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Schnelles Internet für 60 000 Haushalte

Mit dem deutschlandweit umfangreichsten und teuersten Projekt startet der Landkreis Bautzen in die digitale Zukunft.

© dpa

Von Jens Fritzsche

Es waren eigentlich nur je drei Unterschriften auf insgesamt neun DIN-A4-Seiten. Aber die hatten es in sich. Denn sie machten Mittwochmittag im Sitzungssaal des Landratsamtes in Bautzen den Weg frei für rund 5 000 Kilometer Glasfaserkabel im Landkreis Bautzen, die das schnelle Internet endlich in den kompletten Kreis bringen sollen. Immerhin 104,5 Millionen Euro lassen sich das der Bund und der Freistaat Sachsen kosten. Und der Landkreis ist damit deutschlandweit nicht nur das größte Projekt dieser Art, sondern soll auch als Vorbild für andere Kreise dienen, „die sich noch ein wenig zieren“, so Stefan Brangs. Der SPD-Politiker war als Wirtschafts-Staatssekretär sozusagen als Geldbriefträger nach Bautzen gekommen; er hatte die Fördermittelbescheide dabei.

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Um die historische Dimension deutlich zu machen, griff Landrat Michael Harig (CDU) dann gleich mal tief in seine „Sonntagsreden“-Kiste, wie er sagte. Und verglich das Ganze mit der Erfindung und dem Ausbau der Eisenbahn im 19. Jahrhundert: „Damals mussten die folgenden Generationen nicht mehr aus abseits der Metropolen liegenden Regionen wegziehen, weil die Landstriche erschlossen wurden und Arbeit vor Ort bleiben konnte.“ Gleiches verspricht sich der Landrat nun vom schnellen Internet. Immerhin gelten kreisweit unglaubliche 8 800 Unternehmen als nicht ausreichend ans Internet angeschlossen. Ein klarer Wettbewerbsnachteil. Der nun nach der Vertragsunterzeichnung bis Ende 2020 vergessen sein soll.

Wie viele Haushalte im Landkreis werden vom Ausbau profitieren?

Über 60 000 Haushalte im Landkreis, vornehmlich im sogenannten „flachen Land“, sollen in den kommenden beiden Jahren ans schnelle Internet angeschlossen werden. „Das bedeutet insgesamt bis zu 15 000 einzelne Genehmigungsverfahren, die wir jetzt durchziehen müssen“, beschreibt die zuständige Beigeordnete des Landkreises, Birgit Weber, den enormen bürokratischen Aufwand, der auf die Mitarbeiter wartet. Der Landkreis hat sich das Thema auf den Tisch geholt, „weil viele kleinere Gemeinden personell gar nicht in der Lage wären, diesen Aufwand zu stemmen“, erläutert Landrat Michael Harig.

Wie läuft das Prozedere für die einzelnen Grundstücke ab?

Wie viele MBit?

Für das Senden einer E-Mail genügen Anschlüsse von 8 MBit pro Sekunde. Aber viel mehr geht in Sachen moderner Internetnutzung damit kaum.

Für das Streamen von Musik und Videos sind zwischen 20 und 30 MBit pro Sekunde nötig. Aber natürlich gilt, je mehr Leute gleichzeitig surfen, umso mehr Leistung braucht man.

Für Facebook & Co. sind 50 bis 100 Mbit pro Sekunde sinnvoll und nötig, wenn man möglichst schnell Bilder oder Videos hochladen möchte. Noch dazu, wenn mehrere Nutzer gleichzeitig im Netz aktiv sind.

Für die Zukunft und die weiter zunehmende Internetnutzung sind 100 MBit/s in jedem Fall wichtig.

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Jeder Grundstücksbesitzer wird angeschrieben und schließt anschließend einen Vertrag zum Anschluss ab. Der Großteil des Landkreises wird dabei durch die Telekom erschlossen, Bischofswerda und Umgebung von der Enso. Der Energieversorger baut neben Stromnetzen in Ostsachsen seit einigen Jahren auch schnelle Datennetze. Den Zuschlag für die Vergabe der Arbeiten hatte der Kreistag im März erteilt.

Was muss der Grundstücksbesitzer für die Erschließung bezahlen?

Nichts. Für den Grundstückseigentümer entstehen keine Kosten; die werden durch die Fördermittel gedeckt. Deshalb bittet Landrat Harig dringend, „dieses Angebot unbedingt anzunehmen“. Auch, wer derzeit meine, kein Internet zu brauchen, sollte sich für einen Anschluss entscheiden, wirbt er. „Das wertet die Grundstücke und Regionen auf, und später müssen die Eigentümer die Kosten für einen Anschluss selbst übernehmen“, macht er deutlich.

Wann rollen die ersten Bagger für den Breitband-Ausbau?

Im September werden die ersten Arbeiten beginnen. Und zwar an vielen Stellen im Landkreis zeitgleich, „um schneller voranzukommen“, so Vesta von Bossel. Die Vorstandsbeauftragte der Telekom war extra zur Vertragsunterzeichnung aus Bonn angereist. Wo genau es losgehen wird, hängt von den Grundstücksbesitzern und ihrer zügigen Bereitschaft zum Anschluss ihrer Flächen ab. Einen offiziellen Spatenstich wird es dann noch einmal im Oktober geben, verrät Landrat Harig. Dazu will er dann auch Bundespolitiker einladen.

Wie schnell soll das schnelle Internet am Ende tatsächlich sein?

Vorgesehen ist, dass jeder im Rahmen des Projekts neu angeschlossene Privathaushalt demnächst mit mindestens 100 Mbit pro Sekunde surft. Heißt, hier können dann Datenmengen von 100 Mega-Bit pro Sekunde übertragen werden. Unternehmen und Institutionen sollen mit einer Datenübertragungsrate von 1 GBit pro Sekunde ausgestattet werden. Davon werden auch 117 Schulen im Landkreis profitieren, die ebenfalls schnelles Internet bekommen. Ein Fakt, auf den Vesta von Bossel ausdrücklich verweist: „Für die Zukunft der Bildung, aber auch für die Zukunft des Gesundheitswesens ist das schnelle Internet besonders wichtig.“ Auch Krankenhäuser und Arztpraxen benötigen bekanntermaßen schnelle Datenleitungen, um zum Beispiel noch stärker als bisher auf Tele-Medizin setzen zu können. Das wird für den ländlichen Raum zunehmend wichtiger.

Wo können sich Bürger informieren, wann ihr Ort angeschlossen wird?

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Bis Ende 2020 sollten die Arbeiten im Landkreis abgeschlossen sein. Dieses Ziel wird nicht erreicht. Deshalb geht das Projekt jetzt in die Verlängerung.

Der Landkreis hat dazu eine Extra-Internetseite auf den Weg gebracht. „Dort sind sämtliche Informationen und Zeitabläufe zu finden“, so Beigeordnete Birgit Weber. Auch in den Amtsblättern der insgesamt 57 im Projekt vertretenen Städte und Gemeinden werde es Informationen geben.

www.breitband-bautzen.de