeithains Hauptamtsleiter Ronny Werner.

Vorbei ist der Winter tatsächlich noch nicht. Laut Florian Engelmann vom Deutschen Wetterdienst könnte es schon am Dienstag erneut schneien. „Aber nicht annähernd so viel wie die letzten Tage, vor allem nicht mit diesen Schneeverwehungen.“ Das dürfte nicht nur die Mitarbeiter des Winterdienstes aufatmen lassen.