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Schön gebaut

© Arvid Müller

Unterschiedlicher hätten die Gewinner beim Radebeuler Bauherrenpreis kaum sein können.

Von Beate Erler

Radebeul. Ein Verwaltungsgebäude, eine Villa aus dem 19. Jahrhundert, ein sehr modernes Einfamilienhaus, ein öffentlicher Platz und eine Weinstube. So sehen die Sieger aus, die am Freitagabend mit dem 17. Radebeuler Bauherrenpreis ausgezeichnet worden. Austragungsort des Wettbewerbes um die schönsten Häuser der Stadt, war die Sparkassenfiliale Kötzschenbroda. Dort konnten die Radebeuler bis kurz vor der Preisverleihung ihre Stimmen für den Publikumspreis abgeben.

Radebeuler Bauherrenpreis

Augustusweg 44: Die alte Villa aus dem 19. Jahrhundert ging zum zweiten Mal ins Rennen.
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Das haben auch viele gemacht, schließlich sind es die Bürger, die inmitten der Architektur leben. Bis zuletzt mussten die Stimmen ausgezählt werden. Es gab eine hohe Beteiligung, sagt Jens Baumann, Vorsitzender des Vereins für Denkmalpflege und neues Bauen Radebeul. Seit 1997 ruft der Verein den Wettbewerb aus – damals noch im Jahresrhythmus, mittlerweile im Dreijahresabstand. Mit über 200 Einreichungen in der Stimmzettelkiste haben sich so viele Radebeuler dafür interessiert wie noch nie, heißt es zu Beginn des Abends.

Doch die Gewinner werden erst später bekannt gegeben. Bis dahin ist noch viel Zeit, um über das oft angespannte Verhältnis der Anwohner zu neuen Häusern in ihrer Umgebung zu sprechen und zu witzeln. Baubürgermeister Jörg Müller beginnt seine Rede mit den immer wiederkehrenden Diskussionen um angebliche Bausünden.

„Schon immer waren Neubauten starken Anfeindungen ausgesetzt“, sagt er und geht für den Beweis bis ins 19. Jahrhundert zurück. „Sogar die Villen der Gebrüder Ziller wurden damals als Bausünden bezeichnet.“ Heute Abend, ergänzt er, wird ebenfalls ein Gebäude ausgezeichnet, das diesen schlechten Ruf innehatte. „Eine preisgekrönte Bausünde?“, fragt Jörg Müller in die Runde. Das sei eben das Los der Neubauten.

In vier Sitzungen hat die Jury um ihre Entscheidungen gerungen, sagt Jens Baumann. Der Chef des Vereins für Denkmalpflege und neues Bauen gibt dann auch die Gewinner bekannt. Der Bauherrenpreis ist Anerkennung für herausragende, aber auch ortstypische Baugestaltung. Diesmal wurden 20 Vorschläge eingereicht, am Ende waren es nur fünf Preisträger. Jury und Publikum hatten zweimal für die gleichen Favoriten gestimmt.

Die LTB Leitungsbau GmbH mit dem Fabrikbau auf der Friedrich-List-Straße 27 und der Robert-Werner-Platz der Stadt Radebeul wurden somit gleich zweimal ausgezeichnet. „Der Begriff Zweckbau dient hier nicht länger als Entschuldigung für schlechte Architektur“, sagte Jurymitglied und Schriftsteller, Thomas Gerlach, in seiner Rede. Der Fabrikbau wende seine beste Seite der Öffentlichkeit zu, Werkstattgebäude und Lagerhallen seien dahinter versteckt. Heutzutage sei es ungewöhnlich, dass eben nicht nur reine Zweckbauten errichtet würden.

Der dritte Publikumspreis ging unter tosendem Applaus an die Weinstube Altnaundorf 21. Das alte Fachwerkhaus mit seinen Wandmalereien aus dem 19. Jahrhundert ist erst im letzten Jahr saniert worden. Die beiden übrigen grün-roten Plaketten nahmen die Bauherren der Villa Sommer auf dem Augustusweg 44 und des neugebauten Einfamilienhauses auf der Thomas-Mann-Straße 17 entgegen. In drei Jahren wird der Bauherrenpreis erneut verliehen. „Er ist die Messlatte für neue Bauten in Radebeul“, sagt Jens Baumann.