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Weihnachten

Schöner schenken - Tipps unserer Redakteure

Womit mache ich meinen Lieben Weihnachtsfreuden? Persönliche Tipps von SZ-Redakteuren.

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Karsten Blüthgen

Neulich kaufte ich auf dem Adventsmarkt eine polnische Platte mit Weihnachtsliedern, die für einen Euro verspottet wurde und kaum knackst. Wunderbar beseelte, wärmende Melodien, die Hülle ziert eine Widmung in Landessprache. Wieder fragte ich mich: Kann Musik aus dem Netz so sinnlich sein? Können Musikdateien, die sich neben unendlich vielen anderen auf Festplatten und Flashspeichern ungreifbar verlieren, Geschichten erzählen? Gut, dass es noch CDs gibt. Und wieder mehr Vinyl.

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Stressfaktor schenken

Weihnachtsgaben sollten selbstlos sein. Doch viele, die selber gern schenken, erwarten auch selbst beschenkt zu werden. Darf man das?

© Montage: SZ-Bildstelle

Für die Ohren

Das Ensemble Sjaella bietet mit seinem neuen Album einen besonderen Ohrenschmaus. „Meridiane Nord“ (Raumklang) entführt in die karge Schönheit nordischer Volksmusik. Feinnervig gesetzt, bestechend intoniert. Die sechs Leipzigerinnen machen mit ihren kristallklaren Stimmen Appetit auf weitere Folgen ihrer Meridiane-Reihe.

Für die Augen

Claude Debussy gilt als Inbegriff des musikalischen Impressionismus. Das Label Harmonia Mundi ehrt den Komponisten zum 100. Todestag mit einer exquisiten Reihe. Ob Sonaten (Isabelle Faust), Lieder (Sophie Karthäuser) oder Verwandlungen in Jazz – innerlich entstehen betörende Bilder.

Für den Kopf

Ein anderer Franzose, Olivier Messiaen, zählt zu den singulären Denkern des letzten Jahrhunderts. Unverwechselbar seine Handschrift trägt „La Nativité du Seigneur“. Richard Gowers, Absolvent des King’s College, spielt diese Meditationen für Orgel über das Weihnachtswunder bravourös.

Fürs Herz

Die israelische Pianistin und Cembalistin Tamar Halperin und Countertenor Andreas Scholl aus dem Rheingau sind nicht nur als Künstler ein Paar. „The Family Songbook“ (Berlin Classics) dokumentiert das Treffen zweier musikalischer Familien hinreißend. Weisen des Mittleren Ostens begegnen westlichen Kinder- und Wiegenliedern. Ein so inniges wie versöhnliches Album!

Fürs Rückgrat

Haltung und Verantwortung, Stärke und Präzision – dies und mehr umschließt Steve Reichs Minimal-Komposition „Drumming“. Erst recht, wenn man alle Parts nacheinander selbst stemmt, wie es die japanische Schlagzeugerin Kuniko auf fast übermenschliche Art schafft (Linn Records).

Sarah Alberti

Wenn ich das Jahr über auf Reisen etwas sehe, das einem meiner Lebensmenschen gefallen könnte, kommt es direkt in die Geschenkekiste. Denn mit Geschenken ist es wie mit einer passenden Jeans: Man findet sie nie, wenn man sie sucht. Im Advent erspare ich mir überfüllte Innenstädte und Verzweiflungsbestellungen und backe nur noch Plätzchen.

© Montage: SZ-Bildstelle

Für die Ohren

Mein Vater liebt es rockig. Auf dem Flohmarkt fand ich im Oktober eine alte Schallplatte (ausgerechnet: Weihnachten in Familie). Ein schlichtes Uhrwerk durch das Loch montiert, und schon verrät sie ihm künftig, wann die Feiertage geschafft sind. Dazu gibt es eine selbst zusammengestellte CD alternativer Weihnachtslieder.

Für die Augen

Altersunabhängiges Spezial-Lego bekommen mein bester Freund und seine Tochter: Die LED-Bausteine leuchten dank einer Energie liefernden Platte und sind mit normalen Steinen kombinierbar. Eine helle Freude! (Light Stax S-12011 Set)

Für den Kopf

Im Museumsshop des Goethehauses in Weimar wurde ich generationsübergreifend fündig: Mein Cousin, seit diesem Jahr auf dem Gymnasium, bekommt die Graphic Novel „Goethe. Zum Sehen geboren“, unser über 80-jähriger Opa den Spiegel-Bestseller „Als Deutschland noch nicht Deutschland war. Reise in die Goethezeit“. Für beide gibt es dazu einen Radiergummi in Form des Goethe-Nischels.

Fürs Herz

Der Kinofilm „Astrid“ zeigte mir und meiner besten Freundin beim verfrühten Weihnachtskinobesuch eine wenig bekannte Seite der Mutter von Pippi, Madita und Michel: Nach einer ungewollten Schwangerschaft gab Astrid Lindgren ihren Sohn zu einer Pflegefamilie und holte ihn erst später zu sich. Oscarreif! Gedreht wurde in Altenburg, die DVD gibt’s ab Mai.

