merken

Schnelle Hilfe für verirrte Brieftaube

Laura Jähne aus Hirschfelde rettet dem Vogel aus dem Erzgebirge das Leben. Fachkundige Hilfe zu finden, war dabei nicht so einfach.

© Thomas Eichler

Von Elke Schmidt

Ohne Laura Jähne hätte die junge Brieftaube wohl keine Chance gehabt. Der Täuberich war mit seinen Kräften völlig am Ende und wäre vermutlich gestorben. Aber er hatte Glück, denn die tierliebe Frau fing ihn ein und organisierte sachkundige Hilfe.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Der Besitzer des Tieres konnte dank der Ringe an den Beinen der Taube ermittelt werden.
Der Besitzer des Tieres konnte dank der Ringe an den Beinen der Taube ermittelt werden. © Thomas Eichler

Laura Jähne stammt aus Hirschfelde, wohnt derzeit aber in Thüringen. Zurzeit besucht sie ihre Mutter. Vor einer reichlichen Woche sahen sie eine Taube auf ihrem Dachfirst sitzen. An sich nichts Ungewöhnliches, doch die Taube fiel auf, weil sie so schön war. Ein paar Tage später saß dasselbe Tier im Garten. „Sie war ganz träge und konnte nicht fliegen“, sagt Laura Jähne. Ihr tat die Taube leid und sie fing sie ein. Am Bein fand sie einen Ring mit einer Telefonnummer. Sie rief dort an, aber es ging keiner ran. Dann versuchte sie es beim Tierarzt, doch auch der konnte nicht helfen. Also recherchierte sie im Internet und fand nach längerer Suche die Telefonnummer von Reimund Rathsmann. Er ist Vorsitzender des Brieftaubenvereins „09457 Heimatliebe Zittau“ und bat sie, die Taube zu ihm zu bringen. Laura Jähne packte das Tier kurzerhand in eine Transportbox für Katzen und fuhr nach Großschönau. „Der Züchter hat das junge Tier sofort in seine Obhut genommen“, sagt Laura Jähne. Sie sah, dass es gut versorgt wurde und fuhr wieder zurück.

Doch damit war die Sache für sie nicht erledigt. Eine knappe Woche später war sie noch einmal bei ihm zu Besuch, um zu sehen, wie es ihrem Schützling geht. Da ist der schon wieder fidel und kräftig. Die junge Frau freut das sehr, denn das zeigte ihr, dass sie richtig gehandelt hat. Der Brieftaubenzüchter erzählt im Nachhinein, dass er nicht daran geglaubt habe, dass die Taube überlebt. Sie war zwar nicht verletzt, jedoch sehr abgemagert und so geschwächt, dass sie weder fressen noch trinken konnte. Aber Reimund Rathsmann päppelte sie behutsam wieder auf. Anfangs gab er ihr mithilfe eines Strohhalmes in regelmäßigen Abständen Traubenzucker und dazu abwechselnd eine Elektrolytlösung direkt in den Schnabel und sorgte dafür, dass das Tier absolute Ruhe hatte. Diese Behandlung schlug an und bald fraß der Täuberich wieder selbstständig. Beim Laura Jähnes Besuch war er schon über den Berg. Er muss sich nun noch mindestens eine Woche erholen, dann kann er nach Hause fliegen. Im Erzgebirge in der Nähe von Zwönitz wartet schon sein Züchter auf ihn.

Der sei sehr froh gewesen, als er von der Rettung erfuhr, sagt Rathsmann. Die Taube ist noch sehr jung, gerade mal ein Jahr alt, und war von einem Wettkampfflug von Gardelegen aus nicht nach Hause gekommen. Wie es sie in die Oberlausitz verschlagen hat, ist unklar. Brieftauben orientieren sich auf verschiedene Weise. Sie fliegen nach Sicht, lassen sich von ihrem Geruchssinn und von den Linien des Erdmagnetfeldes leiten. Bei schlechtem Wetter oder nach einem Angriff von ihren Hauptfeinden Habicht und Wanderfalke können sie die Orientierung verlieren. Reimund Rathsmann vermutet auch, dass die heute überall präsente Funktechnik den Sinn der Tauben stört. Es sei durchaus normal, dass nicht alle zurück nach Hause kommen. Er selbst verliere jedes Jahr bis zu 30 Tiere. Deshalb sei es für Züchter selbstverständlich, entkräftete Brieftauben aufzunehmen. Derzeit habe er noch eine zweite Taube in Obhut, die im Großschönauer Trixi-Park eingefangen wurde, erzählt er.

Weiterführende Artikel

Neues vom Brieftauben-Reiseverein

Neues vom Brieftauben-Reiseverein

Aschenputtel hätte dieser Tage viel Freude an Johannes Engers Sporttieren. Doch sie können viel mehr als Erbsen aus der Asche picken.

Reimund Rathsmann freut sich über Laura Jähnes Engagement. Viele Leute wüssten nicht, dass sie solche Tiere zu ihm bringen können. Er habe für solche Fälle seine Telefonnummer bei Tierärzten und anderen potenziellen Anlaufstellen hinterlegt. Es wäre schön, wenn noch mehr Stellen in Notfällen im Interesse der Tiere seine Kontaktdaten parat haben, sagt er.

Hilfe für verirrte Brieftauben: Reimund Rathsmann, Tel. 035841 36517