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Schnelles Internet im Schneckentempo

Trotz Breitbandausbau hat in Gohrisch nicht jeder Zugriff auf das schnelle Internet. Vor allem Vermietern macht das Probleme.

Einen Film aus dem Internet herunterladen oder via Internet Fernsehen, davon können viele Haushalte in Gohrisch nur träumen. Denn trotz Breitbandausbau sind nicht alle Grundstücke an das schnelle Internet angeschlossen. © dpa

Schnell die neuesten Urlaubsfotos mit den Freunden zu Hause teilen oder einen Film für einen Abend auf der Couch herunterladen: Touristen, die in Gohrisch Urlaub machen, müssen darauf oft verzichten. Zumindest die Gäste, die in der Pension Irene übernachten. Besitzerin Irene Gülle kann ihren Gästen vieles bieten, schnelles Internet ist nicht dabei. „Wir leben hier im Tal der Ahnungslosen“, sagt sie.

Und das, obwohl die Deutsche Telekom das Netz in Königstein und Gohrisch in Eigenregie ausgebaut hatte. Dafür wurden neue Glasfaserkabel verlegt oder Verteiler aufgestellt. Mit dem Ergebnis, dass seit Mitte Dezember etwa 90 Prozent der Haushalte nun mit Datenraten von um die 50 Megabit pro Sekunde unterwegs sein können. Teilweise sind sogar bis zu 250 Megabit möglich.

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Datenraten, von denen Irene Gülle nur träumen kann. Denn sie gehört zu den zehn Prozent, die keinen Zugriff auf das schnelle Internet haben. Einen Internetanschluss hat die Vermieterin zwar. Schnell ist er allerdings nicht. „Es nuddelt und nuddelt“, wie Irene Gülle bildhaft beschreibt. Sie hat sich aus der Not heraus einen sogenannten Hybrid-Router zugelegt, der verschiedenste Anschlussarten bündeln kann. Damit kann zwischen dem DSL-Anschluss und dem Mobilfunknetz gewechselt werden. Denn mit dem herkömmlichen DSL-Anschluss kann Irene Gülle ihren Gästen beispielsweise keinen WLAN-Zugang ermöglichen. Mit dem Router klappt das nun. „Ich muss die Urlauber aber immer höflichst darum bitten, keine Filme herunterzuladen. Denn sonst ist das Datenvolumen zu schnell verbraucht“, erklärt sie. Die Gohrischerin vermutet, dass das langsame Internet schon einige Gäste vergrault haben könnte. Sie lebt vor allem von Ein-Tages-Touristen, die den Malerweg entlang wandern. Und die wollen ihre Eindrücke oft mit aller Welt teilen. Wenn das nicht geht, sorge das für Unzufriedenheit.

Um das Problem zu lösen, hatte sich Irene Gülle vor Monaten mit der Deutschen Telekom in Verbindung gesetzt. Der Mitarbeiter am Telefon sei am Anfang optimistisch gewesen. Als er in seine Karte schaute und Gohrisch anwählte, machte sich jedoch schnell Ernüchterung breit. „Schnelles Internet, das geht leider gar nicht bei Ihnen“, gab es als Antwort.

Die Telekom hat zwar den Breitbandausbau in Königstein und Gohrisch vorangetrieben. In Gohrisch wurden aber nur zwei Knotenpunkte gesetzt. Diese befinden sich einmal in Richtung Pfaffendorf und in der Ortsmitte, in Höhe der Neuen Hauptstraße und Königsteiner Straße. „Die Leitungen sind aber nicht ausreichend, um den ganzen Ort anzubinden“, sagt der Gohrischer Gemeinderat und Ortsvorsteher Enrico Blechschmidt. Für Grundstücke an der Pladerbergstraße, dem Muselweg, Sandweg, Am Waldsaum und an der Pfaffendorfer Straße zwischen der Einmündung Neue Hauptstraße und dem Sandweg gibt es deshalb kein schnelles Internet. Denn diese Bereiche wurden von der Telekom nicht erschlossen.

Thomas Irrgang und Kai Gärtner von der Telekom drückten mit Bauamtsleiterin Katrin Gräbner und Königsteins Bürgermeister Tobias Kummer (v.l.) Ende 2018 den Startknopf fürs schnelle Internet. Das liegt aber nicht überall an.  © Archivfoto: Norbert Millauer

Die Pension Irene befindet sich genau in diesem weißen Fleck. Vermieterin Irene Gülle ärgert sich darüber, dass es innerhalb von Gohrisch nun so gravierende Unterschiede beim Thema Internet gibt. Sie denkt dabei nicht nur an die Touristen, sondern auch an andere Unternehmer. „Unser Engagement für die Gemeinde wird leider nicht wahrgenommen“, sagt sie. Dabei habe sie als Vermieterin eine Sieben-Tage-Woche. Mit allen Risiken und auch Freuden sei ihr Job verbunden. „Wir Touristiker halten die Wirtschaft mit hoch, kämpfen im Winter selbst ums Überleben und werden bei so einem Thema vergessen“, kritisiert Irene Gülle. Das Gleiche gelte für die Jugend im Ort. Für die nachwachsende Generation sei das schnelle Internet, die Verbindung in soziale Medien unerlässlich. Wenn das ein Ort nicht leisten könne, wandere die Jugend ab, befürchtet Irene Gülle.

„Für die Einwohner ist die Situation frustrierend“, weiß Gemeinderat Enrico Blechschmidt. Wenn es gut läuft, liegen in den weißen Flecken Datenraten von gerade einmal einem Megabit an. Eine Situation, die unhaltbar sei.

Gohrisch bemüht sich deshalb nun, auch diese Versorgungslücken zu schließen. Der Gemeinderat hat in einer seiner vergangenen Sitzungen beschlossen, den Breitbandausbau für die bisher unerschlossenen Gebiete dem Landkreis zu übertragen. Um den Netzausbau mithilfe von Fördermitteln komplettieren zu können, schließt sich Gohrisch mit Königstein, Rosenthal-Bielatal und Struppen zusammen. Als sogenanntes Cluster haben die Gemeinden im Verbund größere Chancen, einen Anbieter zu finden, der den Breitbandausbau realisieren will. Der Kreis wird dafür beim Bund einen Fördermittelantrag stellen. Wie lange es dauern wird, bis das schnelle Internet auch bei der Pension Irene anliegt, ist allerdings noch offen.

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