Fürs Rückgrat

Sprache hat Macht, schafft Realität. Ich verdiene mit ihr meine Miete. Mit großem Gewinn habe ich „Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“ gelesen. Elisabeth Wehling fragt, warum wir von Steuerlast, nicht etwa von Steuerfreude sprechen. Ich hoffe, mein Bürokollege nimmt nach der Lektüre ebenso viele Impulse mit in seinen Arbeitsalltag.

Andrea Schawe

Jedes Jahr das gleiche Spiel: Mist, schon Dezember, und ich habe immer noch keine Geschenke. Zumindest nicht für alle. Ein paar sammele ich schon das ganze Jahr über: Immer, wenn Freunde einen Wunsch äußern, wird das notiert. Diese Liste ist am Ende des Jahres Gold wert. Bei allen anderen hilft: einfach mal fragen. Es kann ja sein, dass zufällig das Parfüm alle ist.

© Montage: SZ-Bildstelle

Für die Ohren

Konzertkarten stehen auf meiner Geschenkeliste ganz oben. An Angeboten mangelt es wahrlich nicht: Herbert Grönemeyer (ab 62 Euro) und Katie Melua (ab 51 Euro) in Dresden, David Garrett in Leipzig (ab 54 Euro), Pink und Cher gehen auch auf Tour und spielen in Berlin. Ruhig auch mal jemanden zu einer Band mitnehmen, die er oder sie noch nicht kennt. Das erledigt die Frage nach der Begleitung und weitet den Horizont. Klarer Vorteil bei Konzerten: Genauer Termin heißt feste Verabredung.

Für die Augen

Anfang des Jahres laufen die Oscar-Anwärter auch bei uns im Kino – etwa „Beautiful Boy“ mit dem wunderbaren Timothée Chalamet. Besorgen Sie doch einen Gutschein für zwei Karten und übernehmen an dem Abend auch die Kinderbetreuung.

Für den Kopf

Ich verschenke meine Lieblingsbücher einfach weiter. Für Fantasy-Fans gibt es „Die Flüsse von London“ von Ben Aaronovitch (dtv, 10,95 Euro). Band 7 der Reihe mit dem Polizisten und Zauberer Peter Grant ist gerade erschienen. Für Freunde des Kriminalromanes empfehle ich Volker Kutschers „Der nasse Fisch“ (Kiepenheuer & Witsch, 12 Euro) und die Fortsetzungen – die Vorlage für die Erfolgsserie „Babylon Berlin“.

Fürs Herz

Nichts ist besser fürs Wohlbefinden als gemeinsame Zeit: ein Abendessen in einem guten Restaurant, ein Wellness-Ausflug mit der besten Freundin. Tipp: Immer schon reservieren und Termin machen. Dann kann man sich drauf freuen.

Fürs Rückgrat

Klagen Freunde und Verwandte wieder über Stress, Erschöpfung, Melancholie? Ein 90-Minuten-Kurs in einem Yoga-Studio kostet etwa 15 Euro, die Probestunde ist meist kostenlos. Ist nicht nur gut für den Rücken, sondern auch für die Seele. Zur Ruhe kommen, durchatmen, sich etwas Gutes tun.

Maik Schwert

Alle Jahre wieder die gleiche Frage und jedes Mal die Suche nach anderen Antworten, neuen Ideen, etwas Überraschendem: eine Mütze, um im Winter gut behütet zu sein, Ohrringe, mit denen frau Anhang sucht, alle anderen abhängt oder gern mal dick aufträgt, eine Sonnenbrille, denn der nächste Sommer kommt bestimmt …

© Montage: SZ_Bildstelle

Für die Ohren

Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist. Ich mag Musik vor allem live. Da gibt es 2019 wieder einiges und jetzt schon Karten. Für LaBrassBanda muss man 37 Euro hinblättern und etwas weiter reisen. Doch es lohnt sich – habe ich gehört. Die Blaskapelle aus Übersee (in Bayern wohlgemerkt) spielt neue Volksmusik, die in die Beine geht.

Für die Augen

Dank meiner Frau hängt bald ein gerahmtes Stück Ostsee an der Wand – ein Bild von Katrin Marnitz. Sie betreibt das „Meer Zeit“ auf der Insel Poel, ein Bed & Breakfast mit Zimmern ohne Fernseher, dafür mit gemeinsamem Frühstückstisch, an dem ihre Gäste ins Gespräch kommen. Das Gemälde erinnert an entspannte Tage am Wasser.

Für den Kopf

Jeder hat seinen eigenen Kopf, mit dem er auch mal durch die Wand will. Fürs Haupt gibt es Kopfkrauler ab einem Euro. Sie sehen aus wie Schneebesen und helfen uns, lieb zum Schädel zu sein. Damit kann sich jeder den Kopf massieren – oder es jemanden machen lassen. Letzteres ist angenehmer und löst Gänsehautmomente aus.

Fürs Herz

Sport ist gut fürs Herz, also regelmäßige, einfache Ausdauersportarten wie Radfahren oder Nordic Walking, keine Extremsportarten wie Marathonlaufen. Schreibt einer, der das macht. Bei längeren Touren auf zwei Reifen eignen sich Gepäckträgertaschen (ab neun Euro) und fürs flotte Gehen entsprechende Stöcke (ab sechs Euro).

