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Schützen im Visier

Die Freischützengesellschaft in Großenhain hat Biathlon-Zuwachs bekommen. Sicherheit steht auf der Schießanlage an erster Stelle.

© Kristin Richter

Von Thomas Riemer

Großenhain. Die Ruhe ist trügerisch. Derzeit aber insbesondere der Urlaubs- und Ferienzeit geschuldet. An „normalen“ Tagen herrscht auf der Schießanlage auf der Großenhainer Villastraße ordentlich Betrieb. In den letzten Monaten sogar etwas mehr als bislang. Denn die hier ansässige Freischützengesellschaft 1860 e. V. hat einen beachtlichen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen. Von 60 auf etwa 90 ist die Zahl gestiegen. Vor allem junge Leute sind dem Verein beigetreten. Der Grund: Seit rund einem Jahr sind mehrere Kinder und Jugendliche vom Sommerbiathlon aus Nünchritz/Glaubitz in die Röderstadt gewechselt. „In Glaubitz waren sie offenbar mit den Trainingsbedingungen nicht mehr so zufrieden“, erklärt Hartmut Preller, der Vizevorsitzende der Großenhainer Freischützengesellschaft. Deshalb sei ein Teil der Biathleten zur Villastraße gekommen, auch ein paar Sportschützen zählen zu den neuen Mitgliedern. Die Freischützen freut‘s. „Wir haben jetzt auch Kinder- und Jugendmannschaften bei Wettkämpfen. Das bringt ein paar Fördergelder“, so Hartmut Preller. Bei den jüngsten Landesmeisterschaften der Biathleten auf der eigenen Anlage im Juni hab es in den einzelnen Wertungen auch ein paar Podestplätze. An etwa acht Wettkämpfen pro Jahr beteiligen sich die jungen Biathleten, trainieren dafür durchschnittlich zweimal pro Woche. Geschossen wird bei den Kindern übrigens mit einer Laserwaffe, die Laufstrecken liegen zwischen anderthalb und vier Kilometern und werden auf dem Schießplatzgelände, jedoch in einem gesicherten Bereich abseits der Schießbahnen absolviert.

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Dies und vieles mehr gehört zu den strengen Auflagen und Sicherheitsvorkehrungen, mit denen Sportschützen und die jeweiligen Vereine leben und umgehen müssen. „Wir sind mächtig an Vorschriften gebunden. Aber das ist richtig so“, sagt Hartmut Preller. „Denn die Sicherheit steht an vorderster Stelle.“ Jedes Vereinsmitglied sei deshalb beim Landratsamt akribisch registriert. Die Richtigkeit der dortigen Angaben werde immer mal wieder stichprobenartig kontrolliert, so Hartmut Preller. Dazu gehören nicht nur Name und Adresse, sondern beispielsweise auch die Prüfung zur Einhaltung der Vorschriften fürs Aufbewahren einer Waffe. Die nämlich darf nicht irgendwo liegen, sondern muss in einem vorschriftsmäßig gesicherten Waffenschrank sein. Auch für den Transport zu einer Schießstätte gibt es genaue Vorschriften. Jede Schusswaffe ist zudem auf einer sogenannten Waffenbesitzkarte (WBK) registriert, die übrigens nicht mit einem Waffenschein zu verwechseln ist. Letzteren haben zum Beispiel Polizisten, wenn sie sich in einem Einsatz befinden. Der Weg bis zum Erhalt einer WBK ist nicht ganz einfach. Eine Bedingung ist, dass der Antragsteller mindestens ein Jahr Mitglied im Verein ist, einen sogenannten Sachkunde-Lehrgang zu Waffen absolviert hat und nachweist, dass er für den Fall einer WBK-Erteilung auch die ordnungsgemäße Aufbewahrung der jeweiligen Waffe absichert. Das, am Rande bemerkt, ist auch eine recht kostspielige Angelegenheit.

Zur Sicherheit gehört selbstverständlich die vereinseigene Waffenkammer. Hier befinden sich insbesondere die Waffen, mit denen die Kinder und Jugendlichen ihrem Hobby nachgehen. Der Blick ins Innere beweist: Hier hat alles seine Ordnung, auch die Schließvorrichtung ist akribisch installiert. Und natürlich wird dies alles auch immer wieder von den zuständigen Ämtern und Behörden kontrolliert.

Dass es trotzdem zu Pannen kommt, die die Sportschützen zuweilen in Verruf bringen, zeigt der Fall des Königsbrücker Heideschützen vom Mai. Der hatte eine „Lücke“ im Kontrollsystem zwischen seinem früheren Dresdner Verein sowie den zuständigen Amtsstuben genutzt und eine Pistole aus der Vereins-Waffenkammer gestohlen. So etwas dürfe einfach nicht passieren, sagt Hartmut Preller und beklagt ein wenig, dass der Informationsfluss zwischen den Vereinen sowie den Behörden inklusive Polizei nicht komplett funktioniert.

Die Großenhainer Freischützengesellschaft lässt sich davon kaum beeindrucken. Neben den zum Teil erfolgreichen Sportschützen und Biathleten wollen sie ihren Verein und ihre Schießstätte auch künftig interessierten Bürgern präsentieren. Unter der gestrengen Aufsicht der berechtigten Vereinsmitglieder können sie ihre Schießkunst auf den Bahnen zeigen. Im August gibt es dafür mehrere gute Gelegenheiten – bis hin zum Schützenfest am 18.