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Bob-WM: Fast gestürzt und doch gewonnen 

Gold & Silber für Deutschland. Auch die Frauen sind auf der schnellsten Bahn der Welt die besten. Die Angst fährt in Whistler aber immer mit.

Mariama Jamanka (vorne) und Annika Drazek meisterten die schwierige Bahn von Whistler am besten. © dpa/Darryl Dyck/The Canadian Press/AP

Duplizität der Ereignisse bei der Bob-WM: Wie der Pirnaer Francesco Friedrich fuhr die Berlinerin Mariama Jamanka im ersten Lauf auch Bahnrekord, war den wenige Minuten später gleich wieder los, um sich im zweiten Lauf umso eindrucksvoller zurückzumelden – und am späten Sonntagabend deutscher Zeit schließlich als Weltmeisterin festzustehen. 

"Es war eine unglaubliche Saison. Ich hoffe, dass es bis zu den nächsten Olympischen Spielen so weitergeht", sagte Jamanka, die innerhalb von 111 Wochen alle möglichen Titel gesammelt hat. Erst Europameisterin, dann der Olympiasieg und nun also der WM-Erfolg. Am Ende lag sie mit ihrer Anschieberin Annika Drazek die kleine Ewigkeit von 1,06 Sekunden vorm Rest der Welt – der völlig überraschend von Stephanie Schneider angeführt wurde. Zusammen mit Anschieberin Ann-Christin Strack gewann die Oberbärenburgerin die Silbermedaille. 

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Im Ziel fielen sich beide in die Arme, eine nervenaufreibende, mental wie körperlich höchst anstrengende Woche fand einen erfolgreichen Abschluss. "Ich bin einfach nur froh und glücklich. Wir hatten uns vorgenommen, viermal im Ziel angekommen - und das ist uns offenbar ziemlich gut gelungen. Die Medaille ist Zusatz und freut mich vor allem für Anni", sagte Schneider mit Tränen in den Augen. 

Erleichterung, Freude und ein Stück pures Glück: Stephanie Schneider und Ann-Christin Strack haben völlig unerwartet WM-Silber gewonnen. ©  dpa

Mit dem zweiten Platz hatte tatsächlich keiner gerechnet, am allerwenigsten die Pilotin selbst. Allerdings profitierte sie auch vom Sturz der Titelverteidigerin. Unmittelbar nachdem sich Jamanka/Drazek im dritten Lauf den Streckenrekord von Elana Meyers Taylor zurückgeholt hatten, stürzte die US-Amerikanerin kurz vor dem Ziel im Hochgeschwindigkeitsbereich und musste das Rennen aufgeben.

Dass ausgerechnet Schneider im Anschluss an die zehnminütige Sperrung der Bahn fahren musste, machte es für die 28-Jährige noch komplizierter. Im Training war sie schließlich gleich dreimal gestürzt. „Das ist halt Whistler, da kann alles passieren“, sagte Schneider, die dann im dritten Lauf das Umkippen ihres Bobs an der Schlüsselstelle, der berüchtigten Fifty-Fifty-Kurve, gerade noch verhindern konnte. "Dank Anni haben wir in der Kurve überlebt, weil sie Mega-Rhythmus hinten machte. Das war noch mal ein Nervenkrimi. Jetzt fällt die ganze Anspannung ab. Ich bin fertig und durch mit der Bahn", sagte Schneider.

Auch auf den eigentlich geplanten Start beim weitgehend bedeutungslosen Teamwettbewerb mit je einem Männer- und Frauenbob sowie zwei Skeletonis verzichtete sie daraufhin. Sie wolle das Glück, aber auch ihr Geschick nicht überstrapazieren. Im letzten Lauf fuhr sie immerhin noch mal die zweitbeste Zeit.

Erhöhtes Sturz-Risiko bei fallenden Temperaturen

Das bestimmende Thema aber blieb die Sicherheit. Nach den insgesamt 16 Stürzen im ersten WM-Training, die zum Aus von gestandenen Piloten führten und intern für heftige Diskussionen sorgten, gab es am Wochenende sechs weitere solcher Zwischenfälle. Der Kanadier Nick Poloniato schied dadurch aus. Die in Lauf zwei betroffenen Russinnen und Schweizerinnen verzichteten auf einen Start am Sonntag, ehe es im dritten Lauf mit der Amerikanerin Meyers dann eine der besten Pilotinnen erwischte.

Ein Grund waren die auf minus sieben, minus acht Grad Celsius fallenden Temperaturen. Beim Eis in der Bahn wurden gar minus zehn Grad gemessen – wobei das für Schneider keine Rolle spielte. „Ich hatte ehrlich gesagt kein richtiges Konzept für die Fifty-Fifty-Kurve. Die Basis war da, aber ich konnte das im Training nicht umsetzen“, sagte sie und gestand, dass die Angst in Whistler immer mitfährt: „Definitiv.“

Jamanka, die im letzten Lauf an der Schlüsselstelle fast auch noch stürzte, sah es wiederum pragmatisch. „Wir waren uns sicher, dass es einige Stürze geben wird. Das ist hier leider irgendwie normal“, sagte sie und erzählte, wie sie sich mit dem Bob in den Anfangsjahren oft auf die Seite gelegt hatte. Ihre Devise: „Einfach ausblenden, drüberstehen und nicht an sich ranlassen. Doch ich bin sehr froh, dass es allen gut geht, wenn sie im Ziel ankommen – wie auch immer.“ 

Am Ende des Tages erwischte es Jamanka dann doch noch - im Teamwettbewerb, bei dem es weitere vier Stürze gab. Anders als im Zweierrennen konnte die Weltmeisterin den Schlitten an der ominösen Stelle nicht mehr zurück auf vier Kufen stellen. Der Bob rutschte auf der Seite liegend ins Ziel, sie und Anschieberin Franziska Bertels kletterten unverletzt heraus. Danach sagte auch Nico Walther vorsorglich seinen Start an dem wenig beliebten Wettbewerb ab. Die Verletzungsgefahr erschien den Verantwortlichen zu groß. Dass Team Deutschland II den Titel gewann, geriet zur Randnotiz.