Fürs Rückgrat

Unser Sohn braucht einen neuen Rucksack. Also bekommt er einen, mit dem er aufrecht durchs Leben gehen kann. Ich kenne mich seit diesem Jahr damit aus und weiß nach gut zwei Wochen Pilgern über mehr als 300 Kilometer auf der Via Francigena durch die Toskana, wie wichtig es ist, die Last auf die Hüften und Schultern zu verteilen, um den Rücken zu entlasten.

Dominique Bielmeier

Eigentlich soll man genau das ja nicht tun: schenken, was man selbst gerne hätte. Weil mir das aber schwerfällt, will ich heute mal eine Lanze dafür brechen. Schenkt einfach, was euch selbst gefällt – oder begeistert hat! Worüber soll man denn reden, wenn man nicht die gleichen Bücher gelesen, dieselbe Musik gehört hat?

© Montage: SZ-Bildstelle

Für die Ohren

Akustisch gesehen ist die Weihnachtszeit schon eine Herausforderung: Links dudelt das Radio „Last Christmas“, rechts hält die Oma mit „Oh Tannenbaum“ dagegen. An der Frage, ob zum Fest gediegen auf Deutsch oder eher poppig auf Englisch gesungen werden sollte, scheiden sich die Geister. Zum Glück gibt es einen Kompromiss. „Das Weihnachtsalbum – Neue Lieblingslieder“ von den Dresdner Künstlern Enna Miau und Ludwig Schmutzler vereint weihnachtliche Popmusik mit deutschen Texten und tut sogar noch Gutes: Ein Teil des Erlöses geht an die Krisenintervention und Notfallseelsorge Dresden e. V. sowie den Verein Animal Equality.

Reinhören: weihnachtsalbum.com

Für die Augen

Eine Jahreskarte für die Staatlichen Kunstsammlungen kostet gerade einmal 50 Euro (entspricht 3,5 Eintritten in den Zwinger) und schenkt 365 Tage Freiheit für spontanen Kunstgenuss vor der Haustür. Hilft auch gegen kulturelle Betriebsblindheit.

Für den Kopf

Existenzialismus, ist das nicht das, wo alle rauchend und in Rollkragenpullis im Café sitzen? Fast. Sarah Bakewell lässt in „Das Café der Existenzialisten“ die wichtigsten (Vor-)Denker dieser Philosophie lebendig werden. Ein Sachbuch wie ein schillernder Roman (C. H. Beck, 24,95 Euro).

Fürs Herz

Was könnte tiefer ins Herz dringen als Lyrik? Noch dazu, wenn sie durch das Ohr kommt: Die „Poets’ Collection“ versammelt auf 13 CDs Gedichte von 94 englischsprachigen Lyrikerinnen und Lyrikern – im Originalton und deutscher Übersetzung. Darunter sind Schätze wie die Stimme von Walt Whitman, der vor über 120 Jahren sein Gedicht „America“ in das Aufnahmegerät von Thomas Edison sprach. Preise (zwischen 70 und 99 Euro) vergleichen!

Fürs Rückgrat

Über’s Jahr sammeln sich mitunter einige emotionale Altlasten an: Menschen, denen man vergessen hat, Danke zu sagen, andere, bei denen man sich schon längst hatte melden oder auch entschuldigen wollen. Greifen Sie zum Stift und schreiben, ganz altmodisch, was noch zu sagen ist, vielleicht schon seit Jahren. So gehen Sie selbst mit leichterem Gewissen in ein neues Jahr.

Karin Großmann

Nach den alten Bauernregeln sind Messer und Schere als Geschenk tabu, weil sie die Liebe zerschnippeln. Schuhe zertrampeln die Liebe, eine Anstecknadel zerpikst sie, und ein Kaktus macht sich selber unmöglich. Bloß gut, dass Rotwein den alten Bauern unverdächtig ist. Lässt sich auch leichter verpacken als Kakteen.

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Für die Augen

Torben Kuhlmanns Buch „Edison“. Das schenken wir nicht unseren Kindern, das behalten wir selbst (NordSüdverlag, 22 Euro). Denn so fein gemalte, verständige, tollkühne Mäuse sind selten. Sie bauen sich ein Unterseeboot, holen einen Schatz vom Meeresgrund, und fliegen können sie auch, nämlich in Kuhlmanns Buch „Lindbergh“. Es ist nicht alles alternativlos.

Für die Ohren

Karten für die Kammerkonzerte der Staatskapelle. Wo sonst spielen alle 14 Cellisten dieses Orchesters mal zusammen?! Für den Abend erhalten die Musiker nur ein sogenanntes Frackgeld. Das erklärt den Kartenpreis von 10 Euro. Wir reden ja hier nicht über Geld, aber das ist wirklich geschenkt.

Für den Kopf

Martin Walsers Interviews aus fast 40 Jahren: „Ich würde heute ungern sterben“ (Rowohlt, 20 Euro). Wer wissen will, was den Schriftsteller zur Spielbank trieb, warum er 70 Bände Karl May las und weshalb Leipzig das beste Publikum für Literatur hat, ist dort richtig. Selbstverständlich pflügt Walser in den Interviews auch kreuz und quer durch die verminten deutschen Politikfelder. Anders als ein alter Bauer ist er an mittelgroßen Explosionen interessiert.

