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Schneller in die Sächsische Schweiz

© SZ-Grafik

Die Bauarbeiten für die Südumfahrung von Pirna haben begonnen. Die 3,8 Kilometer lange Strecke kostet fast 100 Millionen Euro.

Von Franz Werfel

Nach rund 25 Jahren Wünschen, Planen und politischem Gerangel ist es nun so weit: Am Mittwoch hat der Bau für Pirnas Südumfahrung offiziell begonnen. Dabei wurden an der Strecke, die bis 2022 auf einer Länge von rund 3,8 Kilometern entstehen soll, schon vorher erste Bauarbeiten durchgeführt. Die Zehistaer Straße macht seit Mitte Juli auf Höhe des Penny-Marktes einen Bogen. An dieser Stelle wird ein Kreisverkehr gebaut, an dem Auf- und Abfahrten zur Südumfahrung abgehen und münden werden. Bereits zu Jahresbeginn wurden die ersten Bäume an der geplanten Trasse gefällt. Archäologen haben das Feld besichtigt, und der Kampfmittelbeseitigungsdienst gab eine erste Entwarnung. Zumindest im ersten Bauabschnitt hat er keine Munitionsreste gefunden.

Zum offiziellen Start hatte sich viel Politprominenz angekündigt, auch Schaulustige waren der Einladung zum öffentlichen Spatenstich gefolgt. Zwar konnte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wegen aktueller Herausforderungen im Dieselskandal nicht wie angekündigt nach Pirna kommen. Ihn vertrat Gerhard Rühmkorf, Unterabteilungsleiter für Straßenbau im Bundesministerium. Er sagte, dass Pirnas Südumfahrung keine Ortsumgehung im engeren Sinne sei. „Eigentlich bauen wir hier eine Abkürzung.“ Denn die Fahrtzeit von Dresden in die Sächsische Schweiz soll sich mit der neuen Strecke deutlich verkürzen. Doch die Lage der geplanten Trasse fordert die Ingenieure.

So müssen auf der knapp vier Kilometer langen Strecke vier Brücken und ein Tunnel gebaut werden. Das ist auch der Grund, warum das Projekt mit fast 100 Millionen Euro im Verhältnis zur Streckenlänge recht teuer ist. Die komplette Summe stellt der Bund aus seinem Straßenbauprogramm bereit. Eine kleine Brücke wird die Zufahrt zum Lindigtgut erhalten, je eine weitere wird über die Seidewitz und die Zehistaer Straße gebaut. Der Kohlberg wird in circa 30 Metern Tiefe auf einer Länge von 300 Metern untertunnelt. 100 Meter hinter dem Tunnel wird dann die mehr als 900 Meter lange Brücke über das Gottleubatal führen. Am Knotenpunkt Sonnenstein landet die neue Südumfahrung wieder auf der Bundesstraße 172.

Zwischen dem Pirnaer Autobahnzubringer und der Zehistaer Straße wird die Trasse in beiden Fahrtrichtungen zweispurig verlaufen. Die Planer rechnen für diesen Abschnitt mit etwa 23 500 Fahrzeugen täglich. Etwa die Hälfte bis zwei Drittel aller Autos könnte hier die Trasse verlassen. Ab dem Knotenpunkt Zehistaer Straße geht es nur in Richtung Sächsische Schweiz zweispurig weiter. In der Gegenrichtung soll die Straße mit einer Spur auskommen.

Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) sagte: „Die Südumfahrung ist eine gute Nachricht für die gesamte Region.“ Er erinnerte daran, warum es überhaupt gelang, dass das Projekt schließlich doch so schnell beginnen konnte. „Minister Dobrindt sagte auf der Verkehrsministerkonferenz, dass der Bund dringend bereits geplante Projekte suche, in die er investieren kann“, so Dulig. Da hatte Sachsen die Planungen für die Südumfahrung bereits in der Schublade. „Nur deshalb können wir schon jetzt bauen, obwohl die Zusage vom Bund erst im September 2016 kam.“ Auch wenn die Lärmbelastung während der Bauphase zunehmen werde, so Dulig, könne sich die Stadt ab 2022 auf weniger Lärm freuen. „Die Südumfahrung stärkt den Tourismus, den Wirtschaftsraum und belastet die Stadt mit weniger Schadstoffen.“

Ins gleiche Horn stieß Landrat Michael Geisler (CDU). „Die Menschen haben seit 15 Jahren auf eine spürbare Verkehrsentlastung gewartet“, sagte er. Neben der Elbebrücke und der S 177 in Richtung Radeberg sowie dem Autobahnzubringer sei die Südumfahrung eine sinnvolle Ergänzung für die Bürger und Besucher der Region.

Pirnas Baubürgermeister Eckhard Lang sprach vom „letzten Puzzleteil, das Pirna und die Region noch braucht“. Ihm zufolge würden die Vorteile der Südumfahrung ihre Kosten weit überwiegen. „Sie ist ein wichtiger Teil für den Lärmaktionsplan unserer Stadt“, sagte er. Auch die Wirtschaft werde so gestärkt, denn gleichzeitig zum Bau der Ortsumgehung will Pirna zusammen mit Heidenau und Dohna das neue, rund 150 Hektar große Gewerbegebiet am Autobahnzubringer entwickeln. Firmen, die sich dort ansiedeln, würden direkt von der Südumfahrung profitieren.

Aus allen politischen Lagern gab es am Mittwoch viel Zustimmung zur neuen Trasse. Anders sahen das zwei Aktivisten des Naturschutzbundes Nabu. „Abgastote statt Naherholung – CDU wählen“, hatten sie auf ein Protestbanner geschrieben. Die geplante Straße sei „überflüssig, geldfressend und extrem schädlich für Mensch, Natur und Umwelt“, sagte der Pirnaer Naturschützer Sebastian Schmidt. Der Bau schädige die Landschaft und bedrohe seltene Tier- und Pflanzenarten wie Eisvogel, Pirol, Uhu und mehrere Fledermausarten.

Die Politiker hoben hingegen hervor, dass während des Planverfahrens niemand gegen das Großprojekt geklagt habe und dass die Bürgerinitiative „Pro Sächsische Schweiz – Südumfahrung Pirna jetzt“ jahrelang an konstruktiven Lösungen für den Bau mitgearbeitet habe.