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Schotterpiste statt Datenautobahn

Die Gemeinde will alle Ortsteile mit Breitbandtechnik versorgen. Und setzt dabei auf eine veraltete Technologie.

© Verband kommunaler Unternehmen

Von Jürgen Müller

Diera-Zehren. Das Versprechen der Bundesregierung, dass bis Ende 2018 alle Haushalte in Deutschland über schnelles Internet verfügen, wird auch in Diera-Zehren nicht erreicht. Läuft der Breitbandausbau wie geplant, könnte es in der Gemeinde bis 2019 soweit sein. Im Gegensatz zu anderen dörflichen Gemeinden und Städten mit ländlichem Charakter sollen aber bis dahin alle Ortsteile angeschlossen sein, während man beispielsweise in Lommatzsch oder Käbschütztal jetzt schon einräumt, dass es „weiße Flecken“ geben wird, also Ortsteile ohne schnelles Internet.

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Doch auch in Diera-Zehren hat die Sache einen Haken. Denn überwiegend wird Kupferkabel statt Glasfaserkabel verbaut und damit veraltete Technik. Verschiedene Gemeinderäte kritisieren das. „Wir machen den Windhund zum Jagdhund. Der holt das Wild zwar ein, kann es aber nicht erlegen“, machte Gemeinderat Wolfgang Schneider (CDU) einen bildhaften Vergleich. Und will damit sagen, dass die Technik, die neu gebaut wird, schon jetzt veraltet ist. Dabei verlegt die Telekom zwar Glasfaserkabel, die Hausanschlüsse werden aber aus Kupferkabel sein, das sogenannte Vectoring. „Wir wollen nicht als Entwicklungsbremse dastehen, doch wir nehmen viel Geld in die Hand, da sollten am Ende alle Haushalte auf dem gleichen qualitativen Stand sein“, so Gemeinderat Lutz Wagner (Neue Wählergemeinschaft Diera-Zehren). Viel Geld wird der Breitbandausbau in der Tat kosten, insgesamt rund drei Millionen Euro. Zehn Prozent davon muss die Gemeinde als Eigenanteil bezahlen.

Dabei ist Diera-Zehren schon jetzt auf einem vergleichsweise günstigen Stand. Die linkselbischen Teile sind bereits erschlossen, dort liegen 30 MBit an. Nieschütz und Löbsal werden derzeit im angeführten Vectoring erschlossen. Dort sollen dann 50 MBit zur Verfügung stehen. In Ballungszentren gibt es schon jetzt 100 MBit und mehr. Ursprünglich war vorgesehen, dass alle anderen Ortsteile leer ausgehen, dort Lösungen mit Funktechnik gesucht werden. Das ist nun vom Tisch.

Als Vectoring wird eine Technologie bezeichnet, die das über Kupferkabel bezogene Internet schneller machen soll. Bei dem Datenverkehr über Kupferleitungen oder auch durch äußere Einflüsse entstehen elektromagnetische Störungen, die wiederum den Datenfluss stören und langsamer machen. Durch die Vectoring-Technologie sollen genau diese störenden Strömungen ausgeglichen werden. Das von der Telekom angebotene Vectoring ist nicht unumstritten. Ein Problem des Vectoring liegt darin, dass immer nur ein Provider Vectoring an einem Verteiler einsetzen kann. Der Zugriff und die Kontrolle des angeschlossenen Kupferkabels müssen allein bei einem Unternehmen liegen, damit die elektromagnetischen Störungen erfolgreich herausgefiltert werden können. Dies widerspricht sich jedoch mit dem Grundsatz des freien Netzzugangs. Es ist festgelegt, dass jeder Provider für seinen Kunden einen Zugang über das Netz der Telekom erhalten kann, um somit sein Angebot unterbreiten zu können.

Reinhard Sager, der Präsident des Deutschen Landkreistages, kritisiert die Telekom scharf: „Die Telekom betreibt in Deutschland aktives Rosinenpicken. Wo es sich wirtschaftlich lohnt auszubauen, dort geht die Telekom hin, das andere lässt sie liegen. Und wenn die Telekom auf das alte Vectoring setzt, dann bremst sie die gesamthafte Förderung von Breitband in Deutschland aus“, sagte er im ZDF.

Kritik am Breitbandausbau kam am Dienstag auch beim Breitband-Gipfel in Bautzen. Wenn man schon von Datenausbau spreche, so seien es auf dem flachen Land eher Schotterpisten, kritisierte der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU). Selbst der Ausbau mit 50 MBit, der noch längst nicht überall geschafft sei, sei nicht mehr zeitgemäß. Der Sächsische Städte- und Gemeindetag fordert einen Kurswechsel beim Breitbandausbau, ein Wegkommen vom Kupferkabel hin zum Glasfaserkabel bis in jedes Haus. Der Bund und der Freistaat würden die Probleme des Breitbandausbaus auf die Kommunen abwälzen. Die seien damit aber in jeder Hinsicht überfordert.

Das Versprechen der Bundesregierung, bis 2018 alle Haushalte mit schnellem Internet mit mindestens 50 MBit zu versorgen, hält selbst die Telekom für unrealistisch. Jetzt ist die Rede davon, dass 80 Prozent der Haushalte mit mindestens 50 Megabit versorgt werden sollen. Für mehr gebe es weder die Tiefbaukapazitäten noch die finanziellen Mittel. Und es fehle auch die Nachfrage, so Philipp Blank, Pressesprecher der Deutschen Telekom.

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