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Schüler schrauben am Schilderwald

In der Schau-rein-Woche versucht der Bauhof, junge Leute für sich zu gewinnen. Das ist gar nicht so einfach.

© Dirk Zschiedrich

Von Nadine Franke

Neustadt. Mit einem dumpfen Knall fällt ein rechteckiger, schwarzer Block auf den Schotter im Bauhof Neustadt. 28 Kilo liegen nun dort. Ein einheitliches Stirnrunzeln zieht sich über die Gesichter der sechs umstehenden Jungen. Sie sind unschlüssig, was sie damit anfangen sollen. Dann kommt Straßenwärter Michael Roch mit einem Stahlrohr um die Ecke, das mit seinen zweieinhalb Metern weit über die Köpfe der Jugendlichen reicht, die am kühlen Mittwochmorgen bei dem Rundgang über das Gelände frieren. Sie sind im Rahmen der Berufsorientierungswoche „Schau rein“ gekommen, um einen Einblick zu bekommen, was ein Straßenwärter so macht.

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Ganz klar scheint ihnen noch nicht zu sein, was der Mann in der orangefarbenen Jacke mit der Stange vorhat – bis er eine dünne, kreisförmige Aluminiumplatte hinter dem Rücken hervorholt. Ein roter Rand umschließt einen weißen Kreis. „Na, wer weiß, was das ist?“Roch fragt es mit einem Lachen. Die Jungs bleiben still, grinsen bei der offensichtlichen Frage. Eine Antwort gibt trotzdem keiner, obwohl jeder das Schild erkennt: Durchfahrt verboten.

Doch das Schild in den Händen des Straßenwärters muss noch zusammengebaut werden. „Wer packt mal mit an?“ Wieder herrscht Stille. Erst bei Aufforderung kommt langsam Regung in Siebtklässler Pascal Siegert und Achtklässler Leon Kramer aus Stolpen. So schwierig sieht es nicht aus. Leon schiebt das Schild auf das Rohr. Er hält es in der richtigen Position, damit sein Freund Pascal die zwei Klemmschellen aus weißen und rotem Kunststoff festdrehen kann. Gar nicht so einfach mit den kalten Fingern. Aber es gelingt.

Die beiden beschauen sich ihr Werk, bevor sie grinsen. Sie haben den gleichen Gedanken: Da passt noch was ran. Schnell ist ein Zusatzschild aus dem Stapel gesucht und ebenfalls montiert. Beim zweiten Mal geht es schon besser. Nun steht auf dem Schild, das die Durchfahrt nur werktags von 7 bis 18 Uhr verboten sei. „Das haben sie schon mal gut gemacht“, grinst Roch. Er arbeitet seit knapp fünf Jahren auf dem Bauhof. Es war seine zweite Lehre, doch für ihn stand schon immer fest, dass er beruflich in Richtung Bau will. Die Schüler scheinen noch nicht recht davon überzeugt zu sein. Auszuprobieren gibt es hier für sie nicht viel, und den nächsten freien Ausbildungsplatz erst 2021.

Die Oberschüler werden von Michael Roch durch die Werkstatt und die Garage mit Traktoren und Winterfahrzeugen geführt. Im Vorbeigehen können sie die Laugenwanne und das Salzsilo bestaunen, Roch beschreibt die Arbeitsaufgaben von Straßen- und Grünanlagenpflege bis zum Winterdienst. Eine knappe Stunde dauert es. Wirklich euphorisch scheint am Ende niemand. Aber Pascal ist auch nicht abgeneigt. „Die Arbeit ist interessant und vielfältig.“ Und das frühe Aufstehen für den Winterdienst schreckt Pascal und Leon auch nicht ab.

Nach Angaben des Landratsamtes nutzten im Landkreis insgesamt 720 Schüler die vergangene Woche, um bei der Aktion „Schau rein“ die Arbeit in verschiedensten Betrieben kennenzulernen. In knapp 90 Unternehmen konnten die Jugendlichen über 100 Ausbildungsberufe erkunden. Die nächste Aktionswoche gibt es voraussichtlich vom 11. bis 16. März 2019.