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„Schneller geht‘s nicht“

Seine Aufgabe am neuen Hauptstadtflughafen BER hat sich Hartmut Mehdorn einfacher vorgestellt. Die Kritik an ihm wächst, er ist im Zugzwang. Unterdessen braucht er auch noch eine neue Milliarde.

© dpa

Schönefeld. Hartmut Mehdorn ist sichtlich in Rage: „Schneller geht’s nicht“, bricht es aus dem Chef des neuen Hauptstadtflughafens heraus, beide Füße wippen hastig unter dem Tisch. Mehdorn nerven die Fragen von Abgeordneten, ob diese und jene Hiobsbotschaft zutreffe, die über Deutschlands berüchtigtste Baustelle mal wieder zu lesen ist. „Auf dem Flughafen kloppt es sich halt leicht und gratis herum“, schimpft er vor einigen Tagen im Abgeordnetenhaus. „Da gibt’s halt viele, die meinen: Herr Lehrer, ich weiß was.“

Doch Mehdorns Problem ist: Auch die Eigentümer des Flughafens würden gerne mal was wissen. In einem schmucklosen Bürobau vor dem verwaisten Terminal in Schönefeld stellt sich Mehdorn am Freitag ihren Fragen - es sind nicht wenige, doch die wenigsten sind neu.

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Zum Beispiel dazu, wann es endlich sichtbaren Fortschritt gibt auf der Baustelle, zweieinhalb Jahre nach dem ersten geplatzten Eröffnungstermin. Wann Deutschlands drittgrößter Flughafen fertig wird, von dem viele Unternehmen und Arbeitsplätze abhängen. Und wie dick die Rechnung wird, die die Politiker im Aufsichtsrat dem Wahlvolk eines Tages vorlegen müssen. Sicher ist nur: Dies wird kein angenehmer Tag sein.

1,1 Milliarden Euro werden noch gebraucht

Mehdorn hat die neue Kostenschätzung dem Vernehmen nach bislang nur in vertraulicher Runde genannt, und noch haben Berlin, Brandenburg und der Bund als Flughafeneigner das Geld nicht nachgeschossen: 1,1 Milliarden Euro brauche er zusätzlich, um den Flughafen fertig zu bauen und allen Anwohnern die richtigen Schallschutzfenster einzubauen, heißt es. 5,4 Milliarden wären es dann insgesamt, doch niemand kann sicher sagen, ob damit das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Auch Jochen Großmann kann das nicht sagen. Mehdorn hat den Professor aus Sachsen geholt, damit er das „Monster“ bändigt. So nennen sie beim Flughafen einen zentralen Abschnitt der Brandschutzanlage, den die Ingenieure inzwischen seit Jahren nicht in Gang bekommen.

Großmann will kilometerweise Kabel neu verlegen lassen und Schornsteine durch das feingliedrige Terminaldach treiben, damit Rauch und Frischluft richtig durch die Kanäle strömen, wenn es brennt. „Das ganze ist kein Zauber Manitus“, sagt der Ingenieur. Es sei aber sehr komplex.

Planung nach dem Strickjackenmuster

Deshalb werden seit Monaten Pläne gezeichnet, verworfen, neu aufgeschrieben, korrigiert. Mehdorn vergleicht es mit einer Strickjacke: Wer die am Anfang falsch knöpfe, müsse am Ende eben alle Knöpfe wieder öffnen und von vorn beginnen.

Doch an welcher Stelle zwischen Saum und Kragen die Arbeiter im Terminal feststecken, ist unklar. Behauptet der Flughafen, der beauftragte Siemens-Konzern arbeite schon, erwidern die Münchner, es fehlten noch Vorleistungen. Seit Wochen geht das so. Der Aufsichtsrat befragt deshalb beide: Mehdorn und die Ingenieure von Siemens.

Zwei Milliarden sollte der Flughafen beim ersten Spatenstich 2006 kosten. Erweiterungen danach, Pfusch am Bau, millionenschwere Fehlannahmen beim Schallschutz, hektische Beschleunigungsmaßnahmen, Technikprobleme und Stillstandskosten dürften die Summe nun mindestens auf jene 5,4 Milliarden Euro erhöhen. Darin sind die Kosten für die Verkehrsanbindung von gut 700 Millionen Euro und Kreditzinsen noch nicht enthalten.

Und es werden immer neue Probleme publik. So bekannte Mehdorn kürzlich, dass ein Teil der 4.000 Räume im Flughafen falsche Nummern trägt. Das vorgesehene Zahlensystem hatte nicht genug Stellen. Als die Nummern in der dritten Etage des Terminals ausgingen, hätten die Arbeiter dort einfach mit Nummern aus der vierten weitergemacht.

Klingt erstmal harmlos, zieht aber einen „Rattenschwanz“ an Problemen nach sich, wie es beim Flughafen heißt. Denn auch Türen und Lüftungsklappen für den Brandschutz folgen den Raumnummern. Mehdorn will Ende des Jahres sagen, wann der Flughafen eröffnet wird. Mit einem Start 2015 rechnet inzwischen kaum noch jemand. (dpa)