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Schock nach Titel-Glück

Die Kugelstoß-Europameisterin Christina Schwanitz ist auf dem Weg zu einem Auftritt im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF mit dem Auto verunglückt.

© dpa

Von Andreas Schirmer und Ralf Jarkowski

Nürnberg. Die EM-Topfavoritin Christina Schwanitz hat doppeltes Glück gehabt. Nach ihrem sechsten Titelgewinn im Kugelstoßen bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg überstand sie auf der Fahrt zu einem Auftritt im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF am Samstag einen Auffahrunfall mit dem Auto relativ unbeschadet. „Das war für uns alle ein Schock“, sagte Idriss Gonschinska, Leistungssportchef des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, am Sonntag.

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Die 32 Jahre alte Sächsin war nach dem Unfall in ein Krankenhaus gebracht worden, konnte es aber wieder verlassen und nach Hause zurückkehren. Sie müsse wohl „einen Schutzengel“ gehabt haben, ließ Schwanitz ohne weitere Ausführungen des Geschehens verlauten. Der DLV will aber auf Nummer sicher gehen und sie medizinisch gründlich checken lassen. „Wir haben Maßnahmen eingeleitet, dass sie am Montag von Verbandsärzten untersucht wird“, erklärte Gonschinska.

Ein Jahr nach der Geburt ihrer Zwillinge hatte sie nicht nur am Freitag ihre Titel-Serie fortgesetzt, sondern mit der Siegerweite von 20,06 Meter ihr Comeback in der absoluten Weltspitze gegeben. „Dass es bei der deutschen Meisterschaft so gut gelaufen ist, macht mich stolz“, sagte Schwanitz „mega-happy“. Mehr als glücklich konnte sie sein, bei dem Unfall zwischen Chemnitz und Mainz offenbar mit dem Schrecken davongekommen zu sein.

„Es geht ihr besser, sie ist wieder zu Hause“, sagte ihr Trainer Sven Lang nach einem Telefonat mit seiner Musterschülerin. Ob die Beiden am Dienstag wie geplant in das olympische Zentrum nach Kienbaum reisen werden, um die finale Vorbereitung auf die Europameisterschaft zu absolvieren, wusste er nicht: „Das steht in den Sternen.“

Schwanitz ist einer der ganz großen Trümpfe des DLV bei der Heim-EM in zwei Wochen in Berlin. „Zwanzig Meter im Frauenbereich zu stoßen, da muss schon vieles passen. Kein schlechter Stoß“, sagte Lang. Immerhin ist die Ausnahmeathletin mit den 20,06 Metern die Nummer eins in Europa und Zweite in der Weltbestenliste. Ist sie damit direkt auf dem Weg zum bisher unerreichten goldenen EM-Hattrick im Kugelstoßen der Frauen? „Wir halten den Ball flach. Wenn es klappt, kann man sich umso mehr freuen“, sagte die „Sportlerin des Jahres“ von 2015, nach dem glänzenden Auftritt in Nürnberg. „Mein Wunsch ist es aber schon.“

Ein halbes Jahr nach der Geburt der Zwillinge hatte die Athletin des LV 90 Erzgebirge das Training aufgenommen, nicht ohne Tiefs und Qualen ihren Körper wieder auf Weltniveau getrimmt - und 23 Kilogramm abtrainiert. „Ich hatte einen Körperumfang von 1,40 Meter. Als ich Bilder von mir sah, habe ich gedacht: Ich passe doch gar nicht mehr durch die Tür“, erzählte die sächsische Frohnatur. Dabei habe sie sich in der Schwangerschaft schon mit „der Fresserei“ zurückgehalten, weil sie familiär bedingt die Anlage habe, „Essen in Hüftgold umzuwandeln“.

Die überflüssigen Pfunde wieder runter zu bekommen, war das kleinste Problem bei ihrem Start zum Comeback. „Ich war die ersten drei, vier Monate klinisch einfach nur tot“, beschrieb die Ex-Weltmeisterin ihren anfänglichen Zustand nach der Trainingsfron im Kraftraum. Hinzu kamen die Versorgung der Kinder, der Haushalt und das Kümmern um ihren Mann. „Da gab es Momente, in denen ich mich gefragt habe, warum ich es mir antue“, gab Schwanitz zu. „Doch dann bin ich ins Kinderzimmer gegangen und habe mir gesagt: Dafür!“ (dpa)