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Schüler wissen früher, was sie werden wollen

Die Jugendlichen sind entschlossen wie lange nicht. Für manche Wünsche ist es aber schwierig, eine Lehrstelle zu finden.

Von Gunnar Klehm
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Ein Paradebeispiel, wie Berufspraxis erlebbar gemacht werden kann: Schüler probieren sich bei der Dürrröhrsdorfer Fleisch- und Wurstwaren GmbH im Wurstmachen aus.
Ein Paradebeispiel, wie Berufspraxis erlebbar gemacht werden kann: Schüler probieren sich bei der Dürrröhrsdorfer Fleisch- und Wurstwaren GmbH im Wurstmachen aus. © Foto: PR

Ein bisschen Geschick gehört dazu, wenn Wurst produziert wird. Welche Fähigkeiten von Mitarbeitern gefragt sind, das konnten jetzt Schüler bei der Firma Dürrröhrsdorfer Fleisch- und Wurstwaren im Rahmen von „Schau rein! – Woche der offenen Unternehmen“ erleben. Rund 130 Firmen und Einrichtungen aus dem Landkreis beteiligten sich an der sachsenweiten Initiative und luden Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 ein, hinter die Werkbank, den Schreibtisch, ins Lager oder in die Produktion zu schauen. Dass sich die Firmen ordentlich ins Zeug legen, hat seinen Grund: Es wird zunehmend schwieriger, Lehrstellen zu besetzen und im Wettbewerb um die besten Bewerber zu bestehen. Mehr als 830 Mädchen und Jungen nutzten die Gelegenheit und schauten rein. Das waren 100 mehr als noch im vergangenen Jahr, teilt das Landratsamt mit.

Die Dürrröhrsdorfer Fleisch- und Wurstwaren GmbH wurde von Landrat Michael Geisler (CDU) als bestes Unternehmen ausgezeichnet, dessen „praxisnahes und jugendgerechtes Angebot überzeugte“. Geschäftsführer Ralph Ehrentraut sieht die Aktion als eine gute Chance für Schüler, sich frühzeitig praktisch auszuprobieren.

Auch im Ahorn Waldhotel Altenberg informierten sich etwa 20 Schüler und Eltern, welche beruflichen Möglichkeiten es gibt. Praktisch ging es zu, als gemeinsam mit den Köchen Pizza gebacken wurde. Außerdem lernten die Jugendlichen, wie man Cocktails mixt und Tische fachgerecht eindeckt. Schließlich wurden noch die Ohren gespitzt, als die Vergünstigungen für Lehrlinge aufgezählt wurden. Die Hotel-Gruppe macht sich große Hoffnungen, so genügend geeignete Bewerber zu finden.

Für sich werben müssen viele Branchen. Die Ofen- und Luftheizungsbauer, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger-Innung organisierte einen speziellen „Handwerkertag“. In der Stadtverwaltung Freital informierten die Auszubildenden selbst über ihren Alltag und organisierten Mitmachaktionen für die interessierten Schüler.

„Schau rein!“ ist Sachsens größte Initiative zur Berufsorientierung. Prämiert wurden dabei auch Bildungseinrichtungen, und zwar die Oberschulen Bad Gottleuba und Wilsdruff sowie die Dr.-Heinrich-Hoffmann-Schule in Pirna. Sie beteiligten sich prozentual mit den meisten Schülern im Landkreis. Weitere Möglichkeiten zur Berufsorientierung gibt es etwa bei „Girls’ day“ und „Boys’ day“, bei der die Arbeitsagentur zusammen mit der Stadt Pirna und dem Landratsamt versucht, geschlechtergeprägte Berufsbilder aufzubrechen. Bei der begehrten Aktion „Komm auf Tour“ wiederum werden Schüler in ihrer Berufsorientierung und Lebensplanung unterstützt.

Viele dieser Aktionen nutzen immer mehr Unternehmen, um schon frühzeitig in Kontakt mit potenziellen Nachwuchskräften zu treten und so dem beginnenden Fachkräftemangel vorzubeugen. Landrat Geisler dankt dabei Schulleitern und Lehrern für ihr Engagement: „Bei dem Ziel, den Nachwuchs rechtzeitig und gezielt für ihre spätere Berufslaufbahn zu sensibilisieren und damit Arbeitskräfte für unsere Unternehmen zu sichern, können die Schulen eine ganze Menge bewirken.“ Dafür sei eine Vernetzung wie etwa im Arbeitskreis Schule Wirtschaft von großer Bedeutung.

Die große Beteiligung an den Aktionen zeige, dass dies der richtige Weg ist, um den jungen Menschen Perspektiven in der Region nahezubringen. Die Arbeitsagentur registriert aber auch, dass die Jugendlichen so entschlossen sind wie lange nicht und schon viele einen Ausbildungsvertrag fürs kommende Lehrjahr in der Tasche haben. „Wir haben weniger Unversorgte als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr“, sagt die Chefin der Arbeitsagentur Pirna, Gerlinde Hildebrand. Viele Schüler wissen offenbar früher als bisher, was sie werden wollen.

Die größte Auswahl haben die Jugendlichen, die sich für den Beruf des Zerspanungsmechanikers entscheiden. Hier gibt es im Landkreis dreimal so viele gemeldeten Ausbildungsstellen wie Bewerber. Beim Kfz-Mechatroniker gibt es dagegen doppelt so viele Bewerber wie Lehrstellen.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/pirna und in unseren anderen Online-Ausgaben für Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz vorbei.

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