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Schützt euch

Datensicherheit im Internet wird immer wichtiger. Experten der Volkshochschule erklären, wie das geht.

© dpa/Silas Stein

Von Franz Werfel

Freital. Vor vier Jahren löste der frühere NSA-Mitarbeiter Edward Snowden eine weltweite Debatte darüber aus, wie sehr Staaten Einblick in die Leben ihrer Bürger nehmen. Im Dezember wurden Teile der Ukraine durch einen Hackerangriff kurzzeitig vom Stromnetz getrennt. Zwei Tage vor der zweiten Wahlrunde in Frankreich haben Hacker versucht, diese mit gestohlenen E-Mail-Dateien zu beeinflussen. Jeden Tag werden Politiker, Unternehmen, Behörden und Bürger Opfer von geknackten Datensätzen.

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Anne Mättig, Leiterin Computer und Beruf an der VHS
Anne Mättig, Leiterin Computer und Beruf an der VHS

Von Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes ist jeder betroffen. Man muss sich dafür nicht einmal selbst ins Internet begeben. Eigene digitale Daten hinterlässt jeder: beim bargeldlosen Bezahlen oder beim mobilen Telefonieren. Die Bank, der Staat, der Telefonanbieter – alle speichern Kundendaten in Netzen, die mehr oder weniger gut geschützt sind. Einer Onlinestudie von ARD und ZDF im Jahr 2016 zufolge bewegen sich 84 Prozent aller Deutschen im Internet. Mehr als je zuvor, länger als je zuvor. Doch wenn es darum geht, die eigenen Schritte im Netz abzusichern, verhalten sich die meisten unvernünftig. Der Schutz ist zu gering.

Dass Bürger immer mehr Fragen in diese Richtung stellen, beobachtet auch die Volkshochschule (VHS) des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. „Themen wie Datensicherheit, sichere Wege im Internet und überhaupt die Frage, welchen Anbietern man vertrauen kann, werden immer wichtiger“, sagt VHS-Chef Andree Klapper. Zusammen mit Anne Mättig, die den Bereich Computer und Beruf leitet, hat er neue Kurse entwickelt, die den Teilnehmern genau diese Fragen beantworten sollen. Die SZ fasst das Wichtigste zusammen.

Warum ist Datenschutz überhaupt ein wichtiges Thema?

Früher lagerten Firmen und Privatleute wichtige Dokumente im Schrank oder im Safe. Mittlerweile sind diese alle irgendwo digital gespeichert. „Nichts ist im Internet 100-prozentig sicher“, sagt Anne Mättig.

Immer wieder werden auch Prominente Opfer von geknackten Daten. Sogar ein fertiger Kinofilm wurde schon mindestens einmal einem Studio in Hollywood gestohlen. „E-Mail ist wie Postkarte“, sagt Andree Klapper. Wirklich sensible Daten sollte man mit diesem Medium nicht versenden. „Passwörter sollte man generell nicht per E-Mail verschicken.“ Verschlüsselungssoftware sei gut, würde aber zu wenig genutzt.

Seitdem in Laptops standardmäßig kleine Kameras eingebaut sind, kleben manche diese mit Pflastern ab. „Das kann auch bei neueren Fernsehern, die man etwa durch Bewegung steuert, sinnvoll sein“, sagt Klapper. Denn auch deren Kameras könnten gehackt werden.

Was macht ein starkes Passwort aus, das nicht leicht zu hacken ist?

Studien und Umfragen zeigen, dass sehr viele Menschen leichtfertig mit ihren Passwörtern umgehen. „Als starkes Passwort gilt eine Kombination von mindestens acht Zeichen, die kleine und große Buchstaben, Sonderzeichen und Zahlen verwendet“, sagt Anne Mättig. Eselsbrücken helfen, sich diese Kombinationen zu merken. Ein Beispiel: Aus den Anfangsbuchstaben der Wörter von „Ich stehe jeden Morgen um acht Uhr auf und putze meine Zähne!“ wird das Passwort IsjMu8Ua&pmZ! „Das wäre ein guter Schutz“, so Mättig.

Hinzu kommt: Für verschiedene Plattformen, also das E-Mail- oder Bankkonto, die sozialen Netzwerke und Kundenprofile auf Online-Shopping-Seiten sollte man je ein eigenes Passwort benutzen. Wird ein Account geknackt, hat der Hacker nicht gleich Zugang zu allen anderen Konten. Aktuell wird empfohlen, jedes Passwort alle drei Monate zu wechseln. Als besonders schützenswert gilt der E-Mail-Zugang, da Seitenbetreiber Passwörter per E-Mail zurücksetzen oder neue verschicken.

Wie kann ich mich am besten vor digitalen Viren schützen?

„Kostenlose Anti-Viren-Programme sind immer noch besser als gar keine“, sagt Andree Klapper. Es komme darauf an, wie wichtig einem die Daten sind, die man auf dem jeweiligen Computer gespeichert hat. „Firmen sollten mit kostenpflichtiger Anti-Viren-Software und zusätzlich einer Firewall arbeiten, die Angriffe abwehrt.“ Welche Programme gut funktionieren, testen Fachmagazine wie chip.de oder pc-magazin.de. Deren Ergebnisse sind im Internet oft für jedermann frei zugänglich.

Tatsächlich gelten Computer von Apple noch immer als deutlich weniger anfällig für Viren. „Apple bestimmt, dass auf ihren Geräten nur die eigenen Betriebssysteme laufen dürfen“, sagt Andree Klapper. „Dadurch sind die Schnittstellen weniger anfällig für Viren.“ Der Haken: Apple-Produkte sind noch immer deutlich teurer als Computer und Smartphones mit anderen Betriebssystemen.

Wie schütze ich meine Daten sinnvoll im Internet?

Jeder solle sich gut überlegen, welche Daten er überhaupt ins Netz stellt. „Gerade bei jungen Menschen beobachten wir eine gewisse Leichtfertigkeit etwa im Umgang mit Fotos“, sagt Anne Mättig. „Was einmal im Netz stand, kriegt man in der Regel nie wieder heraus.“ Weil Daten rasant kopiert und weiterverbreitet werden, könne man einmal verschicktes Material oft nicht löschen. „Das Internet vergisst nicht.“

Zu beachten sei auch, mit welcher Internetverbindung man das Netz betrete. „Das mitgelieferte Wlan-Passwort sollte man ändern“, sagt Andree Klapper. Zudem sei das mobile Internet, das über das Handynetz läuft, in der Regel sicherer als offene ungeschützte Wlan-Verbindungen. Diese bieten viele Cafés, Restaurants, Einkaufszentren und Hotels ihren Kunden als vermeintliche Serviceleistung an. „Wer sich auskennt, kann bei offenen Netzen aber leicht viele Daten abschöpfen“, so Klapper.

Die meisten Cloud-Systeme, also Speicher, die auf Servern in der ganzen Welt verteilt liegen, seien relativ sicher. „Aber auch hier gilt: Sind Fotos, Texte, sensible Daten einmal hochgeladen, können sie auch entwendet werden. Sicherer ist es, die Daten auf externen Festplatten zu speichern. „Dann aber sind sie nicht überall verfügbar und können auch nicht so schnell mit anderen geteilt werden“, sagt Anne Mättig. Es sei wie bei so vielen Dingen in der digitalen Welt: „Die Freiheit, die man mit einer neuen Technologie gewinnt, gibt es nie umsonst.“

Das VHS-Kursprogramm für das Wintersemester steht. Es ist u.a. in allen Sparkassen-Filialen gratis erhältlich. Für die Kurse anmelden kann man sich ab dem 12. Juni.