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Schnelleres Internet ohne Schachtarbeiten

Breitband-Anbieter Kadsoft will in Zabeltitz das Funknetz mit den Telefon-Kabelanschlüssen kombinieren.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Manfred Müller

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Zabeltitz. Ab Sommer startet die Stadt Großenhain in ihren ländlichen Ortsteilen eine Breitband-Offensive. Innerhalb von anderthalb Jahren sollen in den Dörfern – außer Colmnitz und Görzig – alle Gebäude einen Kabelanschluss erhalten, mit dem Übertragungs- geschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde gewährleistet sind.

Welche Anbieter den Zuschlag für die Herstellung der Anschlüsse erhalten werden, wird im Frühjahr entschieden. Bisher sind in vielen Großenhainer Ortsteilen die Internet-Verbindungen nicht zufriedenstellend. Das Problem ist dabei fast immer die letzte „Meile“ bis zum Hausanschluss. Mittlerweile liegen zwar vielerorts leistungsfähige Glasfaser-Kabel bis zu den Verteilerstationen in den Dörfern. Aber von dort aus führen nur dünne Kupferleitungen zu den Hausanschlüssen der Verbraucher. Diese können nur mittels des sogenannten Vectoring auf eine zeitgemäße Übertragungskapazität gebracht werden. Aber dazu darf der Hausanschluss nicht allzu weit vom Kabelverzweiger entfernt sein. Außerdem lässt die Geschwindigkeit beim Upload und Download nach, sobald viele Nutzer gleichzeitig online sind.

Angebot für die Funklösung

In Zabeltitz haben sich in den vergangenen Jahren viele Einwohner für eine Funklösung entschieden. Aber auch die hat Nachteile. Zum einen muss man an seinem Haus eine spezielle Antenne installieren lassen. Zum anderen ist die Qualität der Übertragung ebenfalls stark davon abhängig, wie viele Nutzer gleichzeitig im Internet unterwegs sind und welche Datenmengen sie dabei abgreifen. Das Freitaler Unternehmen Kadsoft will nun die Funklösung mit dem Kabelnetz im Ort kombinieren und damit für die meisten Haushalte Übertragungsgeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde gewährleisten.

Kadsoft ist die Trägerfirma des Funkanbieters WEBoverAIR, der in Zabeltitz und Treugeböhla bereits Verträge mit etwa 120 Kunden abgeschlossen hat. Unter dem neuen Namen KSnet informierten die Breitband-Experten am Mittwochabend darüber, wie sie das Internet in Zabeltitz künftig schneller machen wollen. Der Zugang zum Internet soll nach wie vor über eine leistungsfähige Funkverbindung erfolgen. Diese wird vom Hauptsender in Gröditz zunächst auf drei Antennen in Zabeltitz und Treugeböhla ausgerichtet. Die Empfänger sind mit den Kabelverzweigern der Telekom verbunden, von wo aus das Signal dann über die vorhandenen Telefonleitungen in die Haushalte übertragen wird.

Mittels Vectoring verstärkt, sollen dann überall 50 Megabit pro Sekunde ermöglicht werden – mit Ausnahme einiger Randbereiche, die weiter als 800 Meter vom Verzweiger entfernt sind. Die Einschränkung betrifft vor allem die letzten Grundstücke von Zabeltitz in Richtung Görzig, den Bahnhof und das Ortsende von Treugeböhla in Richtung Raden. Aber auch hier, versicherte Firmenvertreter Winfried Droll, könnte man am Ende auf 40 oder 45 Megabit kommen. KSnet wollte zunächst Antennenmasten neben den Kabelzweigern errichten, womit allerdings der Denkmalschutz und einige Anwohner Probleme hatten. Deshalb sollen sie nun auf Gebäuden installiert und über Glasfaserkabel an die Stationen angeschlossen werden.

Was die Leistungsfähigkeit des kombinierten Systems betrifft, äußert sich KSnet optimistisch. „Wenn der Vater einen Film herunterlädt, die Mutter im Internet shoppt und die Kinder gleichzeitig zwei Playstations betreiben, kann es natürlich eng werden“, erklärt Winfried Droll. „Aber bei den meisten Nutzern dürfte die Kapazität für den Alltagsgebrauch ausreichen.“

KSnet hofft vor allem auf jene Grundstückseigentümer, denen der Aufwand für einen neuen Kabelanschluss zu hoch ist. „Wer gerade seinen Hof gepflastert hat, dem wird unsere Lösung möglicherweise besser gefallen“, sagt Firmenmitarbeiter Axel Muca. Außerdem brauche nicht jeder unbedingt 100 Megabit pro Sekunde, und auch als temporäre Lösung sei das KSnet-Angebot überdenkenswert.

Dem steht allerdings entgegen, dass im Rahmen der Großenhainer Breitbandoffensive die Anschlüsse auf Wunsch kostenlos bis an den Keller der Gebäude verlegt werden. „Die Eigentümer müssen dazu einen Gestattungsvertrag mit dem künftigen Netzbetreiber abschließen“, erklärt Stadt-Sprecherin Diana Schulze. Wer diesen Service am Ende in Anspruch nimmt und wer lieber auf die Freitaler Kombi-Technologie zurückgreift, ist sicher auch davon abhängig, welche Konditionen die Anbieter in den Nutzungsvertrag schreiben.