Fürs Herz

Wanderung von Bad Gottleuba zur Grenzplatte und zurück mit Suppenrast an der Ottomühle. Am besten, wenn die Zitronenfalter wach werden nach dem Winter. Wie sie zusammen hübsch durch den Wald gaukeln, lässt mieses Wetter, Demokratiedefizite und die unerfüllten Vorsätze des letzten Jahres vergessen. Und die gute Aussicht hält hier, was sie verspricht.

Fürs Rückgrat

Spaziergang mit dem Kunstverein Hoyerswerda durch die Stadt auf den Spuren von Brigitte Reimann. Dabei lernt man nicht nur eine DDR-Schriftstellerin kennen, die unbeeindruckt von Moden und Meinungen ihrs dachte – sondern auch Vereinsleute, für die dasselbe gilt. Sie organisieren ein großartiges Programm.

Katrin Saft

Jedes Jahr versprechen sich meine Lieben, sich nichts zu schenken. Immer dieser Konsumterror, ist ja voll doof. Und dann stehen sie am Heiligabend doch mit einem Päckchen da: „Ach, nur eine Kleinigkeit!“ Ist aber auch doof – für diejenigen, die sich an die Abmachung gehalten haben. Deshalb läuft es jetzt anders: Reihum wird einmal im Jahr ein gemeinsames Familienwochenende irgendwo im schönen Deutschland organisiert. Wir schenken uns Zeit, die sonst angeblich niemand mehr hat.

© Montage: SZ-Bildstelle

Für die Ohren

Wenn es dann doch eine „Kleinigkeit“ sein soll, empfehle ich das neue Solo-Album von Mark Knopfler „Down the Road Wher-ever“(14,99 Euro). Niemand zupft so wunderbar einfühlsam an der Gitarre. Dazu die samtige Stimme – Zeit zum Träumen. Am 5. Juli kommt der Brite nach Leipzig. Leider gibt‘s nur noch teure Restkarten.

Für die Augen

Ein Fest für die Augen sind Kostüme, Bühnenbild und Lichtdesign bei „Vivid“ – der bislang teuersten Show im Friedrichstadtpalast Berlin. Auf Travelzoo.de gibt‘s Karten für 35 statt für 54,90 Euro. Und nebenbei gleich mal wieder Hauptstadt gucken.

Für den Kopf

Sich Zeit für ein gutes Buch zu nehmen, ist angesichts multimedialer Ablenkung Luxus. Willi Hetzes Roman „Die Schwärmer“ (15 Euro) hat diese Zeit verdient. Der Dresdner Mediensoziologe entwirft ein fesselnd-verstörendes Bild von der digitalen Zukunft, in der Menschen über Funknerven Wissen, Gedanken und Gefühle teilen. Bildhafte Sprache ist das Sahnehäubchen.

Fürs Herz

Die schönsten Momente des Jahres aus dem Handy in ein Fotobuch zu überführen macht Mühe, zeugt aber von Wertschätzung. Auf Groupon Anbieter zum Schnäppchenpreis auswählen und am PC loslegen. Noch romantischer ist natürlich ein Paar-Fotoshooting – zum Beispiel bei Fotoloft Dresden, auf Groupon.de ab 14,90 Euro.

Fürs Rückgrat

Deutschland hat Rücken, weil wir uns oft zu viel aufladen – nicht nur im Job, auch in der Freizeit. Vergessen Sie Rückenbücher, üben Sie mal wieder Nichtstun. Stille tanken, sich gegenseitig zuhören, Spiele statt die perfekte Hausfrau spielen. Der Gänsebraten fix und fertig nach Hause geliefert ist für mich das wertvollste Geschenk.

Heinrich Maria Löbbers

Machen wir uns nichts vor, Schenken ist immer auch Selbstdarstellung. Klar, wir wollen den Liebsten Freude machen, aber ihnen auch etwas über uns mitteilen. Das gilt insbesondere für Kolumnen wie diese, die im Idealfall einen gewissen Gebrauchswert für den Leser haben, aber ihm auch einiges über den Autor verraten. Was das für die folgenden Tipps bedeutet, möge jeder selbst entscheiden.

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Für die Ohren

Zwei Konzerte des gleichen Künstlers in einem Jahr zu besuchen, ist Luxus. Bei Gregory Porter habe ich mir den geleistet; erst zu den Musikfestspielen in der Semperoper, dann bei den Jazztagen in einer Turnhalle. Und ich würde ein drittes Mal gehen. Jetzt hat der geniale Jazzsänger, der stets Mütze trägt, ein Konzert als Album veröffentlicht: „One Night only. Live at the Royal Albert Hall“ (Universal, 19,90 Euro), mit vielen Songs von Nat King Cole. Ein Ohrenschmaus, auch wenn’s etwas schnulzig ist.

Für die Augen

Soeben ist die dritte „Stadtluft Dresden“ erschienen (12,95 €). Es ist Tradition, dass ich das schick gestaltete Magazin zum Schauen, Schmökern und Verschenken empfehle. Tolle Texte, Fotos und Illustrationen aus der Stadt, wo, wie Durs Grünbein schreibt, Mücken zu Elefanten gemacht werden.

