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Schnelle Hilfe bei Herzinfarkt

Das Bautzener Krankenhaus hat aufgerüstet. Das kommt vor allem Herzpatienten zugute.

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Von Nicole Preuß

Die Schmerzen überraschten Werner Lehmann am frühen Morgen. Er lag noch im Bett und schlief. „Doch plötzlich hatte ich so ein Stechen in der linken Seite, das zog sich bis zum Ellenbogen.“ Außerdem bekam der 83-Jährige nur schwer Luft. Und die Schmerzen verflogen nicht mehr. Deshalb reagierte er schnell und weckte seine Frau. Sie rief den Notarzt. Und der brachte den Großdubrauer sofort ins Bautzener Krankenhaus.

Der Chefarzt der Medizinischen Klinik I Dr. Jochen Eberhard kann sich noch gut an Werner Lehmann erinnern. Nicht nur, weil er ihn damals im Dezember untersuchte. Sondern auch weil Werner Lehmann der Erste in Bautzen war, den er und sein Team mit einer speziellen Behandlungsmethode wieder auf die Beine brachten. Vorher konnten in Bautzen Patienten mit Herzinfarkt nicht behandelt werden. Sie wurden untersucht und bei Bestätigung der Diagnose in ein anderes Krankenhaus verlegt. „So ging immer wertvolle Zeit verloren“, sagt Jochen Eberhard. Das soll nun der Vergangenheit angehören.

Möglich macht das eine größere Investition der Oberlausitz-Kliniken. Seit November steht im Bautzener Krankenhaus ein Links-Herz-Katheter-Messplatz. Das Krankenhaus hat dafür einen Behandlungsraum umgebaut und insgesamt rund 1,2 Millionen Euro investiert. Das erste, was man sieht, ist der große Monitor. Darauf können die Ärzte verfolgen, was im Herzen vor sich geht. Die bewegten Bilder liefert ein Röntgengerät. Lange hat das Krankenhaus darauf gewartet.

Die Klinik in Görlitz hat bereits einen Messplatz, auch Hoyerswerda besitzt ein Gerät und auch drei Krankenhäuser in Dresden kümmern sich auf diese Art und Weise um Herzinfarktpatienten. Dorthin wurden Menschen mit den Symptomen bisher auch gebracht. Doch schon der Herzbericht der Deutschen Herzstiftung weist darauf hin, dass solche Messplätze und die damit verbundene Behandlungsmethode in einem Abstand von 50 Kilometern angeboten werden sollten. „Doch eine Dichte an Messplätzen wie im Westen von Deutschland ist hier noch lange nicht erreicht“, sagt Dr. Jochen Eberhard.

Das zeigt sich auch in den Zahlen. So starben in Sachsen im vergangenen Jahr noch deutlich mehr Menschen an einem Herzinfarkt als zum Beispiel in Hessen (siehe Tabelle). Lange Wartezeiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient stirbt oder bleibende Schäden davon trägt. Deshalb sei es auch so wichtig, dass sofort der Notarzt gerufen wird, wenn solche Schmerzen auftreten. „Wenn das Gefäß beim Herzinfarkt zu ist, läuft die Uhr“, sagt Dr. Jochen Eberhard. „Dann muss behandelt werden. Nach sechs Stunden sind die Erfolgsaussichten deutlich schlechter.“

Ziel der neuen Behandlungsmethode am Krankenhaus ist, das verschlossene Gefäß im Herzen wieder zu öffnen. Dazu wird ein feiner, flexibler Draht durch die Arterie ins Herz geschoben bis zu der Stelle, an der das Gefäß verschlossen ist. Dann pumpen die Ärzte eine Art winzigen und durchsichtigen Ballon auf, der über dem Draht liegt. Der weitet das Gefäß und macht damit Platz für eine Stütze, die ebenfalls über einen Draht ins Herz transportiert wird. Diese Stütze, auch Stent genannt, sorgt dann dafür, dass das Gefäß nicht wieder zusammenfällt. Sie bleibt im Herzen. Das Blut kann damit wieder ungehindert durch das Gefäß fließen und das Muskelgewebe stirbt nicht ab. „Je weniger Gewebe abgestorben ist, desto besser kann man nach dem Infarkt leben“, sagt Dr. Jochen Eberhard. Der Kardiologe arbeitet seit zwanzig Jahren mit dieser Methode. Auch seine zwei Kollegen haben sie schon mehrere Hunderte Male angewandt. „Erfahrung ist auf diesem Gebiet ganz wichtig“, sagt Dr. Jochen Eberhard. Er selbst arbeitete lange in Dresden, sein Kollege war in Liberec angestellt. Die Oberlausitz-Kliniken holten die Ärzte nach Bautzen. Auch geeignetes Assistenzpersonal konnte aus verschiedenen Herzzentren des Landes gewonnen werden. Auch aus so renommierten Krankenhäusern wie dem Universitätsklinikum Heidelberg kam eine aus der Lausitz stammende Kollegin zurück in ihre Heimat. Anderthalb Monate behandeln sie nun bereits mit dieser Methode in Bautzen. Rund um die Uhr wird ein Bereitschaftsdienst vorgehalten. Fast 120 Patienten konnten sie damit helfen.

Werner Lehmann hat sich inzwischen wieder erholt. „Ich merke kaum noch etwas“, sagt er. „Nur mein Blutdruck ist noch nicht wieder im normalen Bereich.“ Dass es ihm so gut geht, schiebt er auch auf die schnelle Behandlung. „Und den Stent in meinem Herzen, den merke ich gar nicht.“