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Schönfeld ruft zum Fischzug

Am Sonntag werden in der Teichwirtschaft die Netze eingeholt – mit Musik und kulinarischen Freuden rund um den Karpfen.

© Anne Hübschmann

Von Manfred Müller

Schönfeld. Etwas kleiner als üblich dürften die Karpfen sein, die am Wochenende aus dem Schönfelder Dammmühlenteich gezogen werden. „Der Sommer war zwar vom Wetter her nicht schlecht, aber hin und wieder doch recht kühl“, erklärt Teichwirt Tilo Groß. „Und Karpfen bekommen nun mal erst ab 20 Grad Wassertemperatur so richtigen Appetit.“ Mit einer Ertrags-Prognose bleibt Groß deshalb vorsichtig. Den könne man erst richtig einschätzen, wenn die Netze eingeholt sind. Immerhin hätten diesmal die Kormorane nicht so heftig zugeschlagen wie in anderen Jahren.

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Zwischen 40 und 60 Tonnen Fisch ziehen die Schönfelder Binnenfischer – je nach Fischbesatz und Wetterlage – jedes Jahr an Land. Das Abfischen Anfang Oktober ist zu einem regelrechten Volksfest geworden. Da kommen schon mal 5000 oder 6000 Besucher an den Dammmühlenteich, um die Karpfen auf dem Sortierband zappeln zu sehen. Am Sonntag wird wohl eher kein Publikumsrekord erreicht – es soll Regen geben. Aber auch bei trübem Herbstwetter ist der Fischzug ein Ereignis, und wenn es mal kurz gießt, kann man sich ins Bierzelt zurückziehen.

Neu: die Fisch-Currywurst

Wie jedes Jahr wird es ein Kulturprogramm geben – getragen vor allem von Kinder- und Jugendchören aus der Umgebung. Auch die Großenhainer Pilzfreunde sind mit einer umfangreichen Ausstellung vor Ort. Und natürlich gibt es jede Menge Kulinarisches – als besonderen Leckerbissen haben die Schönfelder eine Fisch-Currywurst kreiert. „Die meisten Leute kennen nur Karpfen blau“, sagt Tilo Groß. „Dabei hat der Karpfen so viel mehr zu bieten.“ In Filets zerlegt, gebe er einen exzellenten Bratfisch her, und auch in Suppen und Salaten mache er sich nicht schlecht.

Der 42-jährige Teichwirt ist schon seit 1993 am Dammmühlenteich zugange; seit dem Abschluss seiner Lehre als Binnenfischer. Damals sei er der einzige Lehrling im gesamten Dresdner Raum gewesen, erzählt er. In der Nachwendezeit wandten sich die Sachsen vom Süßwasserfisch ab und dem Seefisch zu, besonders dem Seelachs, den es zu DDR-Zeiten kaum zu kaufen gab. Keine leichte Zeit für die Teichwirte in der Region. Im Jahr 2001 übernahm Tilo Groß den Schönfelder Binnenfischereibetrieb und bringt ihn seitdem mit viel Herzblut und neuen Ideen über die Runden. Das Unternehmen bewirtschaftet neben der Dammmühle noch 21 andere Teiche zwischen Kalkreuth und Stölpchen – insgesamt um die 170 Hektar Wasserfläche. 2008 hat Groß in Kalkreuth eine Fischverarbeitungsanlage in Betrieb genommen, die die modernsten Hygienestandards erfüllt. Vor einem Jahr kam noch eine Imbiss-Ecke im Laden am Dammmühlenteich hinzu, wo jeden Tag ein anderes Fischgericht angeboten wird.

Das Kernprodukt der Schönfelder Teichwirtschaft ist und bleibt aber der Karpfen. Die Tiere werden nach dem Abfischen in Hälter gesetzt, wo sie auf den großen Verkaufsboom um Weihnachten und Silvester herum warten. Mehr als zwei Drittel der Jahresernte werden in dieser Zeit abgesetzt – bis zu 20 000 Karpfen. Das Meiste davon geht in Dresdner Fischgeschäfte und an Handelsketten, ein beachtlicher Teil aber auch in die Direktvermarktung. Letztere erreicht am 30. Dezember ihren Höhepunkt – da gehen die Fische praktisch im Akkord über den Verkaufstresen. Die Hälter am Dammmühlenteich werden von Frischwasser durchflossen, sodass die Karpfen geschmacklich top an den Mann gebracht werden können. Das schlammige Aroma, das man ihnen oft nachsagt, ist in Schönfeld kein Thema.