Für den Kopf

Immer wieder gern verschenke ich auch die Krimis von Frank Goldammer. Der Dresdner Autor, nebenbei noch Malermeister, hat’s verdient. Noch vor Weihnachten erscheint mit „Der rote Rabe“ (dtv, 15,90 €) der neue, vierte Fall für Kommissar Max Heller im Nachkriegs-Dresden, diesmal im Jahr 1951. Nicht eben weihnachtlich, aber packend und mit viel Lokalkolorit.

Fürs Herz

Ein Schlückchen Wein dann und wann, heißt es, sei gar nicht so schlecht fürs Herz. Aber wenn schon Wein verschenken, dann einen, zu dem man eine Geschichte erzählen kann. Wie zum Roten Riesling vom Weingut Wolkenberg (15 €), angebaut im ehemaligen Tagebau der Niederlausitz. Das richtige Tröpfchen zum Kohleausstieg.

Fürs Rückgrat

Von Oma gab’s immer Orangen zum Fest. Für Fruchtgenuss mit gutem Gewissen kann man für 80 € im Jahr auf spanischen Crowdfarming-Plantagen Orangenbäume adoptieren (naranjasdelcarmen.com). Dafür gibt’s per Post baumgereifte Bio-Orangen nach Hause (Portokosten!). 80 Kilo im Jahr. Zu viel? Es gibt auch halbe Bäume.

Andy Dallmann

Manche Wünsche sollte man ignorieren – zu praktisch, zu alltäglich, zu naheliegend. Der Clou eines Geschenks ist doch sein Überraschungswert, der in keinerlei Beziehung zu den Kosten steht. Der Haken: So etwas angelt man nicht spontan, daher ist ein gewisser zeitlicher Vorlauf nötig. Als Lohn für den Aufwand beschert mir dann aber die Bescherung stets ein paar spannende Momente: Freut sich der Beschenkte genauso wie ich mich bei der Entdeckung des jeweiligen Objekts?

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Für die Ohren

Manchmal muss ich anderen unter die Arme greifen, wenn es um Geschenke für mich geht. Wie sollte meine Mutter auch auf die Idee kommen, ich könnte ein Kassettendeck gebrauchen? Das wusste ich vergangene Woche selbst noch nicht. Beim Umräumen fiel mir ein Demo-Tape der Band in die Finger, deren Manager ich Ende der 80er-Jahre sein durfte (weil meine Freundin die Sängerin war). Und jetzt will ich das Band unbedingt hören. Überhaupt erlebt ja nach dem Vinyl auch das Tape eine bescheidene Renaissance. Nagelneue Kassettendecks kosten ein paar Hundert Euro. Die Spende meiner Mutter wird mindestens für ein gutes gebrauchtes reichen. Da rollt ein Fest der Nostalgie auf mich zu.

Für die Augen

Ganz und gar nicht nostalgisch wird hingegen die Show, die Rammstein nächsten Sommer ins Dresdner Stadion stellt. Hier und fast überall längst ausverkauft, gibt es fürs Konzert im polnischen Chorzów noch Tickets. Erst Schlesien bestaunen und sich dann vom Band-Feuerwerk blenden lassen – eine ganz spezielle Kombination für einen Ausflug zu zweit.

Für den Kopf

André Herzberg, Frontmann von Pankow, setzt sich in seinem Buch „Was aus uns geworden ist“ (Ullstein, 22 Euro) damit auseinander, wie Menschen in der DDR ihr Jüdischsein verbargen und verdrängten. Er schreibt aus eigener Erfahrung, was zweifach packt. Nichts für nebenbei.

Fürs Herz

In Litauen heißt er Krupnikas, in Polen Krupnik, dieser herrliche Honigschnaps, der für alles gut ist, also auch fürs Herz, das schon beim ersten Schluck kleine Hüpfer macht. Gibt es leider nicht im Laden, aber bei diversen Online-Händlern.

Fürs Rückgrat

Die Socken aus Yak-Wolle waren ein Zufallsfund auf einem russischen Markt und gehören bald dem Filius. Der Selbsttest ergab: Mehr Wärme war noch nie am Fuß. Das wohlige Dahin-Schweben entlastet sicher auch den Rücken. Irgendwie.

Marcus Thielking

Vor einigen Jahren hat der geschätzte Kollege W. aus der Wirtschaftsredaktion ein Buch zur Finanzkrise als SZ-Geschenketipp empfohlen. Bei aller Liebe: An diesem Tag habe ich mir geschworen, nur noch Sachen zu verschenken, die glücklich machen. Es ist doch Weihnachten!

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Für die Ohren

Zugegeben, mein erster Tipp ist nicht billig. Aber wenn ich höre, was andere Leute für Smartphones ausgeben, ist das hier ein Witz: Zum 333. Geburtstag von Johann Sebastian Bach gibt es in diesem Jahr die ultimative Mega-Box mit 222 CDs, darauf insgesamt 280 Stunden himmlische Musik. „Bach 333 – die neue Gesamtausgabe“ (Deutsche Grammophon) kostet im Handel circa 425 Euro – halb so viel wie ein iPhone.

