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Armbrust-Fall gibt weitere Rätsel auf

Fünf Tote, drei Armbrüste, eine Pension, eine Wohnung und ein Mittelalterladen - das sind die Eckdaten eines Moderfalles, der sich über drei Bundesländer erstreckt.

In dieser Pension in Passau wurden amSamstag zu Leichen eines 53-Jährigen und seiner Frau (33) sowie einer 30 Jahren alten Bäckereiverkaufsleiterin gefunden. © Matthias Schrader/AP/dpa

Der Armbrust-Fall mit drei Toten in Passau und zwei Toten im niedersächsischen Wittingen gibt weiter Rätsel auf. Insbesondere die Frage nach einem Motiv für das gesamte Geschehen ist noch nicht geklärt. Die Obduktionen der Leichen haben zumindest etwas Licht ins Dunkel gebracht. Die rechtsmedizinische Untersuchung der Toten aus Passau gab Hinweise auf die Tatumstände. Geklärt ist die Identität der beiden am Montag in einer Wohnung in Wittingen gefundenen Frauen. Wie sie ums Leben kamen, blieb zunächst noch unklar.

Was die drei in der Passauer Pension mit Armbrustpfeilen getöteten Menschen betrifft, geht die Staatsanwaltschaft von Tötung auf Verlangen beziehungsweise Suizid aus. Es gebe weiterhin keine Hinweise darauf, dass eine vierte Person an dem Geschehen beteiligt gewesen sein könnte, sagte am Dienstag ein Sprecher der dortigen Staatsanwaltschaft.

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Die Obduktion der am Samstag gefundenen Leichen aus Passau ergab, dass ein 53-jähriger Mann und eine 33-jährige Frau, die Hand in Hand in einem Bett lagen, jeweils durch einen Schuss ins Herz getötet wurden. Bei einer 30-Jährigen, die in dem Zimmer auf dem Boden lag, sei ein Schuss in den Hals sofort tödlich gewesen. Es deute alles darauf hin, dass die 30-Jährige erst die beiden anderen und dann sich selbst erschossen habe. Man könne das Geschehen auch als erweiterten Suizid betrachten.

Die beiden Leichen im Bett hätten weitere Pfeile aufgewiesen, die den Erkenntnissen nach jedoch erst nach den tödlichen Schüssen ins Herz abgeschossen worden seien. Bei keiner der drei Leichen gebe es Kampf- oder Abwehrspuren. Zudem seien in dem Pensionszimmer zwei Testamente gefunden worden, die von den beiden im Bett liegenden Personen stammten. Von möglichen Verbindungen des Trios in die Ritter-Szene, über die Medien berichteten, wusste der Sprecher der Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben nichts.

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Die Obduktion der beiden getöteten Frauen in Wittingen ergab, dass sie nicht durch äußere Gewalt ums Leben kamen. Die Todesursache stand am Dienstag noch nicht fest, wie eine Sprecherin der Hildesheimer Staatsanwaltschaft sagte. In der Wohnung wurden laut Polizei keine Armbrüste oder Pfeile gefunden. Die Leichen lagen in der Wohnung der 30-Jährigen, die in Passau starb. Ersten Erkenntnissen nach liegt der Todeszeitpunkt einige Tage zurück.

Bei einer der beiden Frauen handelte es sich laut Polizei um die Lebensgefährtin der 30-Jährigen, eine 35-jährige Grundschullehrerin. Die zweite Tote ist eine 19-Jährige, die ebenfalls in der Wohnung lebte. In welcher Beziehung sie zu den anderen Beteiligten stand, ist noch unklar. Die 30-Jährige war laut Polizei Verkaufsleiterin in einer Bäckerei. Die Polizei hatte beide Leichen entdeckt, als sie der 35-Jährigen die Nachricht überbringen wollte, dass ihre Lebenspartnerin in Passau gestorben sei.

Der Fernsehsender RTL berichtete am Dienstagabend unter Verweis auf Ermittler, dass es sich bei der 19-Jährigen um eine seit mehreren Jahren vermisste Jugendliche handeln dürfte. Deren Eltern berichteten im Interview, wie ihre Tochter den 53-Jährigen im Kampfsportclub kennenlernte und wenig später den Kontakt zur Familie abbrach.

Die Zeitung "Bild" zitierte am Abend einen Mann, der von seiner Begegnung mit dem 53-Jährigen berichtete. Demnach hatte er dem 53-Jährigen vorübergehend einen Pferdehof verpachtet. Die Frauen sollen sich dem 53-Jährigen gegenüber auffallend unterwürfig verhalten haben.

Im ostniedersächsischen Wittingen hat der Tod der Frauen und die Verbindung zum Passauer Armbrust-Fall die Menschen aufgewühlt, wie Bürgermeister Karl Ridder (CDU) am Dienstag sagte. "Das ist Gesprächsthema Nummer eins im Ort." Die Frauen hätten erst seit März in Wittingen gelebt. Die 35-Jährige hat an der Grund- und Oberschule unterrichtet. "Die Schüler und Lehrer werden dort aktuell betreut", sagte Ridder.

Der 53-Jährige und die 33-Jährige waren in einer Gemeinde im Westerwald in Rheinland-Pfalz gemeldet. Dort war der Staatsanwaltschaft nach auch die 30-Jährige bis vor zwei Monaten gemeldet. Im nahegelegenen Hachenburg betrieb der Mann einen Mittelalterladen. Vor der Pension in Passau, in der sich die drei am Freitag eingemietet hatten, stellte die Polizei das Auto der 33-Jährigen sicher. Der weiße Pick-up werde untersucht.

Warum sie sich ausgerechnet Passau als Ort für ihren Tod ausgesucht haben, sei noch ein Rätsel, sagte der Sprecher der dortigen Staatsanwaltschaft. Zumindest eine der drei Armbrüste hatten sie zuvor in Österreich gekauft. Das belege eine Quittung. Viele Fragen sind noch offen. (dpa)