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Schöffin mit Alkoholproblem

Das mehrfache Fehlen einer Laienrichterin gefährdet einen Prozess am Landgericht Dresden. Die Verteidiger halten das Gericht für befangen.

© dpa

Von Alexander Schneider

Enrico B. (44), Angelo D. (44) und Thomas W. (38) stehen bereits seit März unter anderem wegen Handels mit Drogen und erpresserischem Menschenraubes vor dem Landgericht Dresden. 600 Gramm Crystal sollen sie im Mai 2017 aus Tschechien besorgt und im Juli einen Geschädigten, mit dem sie Geschäfte gemacht hatten, in ihre Gewalt gebracht und vermöbelt haben. Dabei nahmen sie ihm laut Anklage eine Uhr, ein Handy und einen Computer ab.

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So weit, so schlecht. Das Verfahren zieht sich in die Länge. Nun wurde einer der Gründe dafür bekannt. Eine Schöffin der Strafkammer ist alkoholkrank. Daher seien bereits mehrere Sitzungstage geplatzt. Schon Ende März hatte die Laienrichterin mehrere Tage gefehlt. Dann wieder am Montag, dem 11. Juni. Als die Frau zum nächsten Sitzungstag, Freitag, 15. Juni, vor 8 Uhr ins Gericht kam, brach sie noch an der Pforte zusammen. Die Frau war erheblich alkoholisiert. Ein Notarzt wurde alarmiert, dann kam die Patientin wieder in eine Klinik.

Seit jenem Tag steht die Kammer unter zusätzlichem Druck. Verteidiger Rolf Zukowski hatte zunächst die Ablehnung der Schöffin beantragt. Als eine von zwei Laienrichtern sei die Frau den beiden Berufsrichtern gleichgestellt – aber nicht in der Lage, dem Prozess mit der nötigen Aufmerksamkeit zu folgen, fürchtete der Anwalt. Schon Ende März sei sie mehrere Tage wegen ihrer Alkoholkrankheit stationär behandelt worden. Bei ihrem Zusammenbruch im Juni soll sie laut einem Arztbericht zwei Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Ein Gutachter habe gesagt, die Patientin benötige „mehrere Tage“, um völlig auszunüchtern. Da das Gericht jedoch am 18. Juni wieder verhandelte, dem letztmöglichen Tag, um das Verfahren zu retten, seien gerade 78 Stunden verstrichen.

Die Kammer sah das anders. Der Antrag wurde abgelehnt. Zukowski stellte anschließend auch einen Befangenheitsantrag gegen die ablehnenden Richter. Doch auch dieser wurde abgelehnt.

Als der Prozess am Donnerstagmorgen fortgesetzt wurde, fragte zunächst Zukowskis Angeklagter Enrico D., ob die Schöffin denn heute einen Alkohol-Test gemacht habe. Der Vorsitzende Richter verneinte das. Die Schöffin, versicherte er, habe seit Mitte Juni keinen Alkohol mehr angerührt. Der Prozess wird fortgesetzt.