Für die Augen

Wandkalender, so heißt es, sind was für Spießer. Mal davon abgesehen, dass solche Pauschalurteile selbst total spießig sind, gibt es auch Kalender ohne Blumenmotive. Zum Beispiel mit den Karikaturen des Duos Katz & Goldt (Spiralbindung, 23,90 Euro). Das Titelblatt zeigt zwei Skelette, die mit Sekt anstoßen. Ein gutes Motto für 2019.

Für den Kopf

Die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge lösen sich derzeit in Staub auf. Einer, der daraus eine Kunst gemacht hat, war Karl May. Aus dessen Geschichte als Hochstapler und Fantast hat der Autor Philipp Schwenke einen unterhaltsamen Roman gemacht: „Das Flimmern der Wahrheit über der Wüste“ (Kiepenheuer & Witsch, 23 Euro). Dabei spielt er so witzig mit Fakten und Fiktion, dass man als Leser am Ende kaum weiß, wo einem der Kopf steht.

Fürs Herz

Wahre Fans wissen, dass der Komiker Heinz Erhardt auch ein begabter Musiker war. Er studierte Klavier und Komposition in Leipzig. Die NDR Bigband hat mit Prominenten wie Axel Prahl, Tom Gaebel und Wotan Wilke Möhring einige seiner Songs eingespielt: „Heinz Erhardt. Seine Musik“ (Argon Hörbuch). Eine Stunde gute Laune.

Fürs Rückgrat

Vor 100 Jahren wurde Rosa Luxemburg von nationalistischen Gegnern der Novemberrevolution ermordet. Zum Todestag gibt’s im Reclam-Verlag ein Büchlein mit Aufsätzen und Reden: „Friedensutopien und Hundepolitik“ (6 Euro). Luxemburg hatte etwas, was nicht allen Revolutionären und Sozialisten vergönnt ist: eine beglückend schöne Sprache.

Bettina Ruczynski

Seit Jahren denke ich, dass wir uns zu Weihnachten nichts schenken sollten, Kinder natürlich ausgenommen. Wir Erwachsenen haben viel zu viel Kram in den Schränken, Bücher und Musik natürlich ausgenommen. Dann blieben uns auch diese grässlichen nachfestlichen Umtausch-Orgien erspart. Aber wenn ich denn etwas schenken würde, dann das:

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Für die Ohren

Die Jungs um Marcus Mumford ließen vor neun Jahren mit ihrer genialen ersten Platte „Sigh No More“ aufhorchen. Ihre Karriere ging danach durch die Decke. Jetzt haben Mumford & Sons mit „Delta“ (Universal) ihre Vierte veröffentlicht. Zu unserem und ihrem Glück besinnen sich die Musiker wieder etwas mehr auf ihre Wurzeln, auf Banjo und Akustikgitarre. Herausgekommen ist Folkrock vom Feinsten.

Für die Augen

Birdwatching, Vogelbeobachtung, erfreut sich in Europa und in den USA wachsender Beliebtheit. Vogelwatcher strömen mit Kameras und Ferngläsern in entlegenste Gegenden, um seltene Vögel zu sehen. Johanna Romberg zeigt in ihrem lehrreichen und schönen, von Florian Frick edel illustrierten Buch „Federnlesen. Vom Glück, Vögel zu beobachten“ (Lübbe, 24 Euro), was direkt vor unserer Haustür tschilpt.

Für den Kopf

Christian Berkels Roman „Der Apfelbaum“ (Ullstein, 22 Euro) ist gleichermaßen Labsal für Kopf, Herz und Seele. Der Schauspieler beschreibt anhand der Geschichte seiner jüdischen Familie das Panorama eines Jahrhunderts deutscher Geschichte.

Fürs Herz

Die Journalistin Christine Westermann erzählt in „Manchmal ist es federleicht“ (Kiepenheuer & Witsch, 18 Euro) von den kleinen und großen Abschieden in ihrem Leben. Zum Beispiel von dem viel zu frühen Abschied vom Vater. Oder vom Ende der Kultserie „Zimmer frei“, jener Mischung aus Kindergeburtstag und Anarcho-Fernsehen. Ein tröstliches, heiteres Buch, das Mut macht: Keine Angst vor Veränderungen!

Fürs Rückgrat

Ja, Deutschland hat Rücken. Aber dank Dr. Müller-Wohlfahrt, auf den Spitzensportler in aller Welt schwören, wissen wir, dass es schlimmer kommen kann: Adduktorenreizung, reißende Syndesmosebändchen, lädierte Supraspinatussehne. Wie gut, dass wir Normalsterblichen nur Rücken haben. Da hilft „Mit den Händen sehen“ von Herrn Doktor (Insel, 22,95 Euro).

Bernd Klempnow

Das Raachermannel nabelt und die Lichterengel glänzen – Zeit, um vom ganzjährigen Besorgungsmodus zum Geschenke-Endspurt umzuschalten.

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Für die Ohren

Benny Andersson war Hauptschreiber der Popband ABBA und hat für die Solo-CD „Piano“ (Deutsche Grammophon) seine opulenten Songs fürs Klavier fein reduziert. Evergreens wie „Thank you for the music“ entfalten so eine neue, andere Magie, weniger Populäres wie „The day before you came“ wird schnörkellos zum Ereignis.

