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Radebeul

Schüler erhalten Preis für Barrierestadtplan

Die Übersicht zeigt, wo alte Menschen in der Stadt gut oder schlecht vorankommen. Mit Rollstuhl und Rollator hatten die Schüler das selbst getestet.

Überraschte Preisträger: Radeburgs Bürgermeisterin Michaela Ritter (4.v.l.) nahm gemeinsam mit Vertretern des Geriatrischen Netzwerks Radeburg und der Zille-Oberschule eine der Auszeichnungen des Generationenpreises aus den Händen von Ministerpräsident Mi © Pawel Sosnowski

Von Sven Görner und Ulrike Keller

Radeburg. Bei einer Festveranstaltung in Dresden sind am Wochenende die Preisträger des diesjährigen Generationenpreises des Freistaates Sachsen bekannt gegeben worden. Ministerpräsident Michael Kretschmer und Sozialministerin Barbara Klepsch nahmen die Ehrung in der Sächsischen Staatskanzlei vor. 

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Neben drei Hauptpreisträgern, jeder bekommt 5 000 Euro, hatte die Jury auf Anregung der Staatskanzlei außerdem beschlossen, drei Anerkennungspreise – dotiert mit jeweils 1 500 Euro – zu vergeben. Verliehen wurde dieser unter anderem an das Projekt Barrierestadtplan von Schülern der Heinrich-Zille-Oberschule in Zusammenarbeit mit dem Geriatrischen Netzwerk Radeburg (GerN).

In der Zille-Stadt leben rund 2 400 Senioren. Vor zwei Jahren hatte sich das 2011 ins Leben gerufene Geriatrische Netzwerk Radeburg erstmals an die Enkelgeneration seiner Senioren-Zielgruppe gewandt. Eine Woche lang machte es zwei siebente Klassen der Heinrich-Zille-Oberschule mit der Situation alter Menschen vertraut.

 An einem Tag strömten die Jugendlichen dabei in sechs Gruppen in alle Gebiete des Ortsteils Radeburg aus. Ausgestattet mit Rollator und Rollstuhl erkundeten sie im Selbsttest, wo kein Weiterkommen ist. Mit Stift und Kamera dokumentierten die Mädchen und Jungen aber auch, wo betagte Menschen gut vorankommen.

Für die Bewertung verwendeten die Schüler ein einheitliches Ampelsystem: Grün markierten sie in der Stadtkarte, wo sie eine barrierefreie Gestaltung entdeckten. Gelb vermerkten sie Stellen, an denen Kleinigkeiten nicht in Ordnung waren. Und rot kennzeichneten sie schließlich die Beispiele, wo die baulichen Gegebenheiten ein echtes Problem darstellten. Auch Befragungen standen auf der Aufgabenliste dieser kritischen Stadt-Besichtigung.

Im August 2017 hatten zwei siebente Klassen der Zille-Schule Radeburg aus der Perspektive von Senioren erkundet. © Archivfoto: Arvid Müller

Ihre Ergebnisse stellten die Schüler dann nicht nur öffentlich im Rahmen eines jährlich vom GerN durchgeführten Aktionstages in ihrer Schule vor, sondern auf Einladung von Bürgermeisterin Michaela Ritter auch im Stadtrat der Zille-Stadt.

 Die Rathauschefin hatte in der Projektwoche auch einen Vortrag gehalten, der die Schüler in die Stadtplanung nach barrierearmen Gesichtspunkten einführte. Schon da kündigte sie an: „Die Ergebnisse der Begehung sollen nicht verpuffen.“ Konkret signalisierte sie Bereitschaft, Anregungen wenn möglich auch umzusetzen.

Am Sonnabend war Michaela Ritter bei der Preisübergabe mit dabei. Die SZ fragte sie gestern, welche der im Barrierestadtplan aufgezeigten Problemstellen denn inzwischen schon entschärft oder beseitigt werden konnten.

 „Mit dem Neubau der Brücke Meißner Straße gibt es dort seit vorigem Jahr einen barrierefreien Zugang zum Zille-Hain. Und mit der jetzt gestarteten Neugestaltung des Marktes wird der gesamte Platz ab Herbst problemlos nutzbar sein, denn Bordsteine gibt es dort dann nicht mehr.“

Noch in diesem Jahr soll zudem vor der Grundschule Meißner Berg eine barrierefreie Haltestelle entstehen. Einschließlich Zugang zur Schule. Und dass die Fußwege in Volkersdorf und auch die geplanten an der Königsbrücker Straße asphaltiert statt gepflastert werden, sei nicht nur eine Frage der Kosten. „Die Diskussion im Stadtrat hat gezeigt, dass mit dem Plan auch eine Sensibilisierung für das Thema Barrierefreiheit erreicht wurde“, ergänzt Michaela Ritter.

Insgesamt waren mehr als einhundert Bewerbungen aus ganz Sachsen eingereicht worden. Die Jury hat insbesondere Erfolg, Besonderheiten, Langzeitwirkung und Übertragbarkeit der eingereichten Projekte bewertet. 

Ziel des Wettbewerbes ist es, die vielen generationenübergreifenden Projekte, die es in ganz Sachsen gibt, noch stärker bekannt zu machen und die Arbeit der Initiativen und der dahinter stehenden Menschen zu würdigen. Der Generationenpreis wurde erstmals 2009 verliehen. Er wird alle fünf Jahre ausgeschrieben.