Merken

Schneller mit dem Bus

Der Verkehrsverbund plant ein Express-Linien-Netz in der Oberlausitz. Anderswo kommt das Modell bereits gut an.

Teilen
Folgen
© Steffen Unger

Von Sebastian Kositz

Bautzen. Zickzacklinien, ein Wirrwarr aus Nummern und obendrein ein ausgemachter Wust an Abfahrzeiten – Busfahren in Ostsachsen ist bisweilen eine große Herausforderung. Tatsächlich wirkt das Angebot gerade auf Gelegenheitsfahrer eher abschreckend. Doch das soll sich jetzt ändern. Der Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) plant neue Premiumlinien, will den Nahverkehr in der Region so deutlich besser vernetzen, das Angebot attraktiver machen und so mehr Fahrgäste für den öffentlichen Nahverkehr begeistern. Die SZ erklärt, was der Verkehrsverbund vor hat.

Die Situation: Viele Buslinien sind auf den Schulverkehr ausgerichtet

Das Busliniennetz in Ostsachsen ist durchaus engmaschig gestrickt. Nicht nur in den Städten, auch in den allermeisten Dörfern hält regelmäßig ein Bus. Die Frage ist oft allerdings wann und wie oft. „Weite Teile des Netzes sind auf den Schulverkehr ausgerichtet“, sagt Zvon-Chef Hans-Jürgen Pfeiffer. Das hat einerseits Folgen für die Taktzeiten, die sich bei vielen Linien nach dem Pausenklingeln in den Schulen richten. Zugleich aber auch auf die Linienführung. Die Busse fahren buchstäblich alle Winkel im Schulbezirk ab – und gelangen somit selten auf den kürzesten Wegen von A nach B. Angesichts dieser Prioritäten ist darüber hinaus eine sinnvolle Verzahnung der Nahverkehrsangebote, allen voran mit den Zügen, kaum möglich. „Unsere Anschlüsse an den Bahnhöfen sind eher Zufall“, erklärt Geschäftsführer Hans-Jürgen Pfeiffer.

Die Idee: Express-Busse zwischen den großen Städten und Bahnhöfen

Am bisherigen Netz möchte und kann der Zvon wenig rütteln. Der Schülerverkehr ist gesetzlich vorgeschrieben, an bestehende Linien sind Konzessionen geknüpft. Stattdessen soll das Netz ergänzt, durch schnelle Express-Bus-Linien aufgewertet werden. Im Blick haben die Verantwortlichen dabei vor allem die Achsen zwischen den großen Städten und Bahnhöfen. Ganz neu ist die Idee nicht: Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund hat bereits seit einigen Jahren unter den Namen Plus-Bus in der Region um Leipzig und Halle ein entsprechendes Netz etabliert. Die Busse sind dort nicht nur auf die Abfahrzeiten der Züge an den Bahnhöfen ausgerichtet, sie fahren auch zu festen Zeiten, zumeist im Stunden- oder Zweistundentakt, bis in die Abendstunden und vor allem an den Wochenenden. „Die Erfahrungen sind sehr gut, die Fahrgastzahlen steigen“, so Zvon-Planerin Ilka Hunger.

Die Umsetzung: Schnellverbindungen frühestens ab Ende 2018

Schon jetzt laufen beim Zvon erste Untersuchungen. Potenziale sehen die Zvon-Verantwortlichen auf den Strecken zwischen Kamenz und Bautzen, von Bischofswerda über Kamenz nach Hoyerswerda, zwischen Bautzen und Hoyerswerda, Zittau und Löbau, Neustadt und Neukirch, von Bautzen über Uhyst nach Weißwasser sowie zwischen Görlitz und Rothenburg. Orte, die auf oder nahe der direkten Verbindungen liegen, sollen mit eingebunden werden. Zwischen Bautzen und Hoyerswerda könnte beispielsweise Königswartha mit ins Plus-Bus-Netz eingeflochten werden. Somit gebe es also nicht nur zwischen zwei wichtigen Städten im Landkreis eine Verbindung – Orte wie Königswartha würden so indirekt an die Bahn angebunden werden. Die Umsetzung des Netzes soll nach und nach erfolgen. Priorität haben die Verbindungen zwischen Bautzen und Hoyerswerda sowie Löbau und Zittau. Frühestens mit dem geplanten großen Fahrplanwechsel im Oberlausitzer Bahnverkehr Ende 2018 könnten die ersten Express-Busse rollen.

Der Knackpunkt: Für die Umsetzung braucht es Geld vom Freistaat

Die Zvon-Vertreter betonen, dass das neue Netz derzeit noch ein Planspiel ist. Einen offiziellen Beschluss gibt es noch nicht, zumal die Kreise Bautzen und Görlitz, die den Busverkehr bestellen, sich klar positionieren müssen. „Wir können nur unterstützen“, sagt Hans-Jürgen Pfeiffer. Im Bautzener Landratsamt gibt es für das Modell bereits Sympathien. Zusätzliche Angebote und die dazu nötigen Fahrzeuge kosten jedoch auch mehr Geld. „Das sind Mehrkosten, die auch der Freistaat mitragen muss“, so Hans-Jürgen Pfeiffer. Dort gebe es intensive Gespräche, auch andere Regionen planen ähnliche Angebote. Hans-Jürgen Pfeiffer verweist darauf, dass es derzeit in Dresden aber durchaus positive Signale gebe.

Auf ein Wort