Für die Augen

Für das Semperoper-Ballett hat David Dawson ein sinfonisches Kaleidoskop zu Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ entworfen. Er wählte dazu die 2012 elektronisch umkomponierte Fassung von Max Richter. So kann man diesem omnipräsenten Vivaldi aufregende Seiten abgewinnen, was Dawson zu suggestiven Tanzbildern inspirierte. Seine Sprache besticht mit Kraft, Schnelligkeit und androgyner Sinnlichkeit. So zaubert er mit der Company Stimmungen von großem, zeitlosem Schauwert. Wieder im Juni zu erleben – Tickets von 11 bis 62 Euro.

Für den Kopf

Um die kleinen grauen Zellen fit zu halten, kann man Sprachen pauken oder Mathe üben. Noch effektiver ist es, Tanzen zu lernen. Kaum etwas ist anspruchsvoller, als sich die Schritte einzuprägen, gleichzeitig Fuß-, Hand- und Kopfposition zu koordinieren und die Fitness zu verbessern. Und das mit einem geliebten oder geschätzten Wesen im Arm. Den Anfängerkurs mit zehn Stunden gibt es ab 95 Euro pro Person.

Fürs Herz

Von wegen hässliche Stadt: Ein Besuch von Halle an der Saale lohnt, nicht nur wegen des Komponisten Friedrich Händel und der Hallorenkugeln. Bis 6. Januar zeigt die Moritzburg als einziges Museum außerhalb Österreichs den König des Jugendstils Gustav Klimt. Mit 50 Zeichnungen und zehn Gemälden ist es die erste große Werkschau des begnadeten Künstlers in Deutschland.

Fürs Rückgrat

Es mag ja sein, dass das kreativ gestaltete, so herrlich ostisch, eben nicht lübeckmäßig schmeckende Marzipan der Konditorei Schiller in Radebeul ansetzt. Egal, der Genießer fühlt sich besser, nimmt den Alltag leichter – und übersieht vielleicht großzügig manch Schwäche des Schenkenden.


Jens-Uwe Sommerschuh

Wenn ich schenke, dann bedenke ich seltener den sachlichen Wert oder praktischen Nutzen des Präsents, sondern eher die emotionale Wirkung. Tante Elfriede aus Freital würde Weinbrandbohnen nicht als süße Anspielung auf ihre Vorliebe für Alkoholika missverstehen, sondern als Zeichen kluger Beschränkung in Kenntnis ihrer Neigungen und beengten Wohnverhältnisse zu schätzen wissen: „Nimmt unterm Boom weniger Platz weg als‘n Kasten Bockbier, ich brauch‘ hinterher kee Leergut wegschaffen, und Schokolade ist ooch noch drum. Eierlikör hab‘ch selber den ganzen Keller voll.“ Kurz: Ich versuche das Schenken persönlich zu halten.

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Für die Ohren

Onkel Alfred aus Radebeul hat alle Bach-Kantaten auf CD, außerdem die Sonaten und Partiten für Solovioline mit Isabelle Faust und die Brandenburgischen Konzerte mit der Berliner Akademie für Alte Musik. Er hört nichts anderes. Doch seit er Witwer ist, geht er stundenlang alleine in der Sächsischen Schweiz wandern. Damit die Zugfahrt nach Wehlen, Rathen oder Königstein schneller vergeht, überspiele ich ihm die komplette Sammlung aufs Handy und überlasse ihm als Dauerleihgabe meine Bose-Ohrhörer. Wenn man zu viel schenkt, fühlt sich der Beschenkte am Ende noch verpflichtet, auch was zu schenken, und das will ich nicht. Denn ich habe alles, was ich brauche. Also fast.

Für die Augen

Freund Charlie kriegt nix. Aber seiner Liebsten Camilla schenke ich die Box „Siouxsie & the Banshees live at the BBC“, die aus drei CDs und einer DVD besteht, mit der Auftritte von 1977 bis 1988 dokumentiert werden, einer Zeit, in der sich Camilla, genau wie Sängerin Siouxsie, vom schrägen Punkgirl zu einer aufrechten Frau entwickelte, die gern Schwarz trägt. Wenn Camilla sich leuchtenden Blicks die DVD reinzieht, wird Charlie, der sich aus Punk und Dark Wave nichts macht, dies zum Anlass nehmen, in die Kneipe oder zu Dynamo zu gehen, und sie wird ihn nicht abhalten. Kommt also auch ihm zugute.

Für den Kopf

Kumpel Otto, der eigentlich Gert heißt, erhält einen Zopfgummi, denn ich finde es unnötig und albern, dass er sich, nur wegen einer dünnen Stelle über der Fontanelle, ständig Glatze schert.

Fürs Herz

Oma bekommt Blumen, weil sie Weihnachten nicht dabei sein kann. Was soll ich drumrum reden: Blumen aufs Grab.

Fürs Rückgrat

Mir selbst schenke ich einen Filmabend mit „Avatar“, um nie zu vergessen, wie es aussieht, wenn mächtige Menschen aus reiner Raffgier und bodenloser Dummheit sich anschicken, einen Planeten zu verwüsten und eine Zivilisation zu vernichten.


