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Zittau

Schüler erinnern an NS-Opfer

Die Klasse 7 der Zittauer Weinauschule hat die Patenschaft für Stolpersteine übernommen, die der jüdischen Familie Hann gewidmet sind. Der Grund liegt nah.

Die Schüler der 7. Klasse putzen die Stolpersteine, die an die jüdische Familie Hann aus Zittau erinnern.
Die Schüler der 7. Klasse putzen die Stolpersteine, die an die jüdische Familie Hann aus Zittau erinnern. © Rafael Sampedro

Mit Bürsten putzen die Mädchen und Jungen die Messingoberfläche der Stolpersteine auf der Weinauallee in Zittau, die an die hier einst lebende jüdische Familie Hann erinnern - Opfer der NS-Zeit. Die 7. Klasse der Weinauschule hat am Donnerstag die Patenschaft übernommen. "Wir sollten an diese schlimme Zeit erinnern", sagt Geschichts- und Klassenlehrer Konrad Petter. "Daran, dass auch in unserer Nachbarschaft Menschen abgeholt und umgebracht worden sind."

Ihm ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen - und so etwas nie wieder zuzulassen. Doch der rechte Anschlag vom Mittwoch in Halle mit zwei Toten zeigt dem Lehrer, wie aktuell das Thema ist. Dort sollten gezielt Menschen einer Synagoge an ihrem jüdischen Feiertag umgebracht werden, so Petter. "So was gab es schon einmal und solche Taten sind durchaus wieder möglich."

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Über das Leben von Philipp und Julie Hann und ihren Söhnen Ludwig und Walter recherchierten die Schüler diese Woche. Die Eltern eröffneten 1905 ein Schuhgeschäft am Rathausplatz, später in der Reichenberger Straße 19. Im Jahre 1928 erwarben sie ein Grundstück in der damaligen Bismarckallee 30, die heutige Weinauallee, und bauten für sich und ihre Söhne die Villa "Haus Barbara". Zwei Jahre darauf kaufte das Ehepaar das Haus in der Reichenberger Straße 10 und richtete hier ein Schuhgeschäft ein.

Während der NS-Zeit verschlechterte sich das Leben der Familie, sie sollten Wohn- und Geschäftshaus verkaufen. Im Sommer 1938 begann die Arisierung des Schuhhauses. Im Oktober 1938 eröffnete ein "arischer Eigentümer" das Geschäft unter neuem Namen, der Name Hann verschwand. Philipp und Julie Hann wurden 1942 über Dresden nach Theresienstadt deportiert. Dort starb die Mutter im Ghetto Theresienstadt - gezeichnet von Hunger, Entkräftung und Krankheiten. Der Vater kam Ende 1943 nach Auschwitz und kehrte nie wieder zurück. Sohn Walter emigrierte in die USA, Ludwig nach Prag. Letzterer wurde im Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert, zwei Jahre darauf nach Auschwitz und schließlich im Februar 1945 in Dachau ermordet. 

Bis 1937 lebte in Zittau auch die verwitwete Schwester von Philipp Hann, Pauline Heller. Im Dezember 1941 wurde sie von Prag nach Theresienstadt deportiert und im Oktober 1942 nach Treblinka.

Die Stolpersteine aus Beton und Messing dienen als Mahnmal und werden ausschließlich aus Spenden finanziert. Jede Verlegung übernimmt Künstler Gunter Demnig persönlich - und zwar vor den Häusern, an denen die  während der NS-Zeit Verfolgten, Deportierten, Vertriebenen, Ermordeten oder in den Suizid Getriebenen zuletzt freiwillig lebten. 

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