Franziska Klemenz

Schenken ist eine heikle Mission geworden, noch mehr als früher. Es geht nicht mehr nur darum, den Geschmack zu treffen. Schenken hat ein Stück Unbeschwertheit verloren. Plastik und Versandwege schädigen die Umwelt, das wissen wir heute. Dann die vielen bedenkenswerten Probleme, die sich in Musik, Literatur, Theater spiegeln. Trotzdem soll Schenken Freude machen, Weihnachten ist die Zeit der Seligkeit. Wie viel Weltvergessenheit ist erlaubt? Ein paar Kompromissvorschläge.

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Für die Ohren

Das kleine Geräusch in der Stille betört mich immer wieder. Das Rascheln, das ein Bildband beim Blättern von sich gibt. Die Spannung vor jeder Seite. Lisa-Ann Gershwins Buch über Quallen fasziniert. 500 Millionen Jahre schweben die Meeres-Gespenster in ihren bunten Kleidern schon durch das Wasser. Die Fotos offenbaren die volle Schönheit der Gruselwesen. Und der Natur.

Für die Augen

Das gleichnamige Album von Prada Meinhoff enthält Texte über das Hadern zwischen Hedonismus, Selbst- und Menschenerkenntnis. Begeistert hat mich die Band erst nach einem Konzert, mit der Kombination aus Konfrontation und sphärischem Entgleiten. Wie eine Art Punk-Quallen.

Für den Kopf

Es könnte einfach nur eine gute Geschichte sein. Mit hübschen Bildern. Wer beobachtet Eiskunstlauf nicht gern? „I, Tonya“ bietet mehr. Der Film über die Amerikanerin, die ihre Kollegin verletzt, hinterlässt Fragen. Kann ein Rechtssystem volle Gerechtigkeit herstellen? Wie lässt sich fair über eine Frau urteilen, die als Kind verdroschen wurde? In eine verwandte, wenn auch inhaltlich völlig anders geartete Kategorie fällt der von den NSU-Morden inspirierte, unfassbar bedrückende Film „Aus dem Nichts“. Diese DVDs sind ihr Plastik wert.

Fürs Herz

Ja, es ist kitschig. Die Männer tragen viel zu enge, bunte Strumpfhosen. Gleichwohl vermag „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ es nun mal, das Weihnachtsgefühl von früher, aus der Kindheit, heraufzubeschwören. Am 26. Dezember zeigt der Kulturpalast das Märchen mit Orchestermusik.

Fürs Rückgrat

Sie wollen eine Ahnung haben, wenn Sie über Feminismus sprechen? Gut so. Dann kommen Sie um die Essay-Sammlung „The Future is female“ keinesfalls herum.


Oliver Reinhard

Ein Buch, zwei Socken, drei Flaschen Wein ... Wer mich beschenken will, hat’s leicht. Ich bin da so konventionell gestrickt wie die Winterstrümpfe, die ich jede Weihnacht von Omi bekam. Zudem können auch solche nur scheinbar einfallslosen Dinge Zuneigung und Einfallsreichtum des Schenkenden verraten. Hängt ganz von Buch, Socke und Wein ab. Mit Blick auf nichtlesende und abstinent lebende Barfußläufer hingegen empfehle ich:

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Für die Ohren

Gehobene In-Ear-Kopfhörer mit Außengeräusch-Unterdrückung. Damit lässt sich in unserer lautschnellen Zeit immer wieder herrlich abschalten und wegdriften. Ob Bartoks Streichquartette oder Deep-Drone-Ambient-Minimal-Music, ob im Sitzen oder Liegen. Zum Runterkommen gibt es nichts Besseres. Außer drei Flaschen Wein.

Für die Augen

Schlafmaske zum In-Ear-Kopfhörer: Perfektioniert das Runterkommen auch bei heller Sonneneinstrahlung. Gibt es mit nettem und bescheuertem und ganz ohne Motiv ab 2,95 Euro. Wer mag, kann für Posh-Masken aus Nerz auch 70 Euro und mehr hinlegen. Mein Tipp: Maulbeerseide (ca. 15 Euro).

Für den Kopf

Das Ende des Ersten Weltkrieges und der Versailler Vertrag haben Folgen, die bis in unsere Zeit reichen und sie immer noch beeinflussen. Niemand erzählt und analysiert das detaillierter und klüger als Jörn Leonhard im Buch „Der überforderte Frieden“ (C. H. Beck, 39,95 €). Ein Meilenstein für Checker und Mehr-checken-Woller.

Fürs Herz

Liegt es am Älterwerden? Ich vergieße in Kino, Theater, Konzertsaal neuerdings öfter Ergriffenheitstränen. Die meisten tropften 2017 bei der Hammer-Inszenierung von Korngolds „Die Tote Stadt“ in der Semperoper. Zweimal ist sie noch zu sehen: am 31. Mai und 4. Juni. Tickets ab 18 Euro. Hin!

Fürs Rückgrat

NS-Gegner, NS-Soldat, DDR-Kombinatsboss, Dichter, Anpasser, Aufmucker, Querkopf: Die großartige Biografie „Reise durch ein tragikomisches Jahrhundert“ erzählt das sehr schräge Leben des Leipzigers Hasso Grabner, der sich selbst treu blieb. Auch im Irrtum (Voland & Quist, 19